Diese Behandlungsmethode stillt nicht nur die Schmerzen, sondern verzögert auch das Wiederauftreten von Aphthen. Das Behandlungsprinzip besteht darin, das Feuer zu vermindern und die Schmerzen zu stillen (xiè huǒ zhǐ tōng). Es werden schmerzhafte Punkte sowie Punkte auf dem Konzeptionsgefäß, dem Lenkergefäß, dem Blasenmeridian, Herzmeridian und Magenmeridian benutzt. Man benötigt eine gerade und eine gebogene dreikantige Nadel und Schröpfköpfe verschiedener Größe. Man kann eine der folgenden Behandlungsvorschriften verwenden.

  • An den schmerzhaften Punkt wird mit der schmalen dreikantigen Nadel eingestochen und etwa drei bis zehn Tropfen Blut abgelassen. Bei kleinen Wunden reicht es, einmal einzustechen, bei größeren kann man dreimal punktieren.
  • Blutenlassen an den Gefäßen unter der Zunge mit der schmalen dreikantigen Nadel. Dabei werden etwa 3 bis 5 ml Blut abgelassen.
  • An der Zungenspitze werden mit der schmalen dreikantigen Nadel fünf bis zehn Blutstropfen abgelassen.
  • Die Punkte LG 27 (duì duān) und KG 24 (chéng jiāng) werden mit der schmalen dreikantigen Nadel akupunktiert und 0,5 bis 1 ml Blut herausgedrückt.
  • Man punktiert die Ohrspitze oder die Gefäße hinter dem Ohr mit der schmalen dreikantigen Nadel und quetscht 0,5 bis 1,5 ml Blut heraus.
  • Man akupunktiert die Punkte Bl 15 (xīn shū) und Bl 21 (wèi shū) mit der schmalen dreikantigen Nadel und schröpft anschließend 3 bis 5 ml Blut ab.
  • Man akupunktiert die Punkte Di 1 (shāng yáng) und Ma 6 (jiá chě) mit der schmalen dreikantigen Nadel und lässt fünf bis zehn Tropfen Blut ab.
  • Die Verbindungsgefäße am Punkt Bl 40 (wěi zhōng) werden punktiert und 10 bis 20 ml Blut abgelassen.

Behandlungsablauf

Bei gelegentlichem Auftreten der Aphthen sind eine oder zwei Behandlungen an jeweils einem oder zwei Tagen ausreichend. Nach der Akupunktur kann ein Taubheitsgefühl in der Gegend der Wunden auftreten, aber die Schmerzen sind geringer, und der Patient kann meist wieder essen. In chronischen Fällen muss man einmal oder zweimal täglich behandeln. Sieben Behandlungen bilden einen Behandlungszyklus. Zwischen zwei Behandlungszyklen wird eine Pause von einer Woche eingelegt. Es können drei bis fünf Behandlungszyklen gegeben werden.

Fallbeispiel: Aphthen

Eine 35jährige Verlegerin kam wegen immer wieder auftretender Aphthen zur Behandlung, die sie beim Essen behinderten. Sie war gelegentlich obstipiert.

Bei der Untersuchung erschien sie sehr erschöpft, ihr Mund stand offen und der Speichel floss heraus. Sie hatte üblen Mundgeruch und in der Mundhöhle fanden sich 13 alte und neue rote Wunden von Bohnengröße bis Sojabohnengröße mit klarer Abgrenzung. Der Puls war beschleunigt (sù), die Zunge hatte einen gelben Belag. Es handelte sich hier um aufflammendes Feuer im Magen (yáng míng huǒ rè shàng xūn).

Das Behandlungsprinzip bestand darin, das Feuer zu klären und zu sedieren (qīng xiè). Am Punkt Bl 40 (wěi zhōng) wurden die varikösen Venen mit einer schmalen dreikantigen Nadel punktiert und bei der ersten Behandlung 20 ml Blut abgelassen. Sie konnte anschließend ohne Schmerzen Wasser trinken. Diese Behandlung wurde einmal täglich über vier Tage gegeben. Anschließend waren alle Wunden geheilt und keine neuen bildeten sich.

Nach sieben Tagen fand sich ein neues Ulkus an der linken Zungenseite von der Größe einer Sojabohne. Dieses Ulkus wurde nun mit einer dreikantigen Nadel punktiert und zehn Tropfen Blut abgelassen. Der Schmerz war anschließend gelindert, und die Zunge fühlte sich taub an. Nach vier Wochen wurde die Patientin nachuntersucht und hatte keine Aphthen mehr.