Vorzeichen eines Apoplex

Vorzeichen eines Apoplex sind Verwirrtheit, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Ohrgeräusche, Sprachstörungen, Taubheitsgefühl in den Fingern, zeitweilige Bewusstlosigkeit und hoher Blutdruck. Hier sind die wirkungsvollsten Punkte Gbl 20 (fěng chí) und Gbl 34 (yáng líng quán), wobei beidseitige Akupunktur und direkte Moxibustion empfohlen werden. Sieben bis zehn Moxakegel von Sojabohnengröße werden an jedem Punkt abgebrannt, wodurch eine Verbrennung 2. Grades von 1 cm Durchmesser erzeugt wird. Um die Wirksamkeit der Behandlung zu vergrößern, wird eine Moxibustion mit fünf Moxakegeln an jedem Tag oder an jedem zweiten Tag benötigt, wobei jeweils zehn Sitzungen einen therapeutischen Zyklus bilden. Um das Ergebnis der Behandlung zu festigen, sollten fünf bis sieben Moxakegel an jedem 10. Tag nach der Linderung der Symptome bei stabilem Blutdruck abgebrannt werden.

Fallbeispiel 1

Eine 56jährige Lehrerin klagte über Kopfschmerzen, Schwindel, verschwommene Sicht, taube Finger, Völlegefühl in der Brust, Schweregefühl in den Schultern und im Rücken bei konstant hohem Blutdruck. Sie konnte nur unsicher gehen und kam mit Hilfe eines Angehörigen zu uns. Der Untersuchungsbefund ergab laute Herztöne, eine rote Zunge mit einem dünnen weißen Belag sowie einen schnellen und vollen Puls (shuò shí). Der Blutdruck war mit 210/150 mmHg stark erhöht. Die Patientin wurde beidseitig an den Punkten Gbl 20 (fěng chí) und Gbl 34 (yáng líng quán) mit zehn Kegeln direkter Moxibustion behandelt. Unmittelbar danach war der Blutdruck auf 195/95 mmHg abgefallen. Sie bemerkte Erleichterung im Kopf, in den Schultern und im Rücken. Jede andere Medikation wurde abgesetzt, und ausschließlich die Moxibustion weitergeführt. Nach der zweiten und dritten Behandlung fiel der Blutdruck weiter auf 170/80 bzw. 150/90 mmHg und alle Symptome verschwanden. Im weiteren Verlauf bekam sie diese Behandlung alle zehn Tage und war noch nach einem halben Jahr stabil.

Akute zerebrovaskuläre Störungen

Das kritische Stadium eines beginnenden Apoplex ist durch folgende Symptome charakterisiert: Plötzlich auftretende Bewusstlosigkeit, Stridor, verzerrter Mund und verdrehte Augen, nach oben fixierte Augäpfel, extrem steife oder schlaffe Glieder, Stuhl- und Urininkontinenz. Diese Symptome findet man meistens bei einer Hirnblutung nach emotionaler Erregung mit plötzlichem Blutdruckanstieg, bei einem ischämischen Insult während des Schlafes oder beim morgendlichen Aufstehen aus dem Bett. Folgende Notfallmaßnahmen können angewendet werden:
  1. a) Punktion variköser Venen an den Punkten Lu 5 (chǐ zé) und Bl 40 (wěi zhōng) und Blutenlassen bis zum Verlust von 100 ml Blut. Ein geringerer Aderlass wird ohne therapeutischen Effekt sein.
  2. b) Spitze Akupunktur an den Fingern und Zehen, um jeweils einige Tropfen Blut zu entlassen.
  3. c) Direkte Moxibustion an den Spitzen des zweiten und fünften Halswirbeldornfortsatzes mit zehn Moxakegeln. Die gleichzeitige Erhitzung beider Stellen ergibt gute therapeutische Ergebnisse bei Krämpfen und Fixation beider Augäpfel nach oben.
  4. d) Nachdem der Blutdruck gesenkt wurde und das Bewusstsein wieder etwas zurückgekehrt ist, sollte die Behandlung nach dem Regime fortgesetzt werden, das für Rekonvaleszenz und Ischämie angegeben wird.

Fallbeispiel 2

Ein bislang gesunder 60jähriger Bauer erlitt eine plötzliche Synkope nach Alkoholgenuss mit schlaffer Lähmung der Hände, Urininkontinenz, Stridor im Hals, nach oben fixierten Augen und rauer Atmung. Der Blutdruck war 215/110 mmHg. 120 ml Blut wurden sofort aus der Fossa cubitalis und poplitea entnommen und direkte Moxibustion an den Dornfortsätzen des zweiten und fünften Halswirbels angewendet. Er begann zu stöhnen und seine Augen zu bewegen, wobei eine rechtsseitige Hemiplegie blieb. Zwei Tage später konnte er etwas Nahrung zu sich nehmen und wurde im weiteren als Rekonvaleszenzstadium behandelt.

Fallbeispiel 3

Ein 56jähriger Lehrer fiel plötzlich morgens zu Boden, als er sich das Gesicht wusch. Er hatte eine Kiefersperre, nach oben fixierte Augäpfel und spastische Gliedmaßen. Zwei Stunden nach diesem Ereignis erreichte er die Praxis. Zu dem Zeitpunkt hatte er einen hohen Blutdruck, einen gespannten und vollen Puls. Es wurde sofort am zweiten und fünften Halswirbel gleichzeitig mit zehn Moxakegeln moxibustiert; dann begannen sich seine Augen zu bewegen, er murmelte, und eine Hemiplegie rechts wurde offenbar.

Behandlung der Folgen eines Apoplex

Hier findet man häufig Sprachstörungen, Halbseitenlähmungen, Verziehungen des Mundes und der Augen und Schwierigkeiten beim Öffnen des Mundes, nachdem das akute Stadium vorüber ist. Die folgenden Methoden können sowohl bei einem hämorrhagischen als auch bei einem ischämischen Insult angewendet werden:
  1. a) Die so genannten „fünf Nadeln von bai hui“ an den Punkten LG 20 (bǎi huì) kombiniert mit den Extrapunkten sì shén cōng, Gbl 20 (fěng chí) bilateral, Gbl 34 (yáng líng quán). Hier kann man die Technik der heißen Nadel zur Moxibustion benutzen: Eine Nadel wird mit einer Pinzette gehalten und im Feuer bis zum Glühen erhitzt. Dann führt man sie senkrecht 1 mm tief dreimal an jedem Punkt ein. Diese Methode kann in allen Stadien der Erkrankung verwendet werden und erzielt eine kombinierte Wirkung von Akupunktur und Moxibustion.
  2. b) Auswahl von Punkten nach dem Prinzip der gekreuzten Sehnen (wéi jīn xiāng jiāo); Der Punkt Gbl 17 (zhèng yíng) links wird bei Hemiplegie rechts genadelt und umgekehrt, zusammen mit rauchender Moxibustion über einem speziellen Gestell 90 bis 120 Minuten in jeder Sitzung.
  3. c) Behandlung der 12 Punkte gegen Apoplexie, entweder mit Moxibustion oder mit Akupunktur, gleichzeitig oder abwechselnd: LG 20 (bǎi huì), Gbl 2 (tīng huì), Ma 6 (jiá chě), Ma 4 (dì cāng), Gbl 7 (qū bìn), Gbl 20 (fěng chí), LG 14 (dà zhuī), Di 15 (jjiān yú), Di 11 (qū chí), Gbl 31 (fěng shì), Ma 36 (zú sān Iǐ), Gbl 39 (jué gǔ).

Fallbeispiel 4

Ein 51jähriger Arbeiter litt an einer Hemiplegie. Er hatte eine verwaschene Sprache, Muskelatrophien am rechten Arm, steife Finger, eine schlaffe Lähmung der unteren Extremität, Appetitverlust, einen instabilen Blutdruck. Er war aber bei klarem Verstand. Die zwölf Punkte gegen Apoplexie wurden abwechselnd akupunktiert und mit der heißen Nadel behandelt, zusätzlich wurde am Punkt Gbl 34 (yáng líng quán) moxibustiert. Nach zwei Monaten wurden die Finger weicher und die meisten Symptome waren gemildert. Er konnte sich selbständig versorgen.