Apoplex ist eine gefährliche Situation. Es ist lebenswichtig, den Blockade-Typ (Apoplex verletzt die Meridiane) von dem Typ des Zusammenbruchs (Apoplex verletzt die inneren Organe) zu unterscheiden. Im ersten Fall muss man die Wiederbelebung hauptsächlich mittels Beruhigung und Unterdrückung des yáng der Leber betreiben sowie Wind und Schleim vertreiben (píng gān qián yáng, xí fěng huò tán). Im zweiten Fall muss man das qì stärken, das yáng kräftigen und vor entgegengesetzten Einflüssen bewahren (yì qì huí yáng jiù nì).

Apoplex verletzt die inneren Organe

Die Zeichen dieser Form des Zusammenbruchs sind vor allem Bewusstlosigkeit, schwacher Puls und niedriger Blutdruck. Folgende Punkte werden ausgewählt: LG 26 (rén zhōng) und LG 23 (shàng xīng) sowie auf beiden Seiten Di 4 (hè gǔ), Le 3 (tài chōng), N 1 (yǒng quǎn) und Ma 40 (fěng lóng). Diese Punkte werden sedierend manipuliert. MP 6 (sān yīn jiāo) beiderseits wird tonisierend manipuliert. Moxibustion mit einem Kegel in Dattelgröße auf KG 4 (guān yuán) wird verordnet sowie starke Moxibustion auf LG 20 (bǎi huì) zusammen mit Akupunktur an den Punkten LG 26 (rén zhōng) und N 1 (yǒng quǎn). Ein gutes Zeichen für eine Besserung sind ein kräftiger werdender Puls und höherer Blutdruck.

Fallbeispiel 1

Ein 65jähriger Mann fiel plötzlich hin und war für fünf Tage bewusstlos. Die Augen waren geschlossen, er hatte eine Hemiplegie rechts, eine Urininkontinenz, die Atmung war schwach, die Zunge weich und kraftlos, der Puls schwach (xì ruó). Dies war ein Apoplex vom Typ des Zusammenbruchs. Moxibustion über einer Ingwerscheibe wurde am Punkt KG 4 (guān yuán) durchgeführt, jeweils mit fünf Kegeln bei jeder Sitzung. Über dem Punkt LG 20 (bǎi huì) wurde gehaltene Moxibustion für jeweils 15 Minuten bei jeder Sitzung angewendet. Gleichzeitig wurden die Punkte LG 26 (rén zhōng) und N 1 (yǒng quǎn) genadelt. Nach drei Sitzungen erlangte der Patient sein Bewusstsein wieder und war in der Lage, Schmerzäußerungen von sich zu geben. Nach fünf Sitzungen war der Patient bei klarem Bewusstsein und konnte seine Besucher erkennen. Nun wurden zur Behandlung der Hemiplegie Dü 16 (tiān chuāng) und LG 20 (bǎi huì) mit Moxarollen für 10 bis 15 Minuten an jedem Punkt zweimal täglich moxibustiert.

Apoplex verletzt die Meridiane

Beim Fülle-Typ muss man das yáng der Leber beruhigen (píng gān qián yáng), die Meridiane kräftig reinigen und Schleim eliminieren (huò tán tōng luò). Man akupunktiere auf beiden Seiten Pk 6 (nèi guān), Ma 40 (fěng lóng), Le 3 (tài chōng), N 1 (yǒng quǎn) mit gleichmäßig tonisierender und sedierender Technik. Bei einem Mangel-Typ soll man LG 20 (bǎi huì) und Dü 16 (tiān chuāng) wie oben beschrieben moxibustieren, ansonsten akupunktiere man bilateral Di 11 (qū chí), Di 4 (hè gǔ), Ma 36 (zú sān Iǐ), Ma 40 (fěng lóng), MP 6 (sān yīn jiāo) und KG 4 (guān yuán) und KG 6 (qì hǎi) mit gleichmäßig tonisierender und sedierender Manipulationstechnik jeweils ein- bis zweimal täglich. Wir behandeln diesen Typ immer mit starker Moxibustion über Dü 16 (tiān chuāng) und LG 20 (bǎi huì), so wie es in dem Buch „Grundlegende Rezepte, die Tausend Goldstücke wert sind (qiān jīn yào fāng)“ beschrieben wurde; siehe auch: „Ergänzung zu den Rezepten, die Tausend Goldstücke wert sind (qiān jīn yì fāng)”. Wenn man die zwei Punkte gemeinsam verwendet, erzielt man eine Beruhigung des yáng der Leber (píng gān qián yáng), eine Aktivierung der Blutzirkulation und der Zirkulation des qì (xíng qì huó xuè), ein Eliminieren der Blutstase und die kräftige Reinigung der Meridiane (qū yū tōng luò). In der Praxis ist diese Kombination sehr wirkungsvoll.

Fallbeispiel 2

Eine 60jährige Frau klagte über einen plötzlichen Verlust der motorischen Fähigkeiten ihres linken Armes, der sich langsam verschlimmerte. Die Diagnose einer zerebralen Thrombose wurde gestellt und die Patientin in ein Krankenhaus gebracht. Sie kam sieben Tage später in unsere Abteilung und wurde zur Akupunkturtherapie übernommen. Bei der Aufnahmeuntersuchung war sie bei Bewusstsein und konnte fließend sprechen. Die Muskelkraft des linken Armes war nicht vorhanden, im linken Bein war sie stark reduziert. Der rechte Babinski-Reflex war positiv. Der Blutdruck war 150/100 mmHg, der Cholesterinwert 250 mg%. Ihre Zunge war dunkelrot mit dünnem weißem Belag, der Puls schmal und gespannt (xián xì). Es wurde die Diagnose eines Apoplex gestellt, der die Meridiane verletzt hat. Die Patientin wurde an den Punkten Dü 16 (tiān chuāng) und LG 20 (bǎi huì) jeweils 15 Minuten moxibustiert. Nach einem Monat war die Beweglichkeit der linken Extremitäten merklich gebessert. Die Muskelkraft des Armes war recht kräftig. Die Finger konnte sie normal bewegen und sie konnte normal gehen. Der Vergleich des zerebralen Blutflusses vor und nach der Behandlung zeigte eine beträchtliche Änderung. Nach der Moxibustion fiel der systolische Blutdruck um 10 bis 20% und der diastolische um 10%. Bei einer Nachuntersuchung war der Cholesterinspiegel auf 185 mg% gesunken. Nach zwei Monaten im Krankenhaus wurde die Patientin als geheilt entlassen.
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