Vorgehen
Der Patient legt sich auf den Bauch oder auf eine Seite, so dass der Therapeut die Dornfortsätze des 5,, 7., 9. und 11. Brustwirbels und des 2. Lendenwirbels mit dem linken Daumen suchen kann. Die Punkte werden dann 5 fěn lateral des Lenkergefäßes lokalisiert. Eine dünne, 1,5 cùn lange Nadel wird mit der rechten Hand etwa in einem Winkel von 75° zur Haut gehalten und in Richtung die Wirbelsäule eingeführt bis zu einer Tiefe von etwa 1 cùn. Die Insertionstiefe muss sich nach dem Körperbau des Patienten richten. Die Nadel wird dann mit Heben und Stoßen manipuliert, um eine gleichmäßig stärkende und sedierende Behandlung und ein Ausbreiten des Nadelgefühls entlang der Wirbelsäule oder der Zwischenrippenräume zu erreichen. Zur Akupunktur von sì shén cōng wird eine dünne Nadel von 1 cùn Länge etwa 5 f en tief schräg eingeführt. MP 6 (sān yīn jiāo) wird senkrecht genadelt, um ein taubes Nadelgefühl zu erreichen. Die Nadeln werden 30 Minuten belassen; zehn Sitzungen bilden einen Behandlungszyklus, und eine Woche sollte zwischen zwei Zyklen pausiert werden. Man muss aufpassen, die Punkte neben dem Lenkergefäß nicht tiefer als 5 fěn und in Richtung die Wirbelsäule zu stechen, um keine Verletzungen innerer Gewebe zu erzeugen.Fallbeispiel
Ein 64jähriger Arbeiter kam ins Krankenhaus mit einer Hemiplegie links. Er konnte sich kaum bewegen und seit fünf Tagen nur mit der Hilfe anderer Personen gehen. Er hatte Kopfschmerzen, eine innere nervöse Unruhe, Schlaflosigkeit und schlechten Appetit. Bei der Untersuchung zeigte sich die linke Nasolabialfalte verstrichen, die Muskelkraft der linksseitigen Gliedmaßen war Grad 3 bei überschießender Muskelspannung, der Patellarsehnenreflex war verstärkt, die Zunge zeigte einen fetten gelben Belag, der Puls war gespannt und schmal (xián xì). Es gab keine pathologischen Reflexe. Der Blutdruck war 190/100 mmHg mit einer Anamnese von hohem Blutdruck von 15 Jahren. Es wurden nun die Punkte huá tuó jiā jǐ 5, 7, 9, 11, 14, sì shén cōng und MP 6 (sān yīn jiāo) mit hebend-stoßender Manipulation genadelt für eine gleichmäßig stärkende und sedierende Behandlung. Huá tuó jiā jǐ 5 und 9 wurden sediert und die anderen tonisiert. Nach fünf Behandlungssitzungen war er im Wesentlichen symptomfrei, und bis zur Nachuntersuchung gab es keinen Rückfall.BUCHEMPFEHLUNGEN
Montakab, Hamid
Chinesische Medizin heute
Ein westliches Lehrbuch der östlichen Heilkunst
Hamid Montakab ist einer der renommiertesten TCM-Therapeuten im deutsch- und französischsprachigen Raum. Er praktiziert und lehrt in der Schweiz, in Frankreich und Deutschland. Er war Mitbegründer und langjähriger Präsident der Schweizerischen Berufsorganisation für TCM (SBO-TCM) und gründete 1986 die Chiway Akademie für Akupunktur und asiatische Medizin in Winterthur. Er ist in der östlichen Medizin ebenso zu Hause wie in der westlichen und versteht es wie kein anderer, dieses Wissen mit seiner Praxiserfahrung aus Europa, Indien, China und den USA zu kombinieren.























































































































































































































































































































































