Im akuten Stadium eines Apoplex vom Blockade-Typ sollte man notfallmäßiges Blutenlassen durchführen an den zwölf Brunnenpunkten, den xuān-Punkten oder in der Mitte der kleinen Erhebung 2 mm proximal der Nagelwurzeln.

Vorgehensweise

Man geht dabei folgendermaßen vor: Die Haut des betroffenen Armes wird vom Ellenbogen bis zu den Fingern mehrere Male massiert, dann wird ein Tourniquet am Unterarm nahe dem Handgelenk angelegt. Ein dünner Faden wird um eine Fingerwurzel gelegt und angezogen. Nun wird mit dem linken Daumen und Zeigefinger die Haut an beiden Seiten des Punktes gequetscht, bis sie gespannt und blutgefüllt ist. Nach Hautdesinfektion kann dann der Punkt schnell angestochen werden, und ein Tropfen bis zu einem Milliliter Blut herausgelassen werden. Nun lockert man den Faden um den Finger und nadelt einen Finger nach dem anderen in dieser Weise. Anschließend wird der Unterarm in der entgegengesetzten Richtung mehrmals ausgestrichen. Die Finger der anderen Hand werden in derselben Weise behandelt. Anschließend lässt man die Punkte LG 20 (bǎi huì), LG 26 (rén zhōng) und LG 16 (fěng fǔ) bluten, um das Feuer zu klären und zu beseitigen. Zum Schluss nadelt man am Punkt N 1 (yǒng quǎn), um die Hitze zu klären und den Patienten wiederzubeleben.

Zusätzliche Punkte im Akut-Stadium

Je nach dem vorliegenden Disharmoniemuster kann man zusätzliche Punkte auswählen.

Bei yīn-Mangel in Leber und Nieren (gān shèn yīn xū) sollen die Punkte Le 3 (tài chōng) und N 3 (tài xī) gestärkt werden, um Leber und Nieren zu nähren (zī yǎng gān shèn).

Bei aufflammendem yáng der Leber (gān yáng shàng kàng) sediere man Le 2 (xíng jiān) und tonisiere N 7 (fù liū), um die Leber zu nähren und anzureichern (hán mù róu gān).

Bei Überschuss an Schleim tonisiere man MP 3 (tài bái) und sediere Ma 40 (fěng lóng), um die Milz zu stärken (yùn pí), Nässe zu zerstreuen und Schleim zu eliminieren (huà shī).

Bei rebellierendem Fluss von qì und Feuer (qì huǒ chōng nì) mit Nervosität und Fieber kann man die Punkte Pk 8 (láo gōng) und Le 2 (xíng jiān) sedieren, um so das überschießende Feuer des Herzens und das Leber-qi auszuleiten (qīng xiè xīn huǒ gān qì).

Im Allgemeinen soll man von oben nach unten nadeln und von der behinderten Seite zur normalen Seite ohne Belassen der Nadeln. Wenn der Patient einwilligt, kann man die Nadeln auf der normalen Seite liegenlassen.

Zusätzliche Punkte im Erholungsstadium

Im Erholungsstadium findet man meist eine Mangelsituation im Körper in Verbindung mit einem Überschuss im betroffenen Körperteil oder auch einen Mangel im unteren mit Überschuss im oberen Teil des Körpers.

Hier sollten folgende Punkte genadelt werden:

  • Am Kopf LG 20 (bǎi huì), LG 16 (fěng fǔ), sì shén cōng und Gbl 20 (fěng chí). Dabei sollten die Nadeln in bestimmten Richtungen eingeführt werden: Am Punkt LG 20 (bǎi huì) in Richtung hòu shén cōng, an den Punkten hòu shén cōng und qián shén cōng in Richtung LG 21 (qián dǐng) und LG 19 (hòu dǐng), an den rechten und linken Punkten sì shén cōng in Richtung Bl 8 (luò què) rechts oder links. Die Nadel soll etwa 0,5 bis 1 cùn tief waagerecht eingeführt werden und 10 bis 30 Minuten liegengelassen werden. LG 16 (fěng fǔ) und Gbl 20 (fěng chí) werden mit hebenden und stoßenden Bewegungen und rotierender Manipulation sediert. Bei Patienten mit Mangelsyndrom werden sie gleichmäßig tonisiert und sediert. Beim Vorliegen einer Hemiplegie rechts mit Aphasie werden die Nadeln an den Punkten LG 16 (fěng fǔ) und LG 15 (yǎ mén) abwechselnd in Richtung auf den Mund langsam etwa 1,5 bis 2 cùn tief eingeführt (weniger tief bei dünneren Personen). Nach dem Erreichen des qì-Gefühls werden die Nadeln drei- bis fünfmal gehoben und vorgeschoben. Wenn der Körper zittert, muss man die Nadeln gleich herausziehen. Nadeln sollten an den Punkten LG 16 (fěng fǔ), Gbl 20 (fěng chí) und LG 15 (yǎ mén) nicht liegenbleiben.
  • die betroffene Körperseite sollte nach der Differenzierung der Krankheitssyndrome behandelt werden nach dem Prinzip „ohne Eile bei Mangel im Körper, eilig bei Überschusserkrankung“. Bei schlaffer Lähmung nehme man Punkte vor allem auf yáng-Meridianen, z. B. Di 15 (jiān yú), Di 11 (qū chí), Di 4 (hè gǔ), 3E 3 (zhōng zhǔ), Gbl 30 (huán tiào), Ma 36 (zú sān Iǐ), Gbl 34 (yáng líng quán), Gbl 39 (jué gǔ) und Ma 41 (jiě xī). Hier wende man eine tonisierende Manipulation oder gleichmäßig tonisierende und sedierende Manipulation an und lasse die Nadeln für 30 bis 60 Minuten liegen. Bei spastischer Lähmung wähle man Punkte in der betroffenen Region besonders auf yīn-Meridianen aus, z. B. Pk 3 (qū zé), Lu 5 (chǐ zé), Pk 5 (jiān shǐ), Pk 7 (dà líng), Le 8 (qū quán), N 10 (yīn gǔ), MP 9 (yīn Iíng quán), MP 6 (sān yīn jiāo), Le 4 (zhōng fěng), N 3 (tài xī) und Le 3 (tài chōng). Wenn das Ellenbogengelenk spastisch ist oder die Punkte schwierig zu erreichen, kann man Di 11 (qū chí) in Richtung H 3 (shào hǎi) über Lu 5 (chǐ zé) und Pk 3 (qū zé) nadeln mit gleichmäßig tonisierender und sedierender Manipulation und Nadelretention für 30 Minuten. Wenn in einigen Regionen sowohl schlaffe als auch spastische Lähmungen gefunden werden, muss man entsprechende Punkte mit Außen-Innen Beziehung auswählen. Bei einwärts gewendetem Fuß mit angespanntem yáng-Aspekt und schlaffem yīn-Aspekt akupunktiere man N 6 (zhào hǎi) sedierend und Bl 62 (shěn mài) tonisierend mit Nadelretention für 30 Minuten.
  • Die Punkte auf der gesunden Seite werden benutzt, um den ganzen Körper zu regulieren. Bei Aphasie beispielsweise tonisiere man H 5 (tōng lǐ) und N 7 (fù liū) mit Liegenlassen der Nadeln für 10 bis 30 Minuten. Bei Verstopfung sediere man 3E 6 (zhī gōu) und tonisiere N 6 (zhào hǎi), ohne die Nadeln zu belassen.
  • Bei schief verzogenem Mund und verdrehten Augen soll man keine lokalen Punkte akupunktieren. In schweren Fällen kann man Ma 7 (xià guān), Ma 6 (jiá chě), Ma 4 (dì cāng), Di 20 (yíng xiāng) oder Ma 2 (sì bái) nadeln, aber nur 2 bis 3 von diesen Punkten in jeder Sitzung. Im Frühstadium kann man die befallene Seite mit gleichmäßig tonisierender und sedierender Manipulation nadeln, bei chronischen Fällen werden beide Seiten genadelt und die Nadeln belassen.

Manipulation und Ablauf der Therapie

Zur Tonisierung soll man die Nadel beim Einstechen um 45 bis 90 Grad drehen und das Drehen weiterführen bis zum Ankommen des qì-Gefühls, dann stoße man die Nadel leicht neunmal in das Gewebe, bis ein Gefühl der Fülle aufkommt. Wenn man die Nadel herauszieht, muss die Öffnung in der Haut zugedrückt werden.

Zur Sedierung muss die Nadel 180 bis 360 Grad gedreht werden, wenn sie durch die Haut geführt wird, und nach dem Ankommen des qì-Gefühls soll man weiterdrehen und die Nadel sechsmal leicht anheben, bis man ein leeres Gefühl neben der Nadel erzeugt. Das Nadelloch soll nach dem Entfernen der Nadel offengelassen und nicht gedrückt werden.

Zur gleichmäßig tonisierenden und sedierenden Technik soll die Nadel 90 bis 180 Grad gedreht werden, wenn man sie in die Haut einführt, nach dem Erreichen des Gefühls, drehe man weiterhin siebenmal und dann ziehe man achtmal die Nadel leicht zurück.

Wenn man die Nadel liegenlässt, kann man sie ein- bis dreimal manipulieren, je nach der Dauer der Akupunktur.

Wenn Moxibustion angewendet wird, wähle man Moxarollen an 4 bis 6 Punkten der betroffenen Seite, von oben nach unten, an jedem Punkt 5 bis 10 Minuten. Man kann auch die Ränder von Schröpfgläsern mit Rheumaöl oder Paraffinöl einreiben und Punkte am Rücken oder an den betroffenen Gliedmaßen schröpfen. Diese Technik sollte schnell praktiziert werden, um gute Ergebnisse zu bekommen.

Im Frühstadium der Erkrankung gebe man eine Nadelakupunktur oder Moxibustionsbehandlung täglich. Bei zehn Behandlungen in einem Therapiezyklus und 3 bis 5 Tagen Zwischenraum zwischen den Zyklen. Im zweiten Zyklus gebe man eine Sitzung jeden zweiten Tag oder nur zweimal wöchentlich eine Behandlung. An den dazwischen liegenden Tagen kann man Massage, Moxibustion oder Schröpfen anwenden.

Akupunktur und Blutenlassen bei akuten Fällen von Apoplex und im Erholungsstadium

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