Ein beginnender Apoplex macht sich häufig vorzeitig bemerkbar durch Kopfschmerzen, Schweregefühl im Kopf, schwankendes Gangmuster, Steifheit der Zunge, Sprachstörungen, Schwindel und Benommenheit. Zur Behandlung schlage ich das folgende Akupunkturrezepte vor:

Rezept zum Beruhigen der Leber und Unterdrücken des Leber yáng (píng gān qián yáng)

Dieses Rezept besteht aus den Punkten LG 20 (bǎi huì), Gbl 20 (fěng chí), Di 11 (qū chí), Di 4 (hè gǔ), Gbl 34 (yáng líng quán), MP 6 (sān yīn jiāo) und Le 3 (tài chōng). Die Akupunktur soll mit dünnen Nadeln und mit sedierender Manipulationstechnik erfolgen. Die Nadeln werden 30 Minuten liegen gelassen. Dabei soll alle zehn Minuten manipuliert werden, und jeweils eine Sitzung am Tag erfolgen. Meistens sind drei bis fünf Sitzungen ausreichend, um einen Erfolg zu erzielen. Bei alten Menschen und Mangel an qì können befriedigende vorbeugende Ergebnisse mit folgender Modifikation erzielt werden: Moxibustion an folgenden Punkten: LG 20 (bǎi huì), Gbl 20 (fěng chí), Gbl 21 (jiān jǐng), Di 11 (qū chí), Gbl 31 (fěng shì), Ma 36 (zú sān Iǐ), Di 16 (jù gǔ).

Rezept zum Aufmachen der Körperöffnungen und Beruhigen des Windes (kāi qiào xī fěng)

Das Stadium des Apoplex kann man weiterhin unterteilen in einen Typ, bei dem eine Blockierung vorliegt und einen anderen, bei dem ein Zusammenbruch stattfindet (siehe unten). Im ersten Fall muss man eine wiederbelebende Behandlung, beim zweiten eine konsolidierende Behandlung durchführen. Beim Apoplex aufgrund einer Blockierung kann man das folgende Rezept anwenden: LG 26 (rén zhōng), die 12 Brunnenpunkte, Le 3 (tài chōng), Ma 4 (dì cāng), Ma 40 (fěng lóng), Gbl 20 (fěng chí) und LG 20 (bǎi huì) werden mit dünnen Nadeln ein- bis zweimal täglich genadelt für jeweils 30 Minuten, mit sedierender Manipulation, die alle zehn Minuten durchgeführt wird. Diese Kombination wirkt beruhigend auf den inneren Wind, und die Leber, klärt das Feuer und vertreibt den Schleim, eröffnet die Körper Öffnungen.

Rezept zur Wiederherstellung des yáng und Aufhebung des Zusammenbruchs (huí yáng gù tuō)

Beim Vorliegen eines Apoplex mit Zusammenbruch können folgende Punkte ausgewählt werden: KG 4 (guān yuán), KG 6 (qì hǎi), KG 8 (shén què) werden mit einer unterschiedlichen Anzahl von großen Moxakegeln über einer Lage Salz moxibustiert, bis die Schweißbildung aufhört, die Glieder wieder warm werden und der Puls sich erholt hat.

Rezept zur kräftigen Reinigung der Meridiane und zur Belebung der Verbindungsgefäße (shū jīng huó luò)

Zur Behandlung eines Apoplex, der die Meridiane befallen hat, mit verzogenem Mund und verdrehten Augen, steifer Zunge, Aphasie und Halbseitenlähmung kann man folgende Punkte auswählen: Di 15 (jiān yú), Di 11 (qū chí), Di 4 (hè gǔ), Gbl 30 (huán tiào), Ma 36 (zú sān Iǐ), Di 16 (jù gǔ) oder Di 15 (jiān yú), Di 10 (shǒu sān lǐ), 3E 5 (wài guān), Gbl 31 (fěng shì), Gbl 34 (yáng líng quán), Bl 60 (kūn lún) werden vor allem bei Hemiplegie genadelt. Bei verzogenem Mund und verdrehten Augen kann man folgendes ergänzen: Akupunktur von Ma 4 (dì cāng) in Richtung Ma 6 (jiá chě), Gbl 14 (yáng bái) in Richtung Bl 57 (yú yāo), Gbl 2 (tīng huì) in Richtung 3E 17 (yì fěng), tài yáng in Richtung Dü 18 (quán liáo). Bei einer steifen Zunge und Aphasie ergänze man mit LG 15 (yǎ mén), KG 23 (lián quán), KG 22 (tiān tú), H 5 (tōng lǐ) oder man akupunktiere KG 23 (lián quán) in Richtung hǎi quán plus jīn jīn und yù yè. Bei Hemiplegie kann man zusätzlich zur Akupunktur mit dünnen Nadeln auch moxibustieren. Bei verzogenem Mund und verdrehten Augen soll man die Punkte durchgreifend nadeln, gleichmäßig tonisieren und sedieren, und die Nadeln 30 Minuten belassen, bei einer Behandlungsfrequenz täglich oder jeden zweiten Tag. Bei Patienten mit steifer Zunge und Sprachschwierigkeiten sollte neben den angegebenen Punkten LG 15 (yǎ mén) genadelt werden mit tiefem Einstechen der Nadel und starker Stimulation zur sedierenden Wirkung. Starke Stimulation und tiefe Akupunktur sind auch besonders erforderlich vom Punkt KG 23 (lián quán) in Richtung hǎi quán plus jīn jīn und yù yè.

Fallbeispiel 1

Ein 56jähriger Mann mit Hypertonus in der Familienanamnese hatte nach Aussage seiner Angehörigen häufig Kopfschmerzen, Schweregefühl im Kopf und taube Finger. Er wurde plötzlich bewusstlos mit verzogenem Mund und verdrehten Augen, war unfähig zu sprechen und bekam eine Hemiplegie links. Im örtlichen Krankenhaus wurde ein zerebraler Gefäßverschluss diagnostiziert und eine Behandlung mit traditionellen Kräutern, Akupunktur und Moxibustion begonnen, die zu einer allmählichen Besserung der linksseitigen Extremitäten führte. Aber nach einem halben Jahr konnte er immer noch nicht sprechen. Als er zu uns ins Krankenhaus kam, war er blass und dünn, mit einer schlaffen Zunge, klebrigem Schleim, einer roten Zunge mit dickem, klebrigem, gelbem Belag und einem gespannten, schlüpfrigen, kraftvollen Puls. Er wurde behandelt nach dem Prinzip, den Schleim aufzulösen und Leber und Herz zu beruhigen, damit die klaren Öffnungen wieder aufgehen (píng gān huà tán, níng xīn kāi qiào). LG 20 (bǎi huì), Le 3 (tai chöng), MP 6 (sān yīn jiāo) wurden zum Beruhigen der Leber und zur Unterdrückung von Leber-yáng genadelt (ping gän qiän yáng) Bl 15 (xin shü). H 7 (shén mén) oder H 5 (tōng lǐ), LG 15 (yǎ mén) und KG 23 (lián quán) wurden zur Sedierung und Beruhigung des Herzens genadelt (níng xīn ān shén). BI 20 (pí shū) und Ma 40 (fěng lóng) wurden genadelt, um Magen und Milz zu stärken und Nässe und Sputum zu eliminieren (jian pí wèi huà tán shī). Die Nadeln wurden tief eingeführt mit starker Stimulation am Punkt, dann sedierend manipuliert und für 30 Minuten belassen, einmal am Tag für insgesamt drei Sitzungen. Der Patient fühlte sich schnell erleichtert, und alle Beschwerden verschwanden. Er konnte wie gewöhnlich sprechen. Am Ende des dritten Jahres nach dem Ereignis wurde er noch einmal untersucht und erschien normal und stabil.

Fallbeispiel 2

Ein 48jähriger Mann litt schon länger an hohem Blutdruck. Während einer Auseinandersetzung über die Hausarbeit bemerkte er ein taubes Gefühl im rechten Arm und eine Schwäche im rechten Bein. Während des nächsten Tages entwickelte er eine Hemiplegie rechts mit motorischen Störungen und Sprachstörungen, war aber immer bei Bewusstsein. Im örtlichen Krankenhaus diagnostizierte man den Hypertonus und einen cerebralen Gefäßverschluss. Nach 28 Tagen Therapie mit westlichen und traditionellen Arzneimitteln war sein Blutdruck stabil, und er konnte wieder sprechen. Aber er litt immer noch an der Hemiplegie und suchte dann unser Krankenhaus auf, um weiter mit Akupunktur und Moxibustion behandelt zu werden. Der Patient war bei Bewusstsein, konnte schwerfällig sprechen, der Blutdruck war 160/100 mmHg, er hatte beidseitig gleichgroße runde Pupillen mit positiven Reflexen, der rechte Arm und das rechte Bein waren gelähmt. Schlaf, Wasserlassen, Appetit und Stuhlgang waren normal. Seine Zunge war rosa mit dickem, weißem, klebrigem Belag, der Puls gespannt und schlüpfrig. Hier hatte der Apoplex die Meridiane und Verbindungsgefäße befallen. Der Patient wurde nach dem Prinzip behandelt, die Milz zu stärken, um den Schleim zu eliminieren, und die Meridiane kräftig zu reinigen (tōng jīng huó Iuò). Das oben angegebene Rezept wurde angewendet plus Bl 20 (pí shū) und Ma 40 (fěng lóng), um die Milz zu stärken und den Schleim zu eliminieren (jiàn pí huà tán). Es wurden dünne Nadeln verwendet, gleichmäßig tonisiert und sediert. Einmal täglich wurde auch Moxibustion gegeben für zehn Sitzungen in je einer Behandlungsserie. Nach drei Behandlungsserien war der Blutdruck auf 130/90 mmHg gefallen. Seine Glieder waren wieder normal, und er konnte sprechen wie vorher.