Gewöhnlich bildet sich eine Blutstase nach einem Apoplex, sei er ischämischen oder hämorrhagischen Ursprungs. Die Blockade mehrerer Leitbahnen durch stagnierendes Blut führt zu verschiedenen Symptomen meist mit Störungen der Beweglichkeit der Glieder, der Empfindungen und der Sprache.

Im akuten Stadium sollte man sich nicht einfach auf die Entwicklung des Krankheitsgeschehens verlassen, das ist sehr wesentlich für die Prognose. Dieses Stadium dauert vom Beginn der Krankheit bis zur Stabilisierung. Das akute Stadium wird verkürzt durch eine entsprechende Therapie. Je kürzer dieses Stadium dauert, je milder die Erkrankung ist, desto besser wird die Prognose sein. Im Gegensatz dazu verlängert eine falsche Behandlung das akute Stadium. Je schwerer die Erkrankung, desto schlechter wird die Prognose. Es ist von großer Bedeutung für den Arzt, nach der Ursache zu suchen, indem die Erscheinungsformen der Erkrankung diagnostiziert und die prädisponierenden Faktoren ausgeschaltet werden, um so die Erkrankung unter Kontrolle zu bringen.

1. Syndrom mit Überschuss und Feuer (shí huǒ zhèng)

Feuer ist ein pathogenes yáng und flammt nach oben auf (huǒ wèi yáng xié), dabei verbraucht es Körpersäfte (hào shāng yīn jīn). Überschießendes Feuer lässt Wind entstehen (huǒ shèng shěng fěng) und stört den Geist (huǒ rǎo shén míng). Daher findet man neben Hemiplegie unterschiedlichen Schweregrades, Verziehungen des Mundes, gestörter Augenmotilität und Aphasie auch ein gerötetes Gesicht, rote Augen und Lippen, Ruhelosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, trockene Stühle, üblen Mundgeruch, eine steife scharlach-farbene Zunge mit gelbem fettem oder gelbem trockenem Belag, einen gespannten und schnellen oder gespannten und schlüpfrigen Puls.

Trockene Stühle, übler Mundgeruch und trockener gelber Zungenbelag sind Zeichen von Magenfeuer; Kopfschmerzen, rote Augen, ein bitterer Geschmack im Mund, pulsierende Gefäße am Ohreingang und submandibular sind Zeichen des Feuers in Leber und Gallenblase; Kiefersperre, steifer Nacken, Kopfschmerzen und Schwindel durch den Wind, der sich aus yáng der Leber entwickelt; die steife Zunge, Sprachschwierigkeiten und variköse sublinguale Venen sind Zeichen von Feuer im Herzen. Ein Koma weist auf eine Blockade hin.

Die Behandlung muss das yáng der Leber unterdrücken, das Feuer kühlen, yīn nähren und den Fluss des qì glätten (qián yáng jiàng huǒ, yáng yīn shùn qì). Bei ischämischen Insulten muss man Methoden zur Aktivierung des Blutes und zur Beseitigung der Stagnation anwenden (huǒ xuè huà yū); bei einem hämorrhagischen Infarkt muss man das Blut kühlen und Methoden zur Hämostase anwenden (liáng xuè zhǐ xué). Bei Stridor ist die Hitze zu klären und der Schleim umzuwandeln (qīng rè huà tán). Wenn sich Zeichen von Wind zeigen, muss man den Wind eliminieren (xī fěng).

Die Therapie ist das tägliche Blutenlassen mit der dreikantigen Nadel, alternierend in zwei Gruppen:

  1. Lu 11 (shào shāng), Di 1 (shāng yáng), Pk 9 (zhōng chōng), 3E 1 (guān chōng), Dü 1 (shào zé),
  2. shǒu shí xuān. Dies sind die shí xuān Extrapunkte an den Händen.

Bei sehr starken Kopfschmerzen und Schwindel soll man auch die Punkte tài yáng und LG 20 (bǎi huì) bluten lassen. Bei Steifheit der Zunge mit Übelkeit und Erbrechen kann man die Extrapunkte jīn jīn und yù yè ebenfalls blperikard-9uten lassen.

Akupunktur

Pk 6 (nèi guān) und MP 6 (sān yīn jiāo) mit einem leichten Gefühl der Spannung, Di 11 (qū chí), Di 4 (hè gǔ), Ma 36 (zú sān Iǐ), Gbl 34 (yáng líng quán) mit starkem Nadelgefühl. Beim Vorliegen einer Kiefersperre soll man Ma 6 (jiá chě) nadeln; bei Würgereiz 3E 17 (yì fěng), Gbl 12 (wán gǔ) und Gbl 20 (fěng chí) auf beiden Seiten, mit der Nadelspitze in Richtung auf den Adamsapfel, 1,5 bis 2 cùn tief und unter Drehen der Nadel für 1 bis 2 Minuten.

Die Therapie des Blutenlassens ist nicht nur bei dem Blockade-Typ des Schlaganfalls indiziert, der die inneren Organe verletzt hat, sondern auch bei dem Typ mit überschießendem Feuer, der die Leitbahnen verletzt hat. In beiden Fällen erzielt man mit dieser Therapie zufriedenstellende Ergebnisse. Im akuten Stadium sollte man zweimal am Tag nadeln, davon einmal mit Blutenlassen, ein anderes Mal einfache Akupunktur. Normalerweise wird Blutenlassen nur zweimal angewendet. Nachdem die Hitze und das Feuer etwas geringer geworden sind, wird nur noch zweimal täglich genadelt.

Arzneimitteltherapie

Man kann folgende traditionelle Arzneimittel verwenden:

  • Zur Unterdrückung des yáng der Leber (qián yáng): rohe Concha Haliotidis (shěng shí jué), rohe Os Draconis (shěng lóng gǔ) und Os Ostreae (shěng mǔ lì), Margarita (zhěn zhū mǔ), Concha Erosaris (zǐ bèi chǐ) und Ochra (shěng zhě shí) in hoher Dosierung, jeweils nicht unter 30 g;
  • Zur Verminderung des Feuers im Magen (jiàng wèi huǒ): Pulver von Radix Rhei (dà huáng miàn), Sulfas Natrii Exsiccatus (yuán mìng fěen) und Radix Glycyrrhiza (gān cǎo miàn), jeweils 10 g, in zwei Portionen geteilt, in Wasser gelöst und separat eingenommen. Die Mittel sollen nicht weiter eingenommen werden, sobald ein Stuhlgang eingesetzt hat.
  • Bei Feuer in Leber und Gallenblase kann man die „Pille zum Sedieren der Leber“ (lóng dǎn xiè gān wán) anwenden, 12 g der Mischung einpacken und dekoktieren;
  • Bei Feuer im Herzen kann man Radix Rhei (dà huáng) und Rhizoma Coptidis (chuān lián) verwenden;
  • Zum Nähren des yīn (yù yīn) Radix Rehmanniae (shěng dì), Radix Scrophulariae (yuán shěn), Radix Ophiopogonis (mài dōng), Radix Paeoniae Alba (bái sháo);
  • Zum Austreiben des Windes (xī fěng) nehme man Rhizoma Gastrodiae (tiān má), Flos Chrysanthemum (jú huā), Spica Prunellae (xià kū cǎo), Bombyx Batriaticus (jiāng cán), Scorpio (quán xiě), Cornu Antelopis (líng yáng jiǎo).
  • Um den Fluss des qì zu glätten (shùn qì), nehme man Fructus Aurantii (zhǐ shí);
  • Zum Austreiben von Schleim (huà tán) verwende man Concretia Silicea Bambusa (tiān zhú huáng), Arisemae cum Bile (dǎn xīng) und Radix Scutellariae (tiáo qín).
  • Bei einem ischämischen Insult füge man Semen Persica (táo rén), Flos Carthami (hóng huā) und Herba Leonuri (yì mǔ cǎo) hinzu.
  • Bei einem hämorrhagischen Insult nehme man zusätzlich Radix Notoginseng (sān qī), Herba seu Radix Cirsii Japonici (dà jì), Herba Cephalanopoloris (xiǎo jì), Rhizoma Imperata (bái máo gěn), Cacumen Biota (cè bǎi tàn).

Wenn nicht differenziert werden kann, ob es sich um ein ischämisches oder hämorrhagisches Geschehen handelt, soll man weder Blut aktivierende noch hämostatische Agentien verwenden, eher eine Art neutrale Therapie anwenden.

Im Koma kann man die Pille zur Wiederbelebung aus Rindergallensteinen (ān gōng niú huáng wán) oder die Pille der höchsten Kostbarkeiten (zhì bǎo dān) anwenden. Alle angeführten Medikamente müssen je nach der konkreten Situation verwendet werden.

Fallbeispiel 1

Ein 57jähriger Mann klagte über Schwäche in seiner linken Seite und fiel plötzlich nach dem Stuhlgang um. Er hatte weder Kopfschmerzen noch Übelkeit und konnte zunächst allein wieder aufstehen. Nachdem er jedoch eine kurze Strecke gegangen war, musste er sich setzen und wurde bewusstlos. Daraufhin wurde er ins Krankenhaus geschickt. Hier fand man blutigen Liquor mit einem Liquordruck von 130 mm Wassersäule. Der Patient erlangte sein Bewusstsein wieder und wurde in unser Krankenhaus geschickt.

Bei der Untersuchung war sein Denkvermögen sehr schwerfällig. Er mochte seine Augen nicht öffnen und hatte eine Hemiplegie links. Er klagte über Kopfschmerzen in der Temporalregion, Schwindel und Ohrgeräusche, Appetitverlust, Würgereiz, trockenen Mund, war unruhig und hatte eine verwaschene Sprache. Seit mehr als zehn Jahren litt er an hohem Blutdruck. Die Untersuchung zeigte außerdem ein gerötetes Gesicht, fauligen Mundgeruch, Abweichung der Zunge nach links, Verwachsung der Zunge mit dem Mundboden, einen gelben fetten Zungenbelag, einen gespannten und schlüpfrigen Puls (xián huá), einen Blutdruck von 190/110 mmHg. Die Muskelkraft im rechten Arm war erloschen, Babinski und Kernig’sches Zeichen waren positiv, der Nacken steif, der Abstand zwischen Kinn und Brust betrug 4 Fingerbreiten.

Die Analyse ergab folgende Syndromdiagnose:

Alle emotionalen Faktoren wandeln sich in Feuer um; ein heftiges Feuer lässt Wind entstehen; beide Faktoren verschlimmern sich gegenseitig und führen dazu, dass das Blut außerhalb seiner normalen Bahnen läuft. Die Behandlungsprinzipien sind: Unterdrückung des yáng der Leber, um das Feuer auszulöschen, die Blutung stillen und das yīn unterstützen.

Folgende Therapie wurde durchgeführt:

An den Punkten shi xuän wurde Blut abgelassen, Di 4 (hè gǔ), Le 3 (tài chōng) und N 1 (yǒng quǎn) wurden am Nachmittag genadelt.

Am nächsten Morgen wurde an den Brunnenpunkten der Hand shí jǐng Blut abgelassen, am Nachmittag wiederum Di 4 (hè gǔ), Le 3 (tài chōng) und N 1 (yǒng quǎn) genadelt.

Folgendes Dekokt wurde angewendet: Jeweils 30 g rohe Concha Haliotidis (shěng shí jué), rohe Os Draconis (shěng lóng gǔ) und Os Ostreae (shěng mǔ lì) wurden zuerst dekoktiert, 20 g Radix Rhei (dà huáng) später hinzugefügt, 10 g Natriumsulfat (yuán mìng fěn) separat im Dekokt gelöst, 6 g Radix Glycyrrhiza (gān cǎo), je 30 g Herba seu Radix Cirsii Japonica (dà jì) und Herba Cephalanopoloris (xiǎo jì), je 10 g verkohlte Cacumen Biotae (cè bǎi tàn) und Radix Platycody (jié gěng), 10 g Fructus Aurantii (zhǐ ké), 30 g Radix Rehmanniae (shěng dì), 15 g Radix Scrophulariae (yuán shěn), 10 g Radix Ophiopogonis (mài dōng) wurden dekoktiert und separat eingenommen.

Nachdem der Patient Stuhlgang hatte, wurden Natriumsulfat und Radix Rhei weggelassen. Eine Infusion mit dem Zusatz von 500 mg Dicynonum, 10 mg Adenosin und 20 mg Rutin wurde verabreicht, sowie eine Tablette Reserpin compositum und 200 mg Vitamin C täglich.

Nachdem der Patient Akupunktur, zweimaliges Blutenlassen und vier Portionen des Dekoktes erhalten hatte, war er bei vollem Bewusstsein, fähig zu klarer Sprache und hatte die anfängliche Teilnahmslosigkeit verloren. Die Kraft in den Armen begann, in den Beinen war sie bereits besser, der Abstand zwischen Kinn und Brust betrug drei Fingerbreiten. Er hatte eine rote Zunge mit dünnem gelbem Belag und einen gespannten schlüpfrigen Puls. Dies zeigte an, dass Wind und Feuer vermindert waren und das Krankheitsbild unter Kontrolle gebracht war.

2. Qi-Mangelsyndrom (qì xū zhèng)

Außer Hemiplegie, verwaschener Sprache, verzogenem Mund und verdrehten Augen findet man hier Müdigkeit, eine Abneigung zu sprechen, Kurzatmigkeit, schwache Stimme, spontane Schweiß-ausbrüche, kalte Gliedmaßen, Appetitverlust, häufiges Wasserlassen, Schwäche beim Stuhlgang, weiche Stühle, Palpitationen, Schlaflosigkeit, eine fahle Gesichtsfarbe, eine massige und blasse Zunge mit Zahneindrücken und dünnem weißem Belag, einen kleinen und schwachen oder unregelmäßigen Puls. Bewusstlosigkeit kennzeichnet in der Regel das Syndrom des Zusammenbruchs.

Die Behandlung erfolgt durch Stärkung der Widerstandskraft des Körpers, durch Aktivierung des Blutes mit Beseitigung der Blutstase bei zerebralen Embolien und Blutstillung bei zerebralen Massenblutungen.

Akupunktur und Moxibustion

KG 12 (zhōng wǎn), KG 6 (qì hǎi), Ma 36 (zú sān Iǐ), Pk 6 (nèi guān), MP 6 (sān yīn jiāo), LG 20 (bǎi huì) und LG 26 (rén zhōng) werden akupunktiert mit schnell stärkender und langsam sedierender Methode und tonisierender Manipulation, KG 6 (qì hǎi) wird moxibustiert. Bei Obstruktion im Larynxbereich werden Punkte wie bei überschießendem Feuer (shí huǒ) ausgewählt und im akuten Stadium zweimal täglich genadelt.

Bei zerebralen Gefäßverschlüssen kann man Arzneimittel zur Stärkung von qì und zur Aktivierung von Blut geben (yì qì huó xuè), z. B. das bǔ yáng huán wǔ Dekokt. Bei ausgeprägtem Mangel an qì (qì xū) sollte man Radix Ginseng (rén shěn) hinzufügen. Bei Blutungen sollte man Arzneimittel zur Stärkung von qì und Blutstillung (yì qì zhǐ xuè) verschreiben, z. B. das rén shěn guī pí Dekokt, ergänzt durch Radix Notoginseng (sān qī).

3. Das Syndrom des leeren Feuers (xū huǒ zhèng)

Außer Hemiplegie, verzogenem Mund und verdrehten Augen sowie Sprachschwierigkeiten findet man hier eine fahle oder rosafarbene Gesichtsfarbe, schwache Stimme, Müdigkeit, Narkolepsie (Schlafanfälle), Kopfschmerzen, Schwindel, häufiges Wasserlassen oder Inkontinenz, Verstopfung, Ruhelosigkeit, heftige Träume, Palpitationen, Taubheit der Gliedmaßen, profusen Speichelfluss, eine rote oder scharlachrote Zunge, oder eine hellrote Zunge mit zentraler Fissur, wenig oder dicken gelben Zungenbelag, einen gespannten und schlüpfrigen oder einen gespannten und schmalen Puls. Bewusstlosigkeit deutet hier auf die Kombination eines Blockadesyndroms und eines Zusammenbruchs hin. Die Patienten haben gewöhnlich Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, Augentränen, Lumbago, Schwäche der Beine, Schlaflosigkeit und heftige Träume.

Mit der Behandlung muss entsprechend der Schwere der Erkrankung das qì gestärkt und das Feuer geklärt (yì qì qīng huǒ) werden. Bei einer Thrombose muss man das Blut aktivieren und die Stase auflösen (huó xuè huà yū). Blutungen müssen gestillt werden.

Akupunktur

Di 11 (qū chí) und Gbl 34 (yáng líng quán) beidseitig, Pk 6 (nèi guān), Di 4 (hè gǔ), Ma 36 (zú sān Iǐ) und MP 6 (sān yīn jiāo) auf der betroffenen Seite. Bei Mangel an qì oder Mangel an qì und yin (qi yin xü) werden zusätzlich KG 12 (zhōng wǎn) und KG 6 (qì hǎi) genadelt. Bei Mangel an qì in den Nieren (shèn qì xǔ) und Mangel an yīn in Leber und Nieren (gān shèn yīn xū) wird KG 4 (guān yuán) dazu genommen. Es sollte ein Nadelgefühl der Wundheit und Spannung erzeugt werden. Die Nadeln sollen langsam gedreht werden, um eine tonisierende Manipulation zu erzeugen.

Bei Kopfschmerzen und Schwindel kann man zusätzlich LG 20 (bǎi huì) und Gbl 20 (fěng chí) nadeln.

Arzneimitteltherapie

Bei Thrombose bǔ yáng huán wǔ Dekokt mit dem Zusatz von Radix Rehmanniae (shěng dì), Cortex Montan Radicis (dān pi), Radix Paeonia Alba (bái sháo), Coria Corii Asini (ě jiāo).

Fallbeispiel 2

Ein 57jähriger Mann litt seit Jahren an Hypertonie. Im Jahr 1980 hatte er einen Schlaganfall erlitten, der in einem Krankenhaus mit Infusionstherapien und unbekannten Medikamenten behandelt worden war. Sein Zustand war jedoch immer schlechter geworden. Zwei Wochen, bevor er sich bei uns vorstellte, hatte er eine Hemiplegie rechts erlitten, mit Schwierigkeiten beim Sprechen, Würgereiz und unkontrollierbaren Wein- und Lachanfällen.

Bei der Untersuchung war er sehr müde, mit fahler Gesichtsfarbe, blasser Zunge mit weißem Belag, einem versunkenen schmalen Puls. Der Punkt KG 6 (qì hǎi) war sehr gespannt. Der Blutdruck war ausreichend, die Muskelkraft in den rechten Gliedmaßen ausreichend. Die Sehnenreflexe waren gesteigert, der linke Palmomentalreflex positiv und Babinski beidseits positiv.

Die Syndromdiagnose war: Mangel an qì und Blockierung der Verbindungsgefäße (qì xū luò zǔ), schlechte Ernährung des Marksees (suí hǎi shī yǎng). Zur Behandlung musste qì genährt und gestärkt werden (yì qì bǔ suí).

Die Punkte LG 20 (bǎi huì), LG 16 (fěng fǔ), LG 26 (rén zhōng), Pk 6 (nèi guān), KG 12 (zhōng wǎn), KG 6 (qì hǎi) und Ma 36 (zú sān Iǐ) wurden mit stärkender Manipulation genadelt und drei Portionen des Dekoktes bǔ yáng huán wǔ wurden innerhalb von zwei Tagen verabreicht.

Am dritten Tag wurde er wieder untersucht. Sein Geist war in einem besseren Zustand, der Würgereiz und die emotionale Instabilität waren gemildert. Die rechte Seite des Körpers wurde kräftiger und die Situation war unter Kontrolle.

Fallbeispiel 3

Eine 62jährige Frau hatte Hypertonie seit mehr als zehn Jahren. Sie wurde sehr leicht wütend und litt an Schlaflosigkeit. Nach einigen Wutanfällen wurde ihr schwindlig, sie hatte ein Schweregefühl im Kopf und fühlte sich elend. Vier Tage vorher hatte sie morgens früh ein Taubheitsgefühl in der Zunge bemerkt, einen trockenen Mund mit bitterem Geschmack, beim Spülen des Mundes lief ihr das Wasser heraus.

Als sie zur Untersuchung ins Krankenhaus kam, war ihr Blutdruck bei 230/100 mmHg, und er fiel nicht ab nach der Gabe von antihypertensiven Medikamenten. Am nächsten Tag bekam sie Bezoar Pillen gegen Hypertension. Sie hatte dann einen Blutdruck von 140/90 mmHg, die linke Körperseite war taub und schwach und sie konnte nicht fest greifen. Sie fühlte sich elend beim Gehen, hatte eine steife Zungenwurzel und Schwierigkeiten beim Sprechen. Sie hatte Verstopfung seit drei Tagen und ein gerötetes Gesicht, der Puls war versunken und klein (eben xi). Der Blutdruck war 145/90 mmHg.

Es wurde die Diagnose Syndrom des leeren Feuers (mit ausgeprägtem Feuer) gestellt (xū hǔo). Entsprechend wurde mit der Behandlung das Feuer geklärt und qì gestärkt.

KG 12 (zhōng wǎn) und KG 6 (qì hǎi) wurden mit stärkender Manipulation genadelt, Ma 25 (tiān shū) mit starkem Nadelgefühl, Di 11 (qū chí), Gbl 34 (yáng líng quán), Pk 6 (nèi guān) und Ma 36 (zú sān Iǐ) beidseits mit stärkender Manipulation.

Zwei Portionen von dem Dekokt bǔ yáng huán wǔ wurde verabreicht unter Zusatz von 6 g Radix Scutellariae (huáng qín) und 6 g Radix Rhei (dà huáng), die später dekoktiert worden waren.

Die Patientin hatte nach dieser Behandlung Stuhlgang und ihr Zustand wurde stabiler.

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