Im klinischen Alltag muss bei den Patienten, die Vorzeichen für einen Apoplex zeigen oder einen Apoplex erlitten haben, die Syndromdifferenzierung an erster Stelle stehen. Die Differenzierung der Symptome erfolgt danach. Die Syndrome, die bei Apoplex infrage kommen, sind Wind, Hitze, Schleim und Blutstase. Dabei müssen wir unterscheiden, welche davon primär und welche sekundär sind. Bei der Differenzierung der Symptome sind Taubheit der Gliedmaßen, Hemiplegie, verwaschene Sprache, Kopfschmerzen und Schwindel zu beachten. Zungen- und Pulsbefunde sind ebenso wichtig. Die Behandlung sollte immer die sogenannten „grundlegenden Punkte“ Di 11 (qū chí), Ma 36 (zú sān Iǐ), Gbl 20 (fěng chí) und sì shén cōng enthalten. Weitere grundlegende Punkte sind
  • bei vorherrschendem pathogenem Wind Di 4 (hè gǔ) und Le 3 (tài chōng),
  • bei vorherrschender pathogener Hitze Pk 7 (dà líng) und Le 2 (xíng jiān),
  • bei vorherrschendem Schleim Lu 7 (liè quě) und Ma 40 (fěng lóng) und
  • bei vorherrschender Blutstase Pk 6 (nèi guān) und MP 6 (sān yīn jiāo).
  • Wenn ein Koma im ersten Stadium der Erkrankung auftritt, sollte man an den Punkten LG 26 (rén zhōng) und Pk 9 (zhōng chōng) Bluten lassen.
  • Bei einem Blockadesyndrom aufgrund von Hitze soll man an den Punkten shí xuān Bluten lassen,
  • bei Kälte soll man Pk 5 (jiān shǐ) akupunktieren.
  • Beim Typ des Zusammenbruchs soll man an den Punkten KG 8 (shén què) und KG 4 (guān yuán) moxibustieren.
  • Bei der üblichen Art des Schlaganfalls soll man an den Punkten Pk 6 (nèi guān), Ma 36 (zú sān Iǐ), LG 20 (bǎi huì) mit einer gleichmäßig tonisierenden und gleichmäßig sedierenden Manipulation behandeln.
  • Bei einem verschobenen Verhältnis im Fluss des Nahrungs-qì (yíng qì) und Abwehr-qì (wèi qì), das sich mit Hemiplegie und einseitigem taubem Gefühl darstellt oder mit leichter einseitiger Lähmung, sollen Punkte auf beiden Seiten genadelt werden;
  • bei Patienten mit protrahiertem Verlauf und stabilem Zustand kann man auch nur auf einer Seite nadeln.
Neben den grundlegenden Punkten sollten auch noch zusätzliche Punkte verschrieben werden:
  • Auf einer Seite Ma 36 (zú sān Iǐ), 3E 5 (wài guān), Di 4 (hè gǔ), Gbl 34 (yáng líng quán), Gbl 39 (jué gǔ), Ma 41 (jiě xī), Bl 60 (kūn lún);
  • bei Taubheitsgefühl der Gliedmaßen 3E 5 (wài guān), bā xié, Gbl 34 (yáng líng quán), Ma 39 (xià jù xū), bā fěng;
  • bei chronischem Taubheitsgefühl, das zu einem Sensibilitätsverlust der Gliedmaßen geführt hat, soll an 2 bis 3 Brunnenpunkten an den Fingerspitzen Blut abgelassen werden, oder man kann sie mit der Pflaumenblütennadel beklopfen;
  • bei verwaschener Sprache im ersten Stadium der Erkrankung KG 23 (lián quán), H 5 (tōng lǐ), LG 15 (yǎ mén);
  • bei einer steifen Zunge KG 23 (lián quán);
  • bei Patienten mit chronischem Verlauf, die die Zunge frei bewegen und kurze Sätze sprechen können, Lu 7 (liè quě) und N 6 (zhào hǎi) oder die oben erwähnten drei Punkte mit gleichmäßig tonisierender und gleichmäßig sedierender Manipulation;
  • bei hohem Blutdruck mit Kopfschmerzen und Schwindel Di 11 (qū chí) und Ma 36 (zú sān Iǐ), während 3E 23 (sī zhú kōng), Bl 2 (zǎn zhú) oder tài yáng bis zum Bluten punktiert werden.
  • Gbl 20 (fěng chí) sollte mit der Methode des Hebens und Stoßens mit großer Amplitude ohne Drehen und Rotieren genadelt werden. Dies wird normalerweise kombiniert mit dem Verbindungspunkt (jiāo huì) zu den acht Meridianen, mit 3E 5 (wài guān) und Gbl 41 (zú Iín qì), um das Feuer im shào yáng zu vermindern.
  • Bei Patienten mit schweren Problemen des Verdauungsapparates akupunktiere man Pk 6 (nèi guān) und MP 4 (gōng sūn), um die Stagnation zu bekämpfen und die Verdauungsfunktion zu harmonisieren; diese Punkte kann man auch bei Patienten anwenden, die sich nicht bewegen wollen und Schwierigkeiten beim Gehen haben.
  • Bei Palpitationen und Schlaflosigkeit werden Pk 7 (dà líng), Pk 6 (nèi guān) und Pk 5 (jiān shǐ) genadelt,
  • bei Verstopfung 3E 6 (zhī gōu) und Ma 40 (fěng lóng);
  • bei Polyurie akupunktiere man KG 4 (guān yuán) in Kombination mit Moxibustion.

Fallbeispiel

Eine 52jährige Frau litt an Hemiplegie rechts. Sie war nicht in der Lage, ihren Mund zu öffnen und die Zunge herauszustrecken. Sie hatte eine dysphasische Störung und die Augen halbgeschlossen, der Blutdruck war 180/120 mmHg. Ihre Zunge war dunkelrot mit fettem Belag, der Puls gespannt (xián). Auf beiden Seiten wurden die Punkte Di 11 (qū chí), Ma 36 (zú sān Iǐ), Gbl 20 (fěng chí), sì shén cōng, Ma 40 (fěng lóng), H 5 (tōng lǐ) und KG 23 (lián quán) akupunktiert. Gbl 20 (fěng chí) wurde bis 1,5 cùn tief genadelt mit Heben und Stoßen, KG 23 (lián quán) wurde in alle Richtungen punktiert, zuerst senkrecht, dann schräg nach rechts und links, bis sich die Zunge taub anfühlte. Die Nadel wurde dann liegengelassen. Die Patientin konnte ihre Zunge nach dem Entfernen der Nadel sofort herausstrecken und einige Worte sprechen. Sie wurde jeden zweiten Tag akupunktiert. Nach zehn Tagen konnte sie deutlich besser sprechen und hatte dabei die Augen geöffnet. Nach 20 Sitzungen konnte sie Drei-Wort-Sätze sprechen. Ihr Blutdruck war stabil, und die Hemiplegie gebessert.  

BUCHEMPFEHLUNGEN

Yamamoto, Toshikatsu; Schockert, Thomas

Wandtafel Yamamoto Neue Schädelakupunktur

Ein Kopf für die Wand.

Alle Punkte und Somatotope und sonstige zentrale Informationen der YNSA auf einen Blick.