Auf der Grundlage der Theorie der Neunnadel-Methode zur Behandlung des Apoplex und seiner Folgeerscheinungen haben wir schrittweise eine wirkungsvolle Methode zur Therapie mit der einzigartigen Pflaumenblütennadel ausgearbeitet. Diese reguliert die Funktionen der inneren Organe (tiáo jié zàng fǔ gōng néng), harmonisiert yīn und yáng (píng héng yīn yáng), eliminiert Pathogene (qū xié) und reinigt die Meridiane kräftig (tōng jīng huó luò). Sie ist besonders gut geeignet zur Behandlung des frühen Stadiums der Erkrankung (1 bis 2 Tage nach Beginn).

Bei komatösen Patienten sollte dieses gefährliche Stadium zuerst durch Akupunktur der Brunnenpunkte LG 26 (rén zhōng) und N 1 (yǒng quǎn) behandelt werden, wobei die Nadeln belassen werden, um die Blutung zu stillen und den Patienten wiederzubeleben. Man kann zusätzlich eine Infusionstherapie beginnen und blutstillende Medikamente geben. Wenn der Zustand des Patienten stabiler wird, kann man zum nächsten Schritt der Behandlung übergehen.

Bei nicht-komatösen Patienten kann man von Anfang an mit der Pflaumenblütennadel behandeln. Die zwölf Brunnenpunkte an den Extremitäten auf der betroffenen Seite und die drei yáng-Meridiane des Kopfes auf der normalen Seite sollen kräftig mit der Pflaumenblütennadel beklopft werden. Dann werden der Gallenblasenmeridian auf der normalen Seite und die zwölf Brunnenpunkte auf der betroffenen Seite genadelt.

Dazu werden folgende Punkte ausgewählt:

Gbl 8 (shuài gǔ), Gbl 9 (tiān chōng), Gbl 5 (xuán lú), Gbl 10 (fú bái), Gbl 6 (xuán Ií), Gbl 44 (zú qiào yīn), Gbl 19 (nǎo kōng), Gbl 7 (qū bìn), Dü 19 (tīng gōng), Gbl 20 (fěng chí), LG 16 (fěng fǔ), Bl 12 (fěng mén), LG 20 (bǎi huì), Di 11 (qū chí), Bl 54 (zhì biān) und die zwölf Brunnenpunkte.

Die Brunnenpunkte, Quellpunkte und Verbindungspunkte sollten spitz genadelt werden nach dem Prinzip „den unteren Teil des Körpers bei schmerzhaften Erkrankungen des oberen Teils behandeln“ (shàng bìng xià qǔ).

Bei Patienten mit verzogenem Mund und verdrehten Augen sollten mit der Pflaumenblütennadel die Punkte Gbl 14 (yáng bái), Ma 1 (chéng qì), Ma 6 (jiá chě), Ma 4 (dì cāng), Ma 7 (xià guān) und Di 20 (yíng xiāng) auf der betroffenen Seite behandelt werden; eine dünne Nadel soll von Ma 6 (jiá chě) in Richtung Ma 4 (dì cāng) gestochen werden, ebenso von Ma 7 (xià guān) in Richtung Di 20 (yíng xiāng) und von Gbl 14 (yáng bái) in Richtung yú yāo; an den Punkten tài yáng, Bl 2 (zǎn zhú), yìn táng soll die Nadel belassen werden; bei Abneigung gegen Kälte kann man die „glühende“ Nadel verwenden.

Beim Auftreten einer steifen Zunge und Dysphasie soll man die Hakennadel an folgenden Punkten verwenden: Bl 10 (tiān zhù), LG 14 (dà zhuī), LG 15 (yǎ mén), LG 16 (fěng fǔ), Gbl 20 (fěng chí), Gbl 19 (tīng gōng), Bl 6 (chéng guāng), Bl 7 (tōng tiān), ergänzt durch die Punkte Gbl 18 (chéng líng), LG 20 (bǎi huì), MP 1 (yīn bái) und 3E 8 (sān yáng luò).

Bei Patienten mit Krankheitsresiduen sollen auf der normalen Seite unter starker Stimulation magnetische Dauernadeln an den Punkten Gbl 20 (fěng chí) und LG 16 (fěng fǔ) angebracht werden.

Behandelt wir einmal täglich, der Therapiezyklus kann sich nach der Schwere der Erkrankung richten.

Fallbeispiel

Eine 53jährige Frau litt an einer Hemiplegie rechts. Sie wurde ins örtliche Krankenhaus geschickt. Dort diagnostizierte man einen zerebralen Gefäßverschluss, und die Patientin wurde am nächsten Tag in unsere Klinik überwiesen. Sie wurde auf einer Trage gebracht.

Bei der Aufnahmeuntersuchung konnte die Patientin das rechte Bein nicht heben, den rechten Arm nur bis zum Bauch, und sie hatte eine leichte Dysphasie. Sie wurde mit der Pflaumenblütennadel kräftig behandelt an den drei yáng-Meridianen auf der normalen Seite und über die Haut an den zwölf Brunnenpunkten. Unmittelbar nach dieser Therapie konnte sie ihr Bein 60 Grad heben und das Gefühl im rechten Arm war gebessert. Dünne Nadeln wurden nun gesetzt an den Punkten Gbl 20 (fěng chí), yìn táng, tài yáng, Ma 1 (chéng qì), 3E 5 (wài guān), Di 4 (hè gǔ), Dü 3 (hòu xī), MP 10 (xuè hǎi), Gbl 34 (yáng líng quán), Ma 36 (zú sān Iǐ), MP 4 (gōng sūn) und den zwölf Brunnenpunkten. So wurde sie jeden zweiten Tag behandelt.

Nach drei Sitzungen konnte die Patientin selbständig gehen. Nach weiteren drei Sitzungen war sie im Wesentlichen beschwerdefrei. Sie fühlte sich nur noch etwas unwohl und hatte eine Abneigung gegen Kälte in ihrer Schulter und Lendenregion. Nachdem sie hier zweimal mit der „glühenden“ Nadel behandelt worden war, waren alle Symptome verschwunden.

BUCHEMPFEHLUNGEN

MacPherson, Hugh; Kaptchuk, Ted J.

Akupunktur in der Praxis

Fallbesprechung westlicher Experten

Wer Dan Bensky, Stephen Birch, Bob Flaws oder Jane Lyttleton beim Akupunktieren “über die Schulter” sehen und sein Wissen erweitern will, der greift zu dieser Sammlung westlicher Meister der Akupunktur.