Bei der Apoplexie liegt meistens im Hinblick auf die Ursache (Wurzel) ein Mangelzustand, im Hinblick auf die Manifestation (Zweig) jedoch ein Überschuss vor, bei Überschuss oben und Mangel unten, nämlich Mangel an yīn, innerliche Trockenheit (yīn kuī, nèi zào), gestörtes qì und Blut auf der Ebene der Wurzel (qì xuè nì luàn), sich gegenseitig aufschaukelnd er Wind und Hitze (fěng huǒ jiāo shān) mit Ansammlung von stagnierendem Schleim und stagnierendem Blut (tán yū yǒng zhì) auf der Ebene des Zweiges.

Trotz vielfältiger Erscheinungsformen besteht die grundlegende Behandlung oder das allgemeine Prinzip der Behandlung im Nähren des Wasserelementes, um das Holzelement zu pflegen (zhuàng shuǐ hán mù) oder in der Stärkung des unteren Teils (bǔ xià), dem Besänftigen der Leber und des pathogenen Windes (píng gān xí fěng) oder in der Klärung des oberen Teils des Körpers (qīng shàng).

Eine ergänzende Therapie ist auch das gründliche Reinigen der Meridiane (tōng luò), das Aktivieren der Stase (xíng yū) und das Ausleiten von Schleim (qū tán). Man sollte eine Kombination von lokalen und Fernpunkten anwenden.

Fallbeispiel

Eine alte, körperlich sehr erschöpfte Frau hatte sich sehr stark aufgeregt mit dem dabei üblichen Überschuss im yáng der Leber. Sie fiel plötzlich bewusstlos zu Boden, hatte eine steife Zunge, profusen Speichelfluss, Harninkontinenz und eine Lähmung der rechten Hand. Ihre Angehörigen bestanden darauf, dass sie eine sitzende Position einnehmen müsste, da sie Angst davor hatten, dass sie ins Bett einnässen könnte.

Es wurden folgende Punkte genadelt:

Gbl 20 (fěng chí), LG 16 (fěng fǔ), LG 15 (yǎ mén), LG 20 (bǎi huì), LG 21 (qián dǐng), LG 19 (hòu dǐng), Bl 7 (tōng tiān), LG 24 (shén tíng).

Die Symptome der Patientin wurden dadurch gelindert.

Offensichtlich sind die Punkte am Kopf und im Nacken besonders wirksam. Wir haben deshalb die folgenden zwei Punktauswahlen formuliert:

(a) Bilaterale Akupunktur von LG 20 (bǎi huì), LG 21 (qián dǐng), LG 19 (hòu dǐng), Bl 7 (tōng tiān), Lu 7 (liè quě), N 6 (zhào hǎi), 3E 6 (zhī gōu), Gbl 39 (jué gǔ), Ma 36 (zú sān Iǐ), Di 4 (hè gǔ), Dü 5 (yáng gǔ), Di 11 (qū chí). Hierbei wird die gesunde Seite zuerst genadelt und anschließend die betroffene Seite bei milder Stimulation. 3 bis 5 drehend-rotierende und hebend-senkende Manipulationen werden nach dem Ankommen des qì-Gefühls durchgeführt, und die Nadeln für 20 Minuten belassen. Diese Behandlung wird jeden zweiten Tag gegeben.

Die fünf Punkte des Kopfes: Lu 7 (liè quě), N 6 (zhào hǎi), Gbl 39 (jué gǔ), Ma 36 (zú sān Iǐ) und
Le 3 (tài chōng) werden tonisierend manipuliert, während die übrigen sedierend manipuliert werden.

(b) Bilaterale Akupunktur von LG 20 (bǎi huì), LG 21 (qián dǐng), LG 19 (hòu dǐng), Bl 7 (tōng tiān), Gbl 20 (fěng chí), Lu 7 (liè quě), Ma 36 (zú sān Iǐ), MP 6 (sān yīn jiāo), bā xié, bā fěng. Dabei werden Lu 7 (liè quě), Ma 36 (zú sān Iǐ) und MP 6 (sān yīn jiāo) mittels Manipulation tonisierend gestärkt, alle anderen Punkte aber sediert. Die übrigen Nadeln kann man wie oben angegeben setzen.

Beide Punktauswahlen nähren das Wasserelement und pflegen damit das Holzelement mit dem Effekt, dass die Leber befriedet und pathogener Wind ausgeleitet wird (zhuàng shuǐ hán mú, píng gān xí fěng).

Das erste Rezept (a) behandelt hauptsächlich die Wurzel der Erkrankung und die Manifestation als Ergänzung, mit dem Ziel, den unteren Teil zu stärken und den oberen Teil zu klären. Es ist hauptsächlich in der Erholungsphase und bei älteren Patienten indiziert.

Das zweite Rezept (b) behandelt hauptsächlich die Manifestation und die Wurzel als Ergänzung. Es hat die Stärkung und Klärung des oberen Teils zum Ziel, um den unteren Teil zu stärken und wird hauptsächlich im akuten Stadium oder bei wiederholten Anfällen angewendet.

Je nach den Erscheinungsformen der Erkrankung können folgende Ergänzungen angewendet werden:

  • bei Aphasie: LG 15 (yǎ mén), LG 16 (fěng fǔ)
  • bei Bewusstlosigkeit: Gbl 13 (běn shén), LG 24 (shén tíng)
  • bei Schwierigkeiten mit dem Schlucken: LG 16 (fěng fǔ), KG 23 (lián quán)
  • bei Schwindel: Bl 10 (tiān zhù), Bl 62 (shěn mài)
  • bei Tremor: Gbl 19 (nǎo kōng), LG 17 (nǎo hù), Bl 62 (shěn mài)
  • bei halbseitigen Gesichtsfeldausfällen Gbl 8 (shuài gǔ) in Richtung 3E 19 (lú xí)
  • bei Lähmung der Gesichtsnerven: Ma 4 (dì cāng), Ma 6 (jiá chě), Ma 7 (xià guān)
  • bei Schmerzen in der Schulter: Di 15 (jiān yú), 3E 14 (jiān liáo)
  • bei Nässe-Schleim: KG 12 (zhōng wǎn), Ma 25 (tiān shū)
  • bei Mangel an yīn-qì: Moxibustion am Punkt KG 6 (qì hǎi) und Ma 36 (zú sān Iǐ)
  • bei schwebendem yáng (dài yáng) im Gesicht: Moxibustion am Punkt KG 4 (guān yuán).

Bei Patienten im Koma, mit überschießender Produktion von Schleim oder mit Kiefersperre sollte das schädliche Blut an den 12 Brunnenpunkten (jǐng xué) mit der dreiseitigen Nadel herausgelassen werden.

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