Die Schädelakupunktur bei Apoplexie bezieht sich auf die reflektorischen Beziehungen zwischen der Kopfhaut und den Funktionen des Gehirns. Da man weiß, welche Funktionen an welchen Arealen der Hirnrinde lokalisiert sind, ergibt die Akupunktur in den entsprechenden Skalparealen (siehe Abbildungen 7-12) gute Ergebnisse bei der Behandlung der Apoplexie.

Grafik Schädelakupunktur bei Apoplexie

Im Folgenden beschreiben wir die einzelnen Behandlungsarealen für die unterschiedlichen Symptome;

  • Das Areal für Lähmungen der unteren Extremitäten befindet sich im oberen Fünftel des motorischen Areals für den Fuß im motorisch-sensorischen Gebiet der Gegenseite;
  • bei Lähmungen der oberen Extremität ist das entsprechende Areal in den mittleren zwei Fünfteln des motorischen Areals der Gegenseite;
  • bei Verziehungen des Mundes, Sprachstörungen und Seitenabweichung der Zunge liegt das Areal auf den unteren zwei Fünfteln des gegenseitigen motorischen Areals;
  • bei Taubheitsgefühl und Schmerzen auf dem gegenseitigen sensorischen Areal.

Die Behandlung erfordert eine schnelle Akupunktur; das heißt, man sticht die Nadel schnell in die Kopfhaut ein und führt sie unter der Kopfhaut etwa 4 cm tief an dem stimulierten Areal entlang weiter. Dann dreht und rotiert man die Nadel sehr schnell mit einer Frequenz von etwa 200mal/Minute eine Minute lang und lässt sie etwa 5 bis 10 Minuten lang liegen. Diese Akupunktur wird einmal täglich durchgeführt. Zehn Behandlungen bilden einen Behandlungszyklus.

Fallbeispiel 1

Eine 64jährige Frau litt an einem Apoplex, der die Meridiane und Verbindungsgefäße verletzt hatte. Die westliche Diagnose lautete Hemiplegie rechts aufgrund eines Verschlusses von Zerebralgefäßen. Ohne besonderen Anlass wurde sie plötzlich ohnmächtig. Sie war aphasisch und rechtsseitig gelähmt.

Bei der Eingangsuntersuchung war sie bei Bewusstsein, aber aphasisch; der rechte Arm war völlig gelähmt, während sie das rechte Bein ein wenig beugen konnte. Ihr Gesicht wich nach links ab. Babinski und Hoffmann‘sches Zeichen rechts waren positiv.

Das motorische Areal links und das motorisch-sensorische Areal des Fußes links wurden genadelt. Nach einer Minute Manipulation konnte die Patientin wieder sprechen. Nach dem Entfernen der Nadeln konnte sie in der rechten Hand Essstäbchen halten und ohne Hilfe gehen.

Sie wurde acht Monate später nachuntersucht. Die Patientin war mit ihrem Zustand sehr zufrieden. Sie hatte noch eine verstrichene Nasolabialfalte, konnte ihre Glieder aber normal bewegen, bei gleich guter Greifkraft in beiden Händen. Sie konnte ihre Hausarbeit ausführen.

Fallbeispiel 2

Ein 54jähriger Mann litt an einem Apoplex, der die Eingeweide befallen hatte. Die westliche Diagnose war Hemiplegie aufgrund einer zerebralen Massenblutung. Er hatte plötzlich bei der Arbeit das Bewusstsein verloren. 24 Stunden später war er wieder zu sich gekommen.

Bei der Untersuchung war er bei Bewusstsein, mit motorischer Aphasie, kompletter Lähmung des rechten Armes, das rechte Bein konnte er 10 cm hochheben. Der Liquor war blutig.

Wie beschrieben wurden das linke motorische Areal und das linke motorisch-sensorische Areal genadelt. Nach der ersten Sitzung konnte er das rechte Bein heben und frei beugen und strecken. Er konnte für 20 Sekunden stehen. Nach der zweiten Sitzung wurde die Kraft im rechten Bein besser, und er konnte vier Meter weit gehen. Nach 29 Sitzungen konnte er normal gehen und seinen Arm normal bewegen. Er sprach gut, wenn auch etwas verlangsamt. Als er nach zwei Monaten nachuntersucht wurde, konnte er seine normale körperliche Arbeit durchführen.

BUCHEMPFEHLUNGEN

Yamamoto, Toshikatsu

Yamamoto Neue Schädelakupunktur

Unter Mitarbeit von Helene und Michiko Margaret Yamamoto

Das einzigartige und praxisnahe Therapiekonzept der YNSA wurde vom Autor wieder auf den neuesten Stand gebracht.