Bettnässen (Enuresis) wird nach den Prinzipien behandelt, das yáng der Nieren zu wärmen und zu kräftigen (wěn bǔ shèn yáng), den Geist anzuregen und wiederzubeleben (xǐng shén kāi qiào). Die Hauptpunkte sind LG 4 (mìng mén), H 7 (shén mén) und LG 20 (bǎi huì). Als Zusatzpunkte können KG 8 (shén què), MP 6 (sān yīn jiāo), MP 9 (yīn Iíng quán) und Bl 23 (shèn shū) gewählt werden. Wenn der Patient sehr häufig Wasser lassen muss, massiert man das Lenkergefäß in der Verlaufsrichtung und besonders die Punkte bā liáo (Bl 31 (shàng liáo) bis Bl 34 (xià liáo)), bis der Bereich sich heiß anfühlt. Bei schlechtem Appetit und allgemeiner Schwäche massiert man die Wirbelsäule fünfmal und drückt und massiert an den Punkten Bl 20 (pí shū) und Bl 21 (wèi shū).

Vorgehen

In Rückenlage des Patienten massiert man zuerst den Nabel mit dem Handrücken etwa zehnmal im Uhrzeigersinn. Man hebt die Bauchmuskeln mit vier Fingern beider Hände dreimal an. Diese Manipulation wiederholt man dreimal. Dann massiert man mit Drücken an den Punkten MP 6 (sān yīn jiāo) und MP 9 (yīn Iíng quán) dreißigmal und drückt und massiert Bl 23 (shèn shū) nach oben fünfzigmal mit beiden Daumen. Dann setzt man den Patienten hin, massiert mit dem Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand dreißigmal kräftig aufwärts zu LG 4 (mìng mén) und massiert LG 20 (bǎi huì) gegen den Uhrzeigersinn mit der palmaren Daumenseite 30mal. Anschließend hält man die Handgelenke des Patienten mit der Hand und massiert zwanzigmal am Punkt H 7 (shén mén).

Fallbeispiel

Ein Junge von viereinhalb Jahren litt seit Geburt an Enuresis. Er wurde um Mitternacht und drei Uhr morgens geweckt. Ansonsten würde er einnässen. Wenn er abends Wassermelone gegessen oder zu viel getrunken hatte, konnte es passieren, dass er vier- oder fünfmal einnässte. Niemals wachte er von alleine auf, wenn er urinieren musste. Er trank gern kalte Getränke, hatte eine fahle Gesichtsfarbe, und seine Zunge war mit weißem Belag bedeckt. Zuerst wurde er angewiesen, keine kalten Getränke mehr zu trinken. Der Punkt rè mén ist ein ganz besonderer Punkt. Nach der Manipulation am Bauch, wurde der Punkt rè mén kräftig mit beiden Daumen im Rhythmus der Atmung des Patienten gedrückt. Dies ist ein Erfahrungspunkt zwischen KG 4 (guān yuán) und N 21 (yōu mén), in einer Grube gelegen. Wenn man dort Knoten palpieren kann, gleitet man mit dem Daumen in die Vertiefung und bleibt hier für fünf bis zehn Sekunden, bis ein Gefühl der Hitze entsteht. Dann lässt man langsam los. Diese Manipulation wiederholt man fünfmal. Außerdem wurden die erwähnten Zusatzpunkte akupunktiert. Nach der ersten Sitzung wurde der Patient einmal zum Wasserlassen geweckt. Nach der zweiten Behandlung wachte er von selbst auf und ging zur Toilette. Nach sieben Behandlungen wachte er nicht mehr auf und musste nachts nicht mehr Wasser lassen. Vierzehn Behandlungen in einem Monat haben seine Erkrankung beseitigt.
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