Zur Behandlung von Blasensteinen mit Ohrakupunktur teilen wir die ausgewählten Punkte ein in Hauptpunkte und zusätzliche Punkte. Die Hauptpunkte werden bei jeder Sitzung behandelt, während die zusätzlichen Punkte je nach dem Syndrom ausgewählt werden.

Hauptpunkte

Sympathikus, shén mén, Ureter, Urethra und Blase.

Zusätzliche Punkte

  • Becken, Unterbauch, Prostata, Punkt zur Muskelrelaxierung und sān jiāo.
  • Bei Mangel an Nieren-yáng außerdem die Punkte Niere, Uterus oder jīng gōng.
  • Bei starken Schmerzen behandelt man außerdem die Punkte äußeres Genitale und äußeres Abdomen.
  • Bei Blutbeimengungen zum Urin behandelt man zusätzlich die Punkte Hinterhaupt und Nebenniere, bei protrahierten Fällen Endokrinium und ěr mí gěn.

Vorgehen

Jeweils ein Samenkorn von Semen Vaccariae wird mit einem Pflaster auf die ausgewählten Punkte geklebt. Dabei werden die Ohrmuscheln abwechselnd benutzt. Die Samen werden alle zwei Tage gewechselt. 15 Behandlungen bilden einen Therapiezyklus. Dreimal am Tag soll der Patient zunächst 300-500 ml Wasser trinken und dann die Samenkörner mit Daumen und Zeigefinger gegen die Punkte drücken, bis sich ein Gefühl von Hitze und Schmerz in der Ohrmuschel ausbreitet. Die Punkte werden mit Hilfe der Samenkörner jeweils 15 bis 20 Minuten lang stimuliert. Danach  soll sich der Patient ausreichend bewegen.

Behandlungsergebnisse

Wir haben 190 Patienten mit Steinen in den ableitenden Harnwegen behandelt, die mittels Ultraschall, Röntgenbildern und Laboruntersuchungen identifiziert wurden. Davon waren 103 männliche und 87 weibliche Patienten. Zwei Patienten waren unter fünf Jahre alt, 50 Patienten unter 50 Jahren und 31 Patienten über 50. Bei 163 Patienten fanden sich die Steine im Nierenbecken, bei 37 im Ureter, bei 16 in der Blase, und 26 Patienten hatten Steine auf beiden Seiten.

Nach der Behandlung mit Akupressur an Ohrpunkten waren 56 Patienten geheilt, das entspricht 29,4%. Sie hatten keine klinischen Symptome mehr und die Steine waren nicht mehr nachweisbar. 105 Patienten waren gebessert, das heißt, ihre klinischen Symptome waren gelindert, Steine waren ausgeschieden worden, aber im Sonogramm oder Röntgenbild waren noch Steine zu sehen. Diese Gruppe entspricht 55,3%. Bei 29 Patienten war die Behandlung ineffektiv, das entspricht 15,3%. Sie hatten keine Besserung erfahren und die Steine waren noch vorhanden.

Fallbeispiel

Ein 54jähriger Mann war wegen Nierensteinen operiert worden. Vier Monate später bekam er plötzlich eine Anurie. Er konnte nur noch tröpfelnd Wasser lassen und klagte über dumpfen Schmerz im Unterbauch. Im Sonogramm zeigte sich kein pathologischer Befund, aber nach dem klinischen Erscheinungsbild wurde die Verdachtsdiagnose Blasensteine gestellt.

Am Ohr wurden die Punkte shén mén, Sympathikus, Niere, Ureter, Urethra, Blase, äußeres Genitale, sān jiāo und der muskelrelaxierende Punkt mit Semen Vaccariae beklebt. Der Patient wurde angewiesen, viel Wasser zu trinken und sich viel zu bewegen. Am nächsten Tag wurde ein Stein von der Größe 0,6 x 0,4 cm ausgeschieden. Er war weich und von heller Farbe. Nach einer Woche traten dieselben Symptome wieder auf und wurden in der gleichen Weise behandelt. Anschließend war er beschwerdefrei.