Diarrhö wird in diesem Artikel in zwei Typen eingeteilt:

Typ mit Überschuss an Hitze (shí rè)

Hier muss die Therapie den Darm klären (qīng cháng), die Stagnation lösen (dǎo zhì) und die Diarrhö beenden (zhǐ xiè).

Dazu werden folgende Punkte ausgewählt: Ma 36 (zú sān Iǐ), Ma 25 (tiān shū) und Bl 25 (dà cháng shū).

Zunächst nadelt man am Punkt Ma 36 (zú sān Iǐ) mit sedierender Manipulation. Das Nadelgefühl soll sich in Richtung Bauch ausbreiten. Dann akupunktiert man Bl 25 (dà cháng shū) mit sedierender Manipulation, so dass der Unterbauch sich taub und dumpf anfühlt. Bei Völlegefühl im Bauch nadelt man zusätzlich Le 13 (zhāng mén) und KG 6 (qì hǎi), bei Bauchschmerzen KG 11 (jiàn lǐ). Bei einem Gefühl, wie wenn der Unterbauch geschwollen sei und nach unten zieht, nadelt man zusätzlich Ma 39 (xià jù xū).

Mangel- und Kälte-Typ (xū hán)

Die Behandlung muss das Innere wärmen (wěn lǐ), yáng unterstützen (zhù yáng), fehlendes yáng zuführen (bǔ xū) und die Durchfälle beenden (zhi xiè).

Dazu werden folgende Punkte ausgewählt: Ma 36 (zú sān Iǐ), Ma 25 (tiān shū), Bl 25 (dà cháng shū), KG 9 (shuǐ fěn), KG 8 (shén què) und KG 6 (qì hǎi).

Wenn die Nieren in einem Mangelzustand sind, behandelt man zusätzlich Bl 23 (shèn shū) und LG 4 (mìng mén); bei Mangel in der Milz nadelt man auch Bl 20 (pí shū) und MP 8 (dì jī); wenn ein Kältegefühl im Unterbauch empfunden wird, nimmt man zusätzlich KG 4 (guän yuän); bei Oligurie nadelt man zusätzlich MP 9 (yīn Iíng quán).

Ma 36 (zú sān Iǐ) und Ma 25 (tiān shū) werden tonisierend manipuliert. Wenn sich nach der Manipulation ein Hitzegefühl im Bereich des Verlaufs des Magenmeridians im Unterbauch ausbreitet, ist das Behandlungsergebnis besser. Über dem Punkt KG 8 (shén què) und einer Lage Salz kann mit 5 bis 10 Moxakegeln in Sojabohnengröße indirekt moxibustiert werden. An den Punkten KG 9 (shuǐ fěn), KG 6 (qì hǎi) und Ma 25 (tiān shū) kann mit korngroßen Moxakegeln direkt moxibustiert werden. Dies wärmt den Unteren Erwärmer, ergänzt fehlendes yáng und unterstützt yáng, treibt Kälte aus und beendet die Durchfälle. Bei langanhaltenden Durchfällen aufgrund von Mangel in Milz und Magen soll man Ma 36 (zú sān Iǐ), Bl 20 (pí shū) und Bl 21 (wèi shū) moxibustieren. Bei Völlegefühl im Epigastrium werden KG 12 (zhōng wǎn) und Ma 21 (liáng men) moxibustiert. Bei Appetitverlust kann man Di 10 (shǒu sān lǐ), Ma 37 (shàng jù xū) und KG 13 (shàng wǎn) moxibustieren. Bei Kindern soll auch manuell therapiert werden.

Fallbeispiel Akupunkturbehandlung Diarrhö

Ein 67jähriger Funktionär hatte seit länger als einem Jahr Durchfälle mit 6 bis 7 Stuhlentleerungen täglich, die Stühle waren gelb und wässrig-dünn. Außerdem klagte er über Völlegefühl im Unterbauch und Schmerzen um den Nabel herum. Nach jeder Stuhlentleerung wurden die Schmerzen geringer, kehrten aber 1 bis 2 Stunden später wieder, wobei häufige übelriechende Windabgänge bemerkt wurden. Die Diagnose Colitis ulcerosa wurde gestellt. Furoxon, Berberin und shěnlíngbáizhú (Ginseng, Poria, Atractylodes und Macrocephala)-Pulver wurden verordnet. Dennoch kam es zu häufigen Rückfällen.

Bei der Untersuchung zeigten sich ein gerötetes Gesicht, eine rote Zunge ohne Belag, ein versunkener und beschleunigter Puls (chén shuò), ein Spannungsgefühl im unteren Abdomen und links vom Nabel.

Die Diagnose war: Diarrhö mit Überschuss an Hitze. Die Behandlung sollte die inneren Organe klären, die Stagnation lösen und die Durchfälle beenden.

Zwei Punktegruppen wurden abwechselnd genadelt: Ma 36 (zú sān Iǐ) und Ma 25 (tiān shū), Bl 25 (dà cháng shū) und Bl 57 (chéng shān). Alle wurden sedierend manipuliert. Die Behandlung wurde einmal täglich durchgeführt. Nach sechs Sitzungen waren alle Symptome beseitigt, und der Patient hatte nur noch eine Darmentleerung täglich.