Zur Behandlung von Diarrhö durch Beklopfen mit der Pflaumenblütennadeln werden entsprechend der Differenzierung der Syndrom-Muster folgende Punkte ausgewählt.

  1. Mangel der Milz und Beeinträchtigung durch Nässe (pí xū shī kùn): Die Milz muss gestärkt und das Innere gewärmt werden (jiàn pí wěn zhōng). Folgende Punkte werden behandelt: Brust, Taille, Unterbauch, Pk 6 (nèi guān), Ma 36 (zú sān Iǐ), Ma 25 (tiān shū), KG 4 (guān yuán) und druckempfindliche Areale.
  2. Mangel in der Niere (shèn xū): Diese Erkrankung ist auch bekannt als „Dämmerungsdurchfall“ mit Bauchschmerzen und Aufstoßen gegen Abend. Der Schmerz löst sich nach der Stuhlentleerung. Der Krankheitsverlauf ist langwierig. Die Behandlung muss darin bestehen, die Nieren zu wärmen (wěn shèn), yáng zu stärken und den Verdauungstrakt zu beruhigen (yì yáng gù cháng). Folgende Punkte werden ausgewählt: Beidseits lateral der Brustwirbel 5 bis 12, die Taille, der Unterbauch, LG 20 (bǎi huì), KG 12 (zhōng wǎn), KG 4 (guān yuán), die medialen Seiten der Beine und druckempfindliche Areale.

Methodik

Ein Gebiet von 0,5 bis 1,5 cm Durchmesser wird gleichmäßig etwa 20 bis 50mal beklopft. An den beiden Seiten der Wirbelsäule klopft man von oben nach unten in drei Linien. Dabei liegt die erste 1 cm lateral der Wirbelsäule, die zweite 2 cm lateral und die dritte 3 bis 4 cm lateral. Der Unterbauch zwischen Nabel und Symphyse wird in 8 bis 9 vertikalen Linien beklopft und in 4 bis 5 horizontalen Linien. An der Medialseite der Beine werden drei Linien beklopft.

Behandlungsverlauf

Im ersten Behandlungszyklus wird an den ersten zehn Tagen einmal täglich, dann an jedem zweiten Tag behandelt, bis insgesamt 15 Behandlungen erreicht sind. Dann benötigt man einen halben Monat Pause, bis der nächste Behandlungszyklus beginnen kann. Die Kraft beim Beklopfen soll aus dem Handgelenk kommen und elastisch sein. In den meisten Fällen soll man mäßig stark stimulieren.

Fallbeispiel

Ein 43jähriger Funktionär klagte über chronische Durchfälle seit 20 Jahren. Er hatte 3 bis 5 Stuhlentleerungen täglich mit weichen Stühlen, die manchmal schleimbedeckt waren. Außerdem hatte er dabei einen gespannten Bauch, einen dumpfen Bauchschmerz, Schlaflosigkeit und allgemeine Abgeschlagenheit. Er war stuhlinkontinent, wenn er zu schnell gegessen hatte oder nach dem Essen nicht eine halbe Stunde ruhen konnte. Westliche und traditionelle Medikamente brachten keinen Erfolg.

Bei der Untersuchung zeigte sich eine fahle Gesichtsfarbe, ein mäßiger Ernährungszustand des Patienten, die Milz war tastbar, die Leber nicht vergrößert. Der Bauch war weich, im Stuhl fanden sich unverdaute Nahrungsbestandteile. Der Puls war schmal und schwach (xì ruò), der Zungenbelag dünn und fettig. Es fanden sich empfindliche Regionen beidseits lateral der Brustwirbel 8 bis 12, in der Taille, sowie Knoten und Stränge in der submandibulären Region. Die Diagnose war: Mangelzustand der Milz und stagnierende Nässe (pí xū shī zhì).

Die Behandlung bestand in der Stärkung der Milz (jiàn pí), Eliminierung der Nässe (lì shī) und Wärmen des Inneren (wěn zhōng). Mit der Pflaumenblütennadel wurden die beiden Seiten lateral der Brustwirbel 5 bis 12 beklopft, die Taille, der Unterbauch, Pk 6 (nèi guān), Ma 25 (tiān shū), Ma 36 (zú sān Iǐ), KG 4 (guān yuán) und die Regionen mit tastbaren Knötchen.

Nach drei Behandlungen hatte er nur noch zweimal am Tag Stuhlentleerungen und der Stuhl war weich. Er konnte 7 bis 8 Stunden schlafen. Nach acht Behandlungen hatte sich der Stuhlgang normalisiert, und alle Symptome waren verschwunden. Ein weiterer Behandlungszyklus wurde gegeben, um das Ergebnis zu festigen. Bei der Nachuntersuchung zehn Monate später war der Patient völlig normal.

BUCHEMPFEHLUNGEN

Kirschbaum, Barbara

Handbuch Zungendiagnostik

Die Zungenzeichen in der Chinesischen Medizin

Die Zungendiagnostik ist wesentlicher Bestandteil einer vollständigen Chinesischen Diagnose. Sie ist wichtig für eine zielführende therapeutische Entscheidung und vor allem für die prognostische Beurteilung des Krankheitsverlaufs. Die Zungenzeichen geben außerdem Aufschluss über konstitutionelle und energetische Stärken und Schwächen des Patienten.