A. Überschuss von innerlicher Kälte und Nässe (hán shī nèi shèng)
Das Behandlungsprinzip ist das Zerstreuen der Kälte und Nässe mit warmen Methoden (wěn huà hán shī). Ma 25 (tiān shū) und Ma 36 (zú sān Iǐ) werden mit sedierenden Maßnahmen genadelt, KG 8 (shén què) und KG 9 (shuǐ fěn) werden moxibustiert. Bei Frösteln und Fieber, Kopfschmerzen, verstopfter Nase, Schmerzen am ganzen Körper, weißem Zungenbelag und schwebendem Puls (fú) sollte man an den Punkten Ma 36 (zú sān Iǐ) und MP 9 (yīn Iíng quán) moxibustieren. Die Punkte LG 14 (dà zhuī) und Di 11 (qū chí) werden genadelt, um die oberflächlichen Pathogene auszutreiben und die trübe Nässe zu zerstreuen. Sobald die Pathogene Wind und Kälte eliminiert sind, wird sich die Funktion von Milz und Magen erholen und die Durchfälle werden gelindert.Fallbeispiel
Eine 55jährige Frau klagte über Durchfälle, die seit einer Darminfektion vor drei Monaten bestanden. Sie hatte Bauchschmerzen vor den Stuhlentleerungen und Schmerzen um den Nabel herum. Sie hatte 7 bis 8 Darmentleerungen täglich mit weichen Stühlen. Alle Symptome wurden schlimmer, wenn sie unregelmäßige Mahlzeiten zu sich nahm oder rohe und kalte Nahrungsmittel aß. Sie litt außerdem unter Appetitverlust, Blähungen und häufigem Aufstoßen, Kälte war ihr unangenehm, sie sah ausgezehrt aus und erschien allgemein sehr abgespannt. Bei der Untersuchung war die Zunge blass mit weißem Belag, der Puls versunken, langsam und etwas gespannt (chén chí lüè xián). Die Diagnose war Stagnation von Kälte und Nässe (hán shī nèi tíng) und Versagen der Transportfunktion des yáng der Milz (pí yáng bú yùn). Die Behandlung bestand darin, Nässe und Kälte auszuleiten und mit warmen Methoden das yáng der Milz zu stärken. Dazu wurden Ma 25 (tiān shū), Ma 36 (zú sān Iǐ) und MP 9 (yīn Iíng quán) genadelt, KG 8 (shén què) und KG 12 (zhōng wǎn) moxibustiert. Nach drei Therapiesitzungen war sie geheilt.B. Überschuss von innerlicher Nässe und Hitze (shī rè nèi shèng)
Das Behandlungsprinzip besteht darin, die Nässe und Hitze zu klären und zu zerstreuen (qīng lì shī rè). Ma 25 (tiān shū), Ma 37 (shàng jù xū) und MP 9 (yīn Iíng quán) werden genadelt, um die Nässe und Hitze im Darm zu klären und zu zerstreuen. Wenn die Hitze im Vordergrund steht, wird Ma 25 (tiān shū) reduzierend genadelt und die tòu tiān liáng-Technik angewendet. (Das ist eine der überlieferten Sedierungstechniken zur Behandlung von fiebrigen Erkrankungen. Die Nadel wird eingestochen, während der Patient einatmet, und sanft hin- und hergedreht, während man die Haut am Akupunkturpunkt drückt. Sobald der Patient am Punkt oder am ganzen Körper ein kühles Gefühl empfindet, zieht man die Nadel schnell ein wenig höher und wiederholt das Drehen. Nach nochmaligem Hochziehen und Drehen, wird die Nadel schnell herausgezogen und die Einstichstelle offengelassen.) Nach einer alten Regel ist es falsch, Nässe zu behandeln, ohne die Diurese zu fördern. Wenn man MP 9 (yīn Iíng quán) sedierend nadelt, bewirkt dies, dass die Diurese gefördert wird, und das führt zu normalen Stuhlentleerungen.Fallbeispiel
Ein 54jahriger Mann kam mit Diarrhö ins Krankenhaus. Diese bestand seit 20 Tagen und hatte mit einer akuten Darmerkrankung begonnen. Er hatte 3 bis 5 Darmentleerungen täglich, die mit Bauchschmerzen begannen. Er hatte Tenesmen mit gelblichbraunen stinkenden Stühlen und einen tiefdunklen spärlichen Urin. Er war durstig, hatte aber eine Abneigung zu trinken. Sein Appetit war schlecht, die Zunge hatte einen gelben fettigen Belag, der Puls war weich und beschleunigt (rú shuò). Er erhielt westliche Medikamente ohne Erfolg. Die Diagnose war: Beeinträchtigung des Verdauungstraktes durch Nässe und Hitze mit schlechter Transportfunktion. Die Behandlung bestand darin, die Nässe und Hitze im Verdauungstrakt zu klären und auszuleiten, Ma 25 (tiān shū), Ma 37 (shàng jù xū) und MP 9 (yīn Iíng quán) wurden genadelt. Nach neun Sitzungen war der Patient symptomfrei.C. Stagnation von unverdauter Nahrung im Verdauungstrakt (shí zhì cháng wèi)
Das Behandlungsprinzip besteht darin, die Verdauung zu fördern und unverdaute Nahrung aus- zuleiten (xiāo shí dǎo zhì). KG 12 (zhōng wǎn) und Ma 36 (zú sān Iǐ) werden genadelt, und der Punkt sì fèng spitz gestochen. Wenn die Stagnation zu einem ernsten Krankheitszustand geführt hat und der ganze Bauch und das Epigastrium stark gefüllt sind, was sich auch nach Stuhlentleerung nicht löst, so muss die Punkte KG 12 (zhōng wǎn), Ma 36 (zú sān Iǐ) und Ma 25 (tiān shū) sedierend akupunktieren, um so alle Stagnationen auszutreiben.Fallbeispiel
Ein 25jähriger Mann kam ins Krankenhaus und klagte über Durchfälle, nachdem er fünf Monate zuvor unmäßig getrunken und gegessen hatte. Er hatte 3 bis 5 Stuhlentleerungen täglich, mit schaumigen weichen Stühlen oder mit unverdauter Nahrung. Der Durchfall kam zusammen mit Bauchschmerzen. Diese Schmerzen waren besonders heftig, während er Stuhlgang hatte oder Winde abgingen, oder wenn er rohe oder harte Nahrungsmittel gegessen hatte. Er hatte den Appetit verloren, der Bauch war nach den Mahlzeiten stark gefüllt, er hatte keinen Durst. Bei der Untersuchung zeigte die Zunge einen dünnen gelben Belag, der Puls war versunken und beschleunigt (chén shuò). Er hatte schon alle möglichen Medikamente bekommen, aber ohne Erfolg. Die Behandlung bestand darin, die Verdauung zu fordern, die unverdaute Nahrung auszutreiben, den Magen und den Darm zu öffnen. Ma 25 (tiān shū) und Ma 36 (zú sān Iǐ) wurden sedierend genadelt. Drei Sitzungen heilten die Erkrankung.D. Beeinträchtigung der Milz durch überschießende Energie der Leber (gān qì chéng pí)
Das Prinzip der Behandlung besteht darin, die übermäßige Energie der Leber zu unterdrücken und die Milz zu unterstützen (yì gān fú pí). MP 9 (yīn Iíng quán) oder Bl 20 (pí shū) wird mit tonisierender Manipulation genadelt, Le 3 (tài chōng) oder Pk 5 (jiān shǐ) wird mit sedierender Manipulation genadelt.Fallbeispiel
Eine 55jährige Frau kam ins Krankenhaus mit Durchfällen, die durch emotionalen Stress, Ärger oder Anspannung ausgelöst wurden. Sie bekam dann Bauchschmerzen, gefolgt von Durchfällen, und nach der Stuhlentleerung fühlte sie sich erleichtert. Außerdem litt sie an lauten Darmgeräuschen und häufigen Windabgängen. Sie seufzte häufig und fühlte sich leicht angegriffen. Sie wirkte ausgezehrt, hatte häufig ein Völlegefühl in der Brust, der Appetit war schlecht, die Zunge war pinkfarben und der Puls gespannt (xián). Die Diagnose war: Beeinträchtigung der Milz durch überschießende Energie der Leber und schlechte Transportfunktion. Die oben angegebene Behandlung wurde gegeben, wobei am Punkt Le 3 (tài chōng) sedierend, und am Punkt Gbl 34 (yáng líng quán) tonisierend manipuliert wurde. Nach fünf Sitzungen war die Patientin symptomfrei.BUCHEMPFEHLUNGEN
Scott, Julian; Barlow, Teresa
Akupunktur in der Kinder- und Jugendmedizin
Die sanfte Nadel
Kinderheilkunde mit Akupunktur hat in China eine jahrhundertelange Tradition. Die Autoren haben mit diesem Buch Pionierarbeit geleistet, um diese sanfte und sichere Methode bei der Behandlung von Kindern auch im Westen zu etablieren.
Eine erstaunliche Vielfalt von Kinderkrankheiten lässt sich effektiv mit Akupunktur behandeln. Dazu gehören Masern, Mumps und Mittelohrentzündung ebenso wie Asthma, Impfnebenwirkungen, Augenkrankheiten, Erkrankungen des Verdauungstrakts oder entwicklungsbezogene Störungen.























































































































































































































































































































































