Die wesentliche Erscheinungsform der Diarrhoe besteht in häufigen Darmentleerungen zwischen dreimal bis über zehnmal täglich. Hier gibt es verschiedene Arten von Diarrhöen: Nässe-Hitze (shī rè); Nässe-Kälte (hán shī); Nahrungsmittelstagnation (shí jī); Mangelzustand der Milz (pí xū); und Mangelzustand der Nieren (shèn xū).
Folgende Punkte werden ausgewählt bei Diarrhoe:
Bl 25 (dà cháng shū) zusammen mit seinem Alarmpunkt Ma 25 (tiān shū) und Ma 36 (zú sān Iǐ).
Am Punkt Bl 25 (dà cháng shū) beginnt der Fluss des Dickdarm-qì. Daher kann man mit diesem Punkt akute Durchfälle behandeln. (Quelle: „qiān jīn yào fāng“, „Kostbare Rezepte“ des Sun Si-miao, umfassendes medizinisches Werk in 30 Bänden zusammengestellt am Ende des 7. Jahrhunderts n. Chr.)
Ma 25 (tiān shū), der Alarmpunkt des Dickdarms, ist der Zusammenflusspunkt des Dickdarmmeridians. Man kann mit ihm sehr laute Darmgeräusche behandeln. Daher ist er indiziert zur Behandlung von Nahrungsstagnation durch Kälte.
Am Punkt Ma 36 (zú sān Iǐ) fließen yīn und yáng von Milz und Magen zusammen. Diese beiden Meridiane sind eng miteinander verbunden. Er ist einer der vier Hauptpunkte, zu denen man bei allen abdominalen Störungen immer wieder greift.
Alle diese Punkte werden akupunktuiert. Wenn die Nahrung nicht richtig verdaut wird, sticht man zusätzlich KG 12 (zhōng wǎn). Wenn Milz und Magen durch Nässe beeinträchtigt sind, sticht man außerdem MP 9 (yīn Iíng quán). Bei einem Mangelzustand der Milz nadelt man zusätzlich Bl 20 (pí shū). Bei einem Mangelzustand der Nieren nadelt man Bl 23 (shèn shū). Die Manipulation wird je nach der Art der Erkrankung durchgeführt.
Fallbeispiel 1
Ein fünfjähriger Junge bekam Anfang Juli Durchfälle mit gelben stark stinkenden Stühlen. Er hatte auch spärlichen roten Urin, Übelkeit und Erbrechen, der Zungenbelag war gelb und fettig, der Puls schlüpfrig (huá). Der Stuhl enthielt, im Unterschied zur Dysenterie, weißen Schleim.
Es handelte sich hier um eine Art Verunreinigung der Därme, also eine von Diarrhö aufgrund von Nässe und Hitze.
Bl 25 (dà cháng shū), Ma 25 (tiān shū) und Ma 36 (zú sān Iǐ) wurden mit folgender Manipulation genadelt (tòu tiān liáng-Technik): Einmal stoßen und dreimal heben, langsam stoßen und schnell heben.
Auch der Punkt MP 9 (yīn Iíng quán) wurde mit dieser Manipulation behandelt. Das Nadelloch wurde nach dem Entfernen der Nadel mit dem Finger ausgequetscht, um die Nässe zu entfernen. Am nächsten Tag hatte der Junge anstatt 7 bis 8 nur noch 2 bis 3 Stuhlentleerungen. Der Urin wurde farblich heller, das Erbrechen hörte auf. Nach weiteren drei Sitzungen, die täglich durchgeführt wurden, war der Patient symptomfrei.
Fallbeispiel 2
Ein sechsjähriges Mädchen litt an unbeherrschbaren Durchfällen mit weichen Stühlen und Bauchschmerzen. Sie hatte reichlich klaren Urin, einen weißen und fettigen Zungenbelag, einen weichen und regelmäßigen Puls (rú huǎn).
Die Diagnose war: Diarrhö vom Typ Nässe-Kälte.
Die Punkte Bl 25 (dà cháng shū), Ma 25 (tiān shū) und Ma 36 (zú sān Iǐ) wurden genadelt mit derselben Manipulation, wie im ersten Beispiel. Am Punkt MP 9 (yīn Iíng quán) wurde sedierend manipuliert, um die Nässe zu zerstreuen. Nach zwei Behandlungen hatte sie 5 bis 6 Stuhlentleerungen täglich, die aber immer noch weich waren. Nach weiteren fünf Sitzungen an jedem zweiten Tag war die Patientin symptomfrei.
Fallbeispiel 3
Ein 50jähriger Mann kam Ende Oktober zur Behandlung ins Krankenhaus, und klagte über abendlich auftretende Durchfälle, die ihn seit dem letzten Winter plagten. Er hatte immer Stuhlgang, nachdem er Schmerzen im unteren Rücken spürte. Außerdem fühlte er sich schlapp. Bei der Untersuchung hatte der Patient eine düstere Gesichtsfarbe, einen fettigen Zungenbelag und einen versunkenen und langsamen Puls (chén chí).
Die Diagnose war: Durchfälle aufgrund eines Mangelzustandes der Nieren (gemeinhin Dämmerungsdiarrhö genannt).
Die Behandlung bestand in der Tonisierung der Nieren, um die grundlegende Ursache zu behandeln. Dazu wurden Bl 23 (shèn shū) und KG 4 (guān yuán), der Zusammenfluss von den drei yīn-Meridianen mit dem Konzeptionsgefäß, moxibustiert, um so das qì in den unteren Teil des Körpers zu ziehen. Zur Behandlung der Erscheinungsform der Erkrankung wurden die Punkte Bl 25 (dà cháng shū) und Ma 25 (tiān shū) tonisiert. Nach zehn Therapiesitzungen war der Patient symptomfrei und auch bei der Nachuntersuchung nach drei Jahren hatte es keinen Rückfall gegeben.























































































































































































































































































































































