Die Akupunktur und Moxibustion an den Punkten MP 3 (tài bái), Ma 25 (tiān shū), Ma 36 (zú sān Iǐ) und MP 9 (yīn Iíng quán) erzielen bei Diarrhö gute Ergebnisse. MP 3 (tài bái) ist der Shu-punkt und der Quellpunkt (yuán) des Milzmeridians und ein Punkt, der nach den Regeln der fünf Elemente zum Element Erde gehört. Entsprechend des Neijing (Klassiker der Traditionellen Chinesischen Medizin – Anm. d. Übersetzerin) soll man bei Erkrankungen der yīn-Organe die dazugehörigen Zustimmungspunkte (shū) behandeln. Der Punkt MP 3 (tài bái) kann die Milz stärken (jiàn pí), den Magen harmonisieren (hé wèi) und Nässe zerstreuen (huà shī), die aufgrund von Mangel in der Milz entsteht. Deshalb ist dies der Hauptpunkt bei chronischer Diarrhö. Wenn man hier moxibustiert, kann man die Milz tonisieren und ihre Funktionen der Verdauung und des Transportes fördern. Ma 25 (tiān shū) ist der mù-Punkt des Dickdarmmeridians, und seine Funktion steht in Beziehung zum System Milz-Magen. Die Behandlung des Dickdarms ist nützlich für Milz und Magen, die Behandlung von Milz und Magen wiederum fördert die Funktion des Dickdarms. Die beiden Systeme sind eng miteinander verbunden. Es gibt hier eine gegenseitige Regulation sowohl zur Behandlung von Diarrhö als auch von Verstopfung. Wenn der Punkt moxibustiert wird, kann er den Darm wärmen (wěn cháng) und Kälte vertreiben (chú hán); deshalb wird dies meistens bei Diarrhö angewendet. Ma 36 (zú sān Iǐ), der hé-Punkt des Magenmeridians, gehört zum Element Erde und ist der Hauptpunkt zur Behandlung von Erkrankungen des Magens. Man kann mit ihm aber auch Erkrankungen des Dünndarms und Dickdarms: „Behandle Ma 36 (zú sān Iǐ) bei Erkrankungen des Bauches“. Der Punkt kann die Milz stärken (jiàn pí), den Magen harmonisieren (hé wèi) und die Verdauungsfunktion fördern. Er ist deshalb der wichtigste Punkt bei Diarrhö aufgrund eines Mangels in der Milz. MP 9 (yīn Iíng quán) ist der hé-Punkt des Milzmeridians und kann deshalb die Milz stärken (jiàn pí) und Nässe verteilen (lì shī). Deshalb wird er als zusätzlicher Punkt zur Behandlung der Diarrhö aufgrund von Mangel in der Milz benutzt. Im Allgemeinen benötigt man zur Moxibustion an den Punkten MP 3 (tài bái) und Ma 25 (tiān shū) jeweils 3 bis 5 Moxakegel. Ma 36 (zú sān Iǐ) und MP 9 (yīn Iíng quán) werden mit tonisierender Manipulation genadelt; hier sind die wesentlichen Handgriffe: Beim Hineinstoßen der Nadel dreht der Daumen die Nadel nach vorne und der Zeigefinger mit noch größerer Kraft nach rückwärts; beim Heben der Nadel wird umgekehrt manipuliert. Um eine sedierende Manipulationswirkung zu erzeugen, wird genau umgekehrt manipuliert. Die Manipulation wird über zwei Minuten durchgeführt, und die Nadel 30 Minuten liegengelassen.

Fallbeispiel

Ein Patient, der meistens ein Kältegefühl im Magen hatte, bekam wässrige Durchfälle, die vier- bis fünfmal täglich auftraten und über einen Monat lang anhielten. Bei der Untersuchung war er in gedrückter Stimmung und hatte eine fahle Gesichtsfarbe. Er klagte über einen dumpfen Bauch- schmerz, der sich auf Wärme und Druck besserte. Er hatte keinen Durst, Tenesmen, im Stuhl fand sich unverdaute Nahrung. Seine Zunge war pinkfarben, der Zungenbelag weiß und fettig und der Puls weich und langsam (rú huǎn). Die Diagnose war: Trüber Schleim hat sich nach unten gesenkt (shī zhuó xià zhu) und die chronische Diarrhö hervorgerufen aufgrund eines Mangels in der Milz. Die Behandlung musste in der Stärkung der Milz (jiàn pí) und der Harmonisierung des Magens (hé wèi) bestehen. Akupunktur und Moxibustion wurden über drei Behandlungen täglich angewendet. Danach war der Patient beschwerdefrei.

BUCHEMPFEHLUNGEN

Scott, Julian; Barlow, Teresa

Akupunktur in der Kinder- und Jugendmedizin

Die sanfte Nadel

Kinderheilkunde mit Akupunktur hat in China eine jahrhundertelange Tradition. Die Autoren haben mit diesem Buch Pionierarbeit geleistet, um diese sanfte und sichere Methode bei der Behandlung von Kindern auch im Westen zu etablieren.
Eine erstaunliche Vielfalt von Kinderkrankheiten lässt sich effektiv mit Akupunktur behandeln. Dazu gehören Masern, Mumps und Mittelohrentzündung ebenso wie Asthma, Impfnebenwirkungen, Augenkrankheiten, Erkrankungen des Verdauungstrakts oder entwicklungsbezogene Störungen.