Diese Methode zur Behandlung von akuter Dysenterie besteht im Klären der Hitze (qīng rè), Eliminieren von Nässe (lì shī), Zerstreuen der Stagnation (daǒ zhì) und Austreiben von unverdauter Nahrung (xiāo jī).

Punktauswahl

Die Hauptpunkte für die Behandlung sind Ma 25 (tiān shū), Ma 36 (zú sān Iǐ) und Ma 37 (shàng jù xū). Bei Vorherrschen von Hitze werden zusätzlich Di 11 (qū chí) und Di 4 (hè gǔ) gestochen.

Bei vorherrschender Nässe sticht man MP 9 (yīn Iíng quán), um die Nässe aus der Milz zu treiben.

Beim Typ Nässe und Kälte muss man am Punkt Ma 25 (tiān shū) auch moxibustieren. Bei starken Bauchschmerzen soll auch KG 6 (qì hǎi) akupunktiert werden.

Bei hohem Fieber nimmt man LG 14 (dà zhuī) hinzu.

Bei Erbrechen akupunktiert man auch am Punkt KG 12 (zhōng wǎn).

Sobald das Fieber abgefallen ist, kann man die Punkte LG 14 (dà zhuī) und Di 11 (qū chí) weglassen. KG 6 (qì hǎi) kann weggelassen werden, sobald der Bauchschmerz nachlässt. Sobald die Stuhlentleerungen normal sind, kann man auch auf Ma 25 (tiān shū) verzichten. Wenn nur noch die Bakterienkultur positive Ergebnisse zeigt, soll man lediglich Ma 36 (zú sān Iǐ) und Ma 37 (shàng jù xū) so lange nadeln, bis drei negative Ergebnisse erzielt werden.

Manipulation

Weil es sich hier um eine Überschusserkrankung handelt, muss man sedierend manipulieren. Man soll sowohl heben und stoßen als auch drehen und rotieren, wobei man die Nadel an den abdominalen Punkten mehr als 1,5 cùn und an den unteren Extremitäten mehr als 2 cùn tief einführt.

Heben und Stoßen muss mit großer Amplitude, großem Winkel und hoher Frequenz durchgeführt werden. Besonders an den ersten beiden Sitzungen muss sehr sorgfältig manipuliert werden, um die Symptome schnell unter Kontrolle zu bringen und das Befinden des Patienten zu bessern. Sobald die Symptome gemildert sind, kann man leichter stimulieren und auch die Tiefe der Nadelinsertion vermindern.

In schweren Fällen kann man 2 bis 3 Sitzungen täglich geben, bei leichteren Fällen genügt eine Sitzung täglich. Man lässt die Nadeln im Allgemeinen 30 bis 60 Minuten liegen, dies kann aber bei schweren Bauchschmerzen und sehr häufigen Stuhlentleerungen auf bis über eine Stunde verlängert werden. Während die Nadeln liegen, wird der Bauchschmerz im Allgemeinen geringer und der Durchfall sistiert. Die Manipulation der Nadeln kann allerdings Stuhldrang auslösen.

Fallbeispiel

Ein 35jähriger Arbeiter klagte über Frösteln, Fieber, Bauchschmerzen und wässrige Durchfälle seit dem Vorabend. Am Morgen waren die Bauchschmerzen sehr verschlimmert und der Stuhl war eitrig geworden. Er hatte Tenesmen und an diesem Vormittag schon mehr als zehn Durchfälle gehabt.

Bei der Untersuchung war die Körpertemperatur 39° C. Im linken Unterbauch hatte er eine Abwehrspannung. Der Zungenbelag war gelb und fettig, der Puls schlüpfrig und beschleunigt (huá shuò). In der Stuhlkultur fand sich Shigella Flexneri.

Die Diagnose war: Nahrungsstagnation und Nässe-Hitze im Dickdarm, die Blut und qì im yáng míng angegriffen haben.

Die Behandlung bestand darin, die Hitze zu klären, die Nässe zu eliminieren, die unverdaute Nahrung auszutreiben und die Stagnation zu lösen. Di 11 (qū chí) und Di 4 (hè gǔ) wurden genadelt, um die pathogene Hitze im yáng míng-Meridian zu klären. Ma 25 (tiān shū) und Ma 37 (shàng jù xū) sollten die Stagnation der unverdauten Nahrung in den Eingeweiden lösen. KG 6 (qì hǎi) soll das qì regulieren und den Schmerz stillen.

Heftige sedierende Manipulation wurde dreimal täglich angewendet. Am zweiten Tag war das Fieber abgefallen, die Anzahl der Stuhlentleerungen war vermindert, der Schmerz gelindert. Seit diesem Zeitpunkt wurden die Punkte Di 11 (qū chí) und Di 4 (hè gǔ) nicht mehr gestochen und die anderen Punkte weiterhin zweimal täglich. Am vierten Tag war der Bauchschmerz verschwunden, der Stuhl war in normaler Frequenz und Konsistenz. Der Zungenbelag war verschwunden. Der Appetit war gebessert, die Laboruntersuchungen des Stuhls normal. Jedoch war die Bakterienkultur noch immer positiv. Deshalb wurde weiterhin für zwei Tage Ma 37 (shàng jù xū) genadelt mit gleichmäßiger Manipulation. Anschließend waren die Kulturen negativ.

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