Bei der Akupunktur von Dysenterie werden vier Erkrankungstypen unterschieden:
1. Dysenterie vom Typ Wärme und Hitze
An den Punkten Ma 25 (tiān shū) und MP 9 (yīn Iíng quán) wird sediert, um die Hitze im Darmtrakt zu klären und den Darm zu reinigen, und damit die Durchfälle zu beenden. Wenn es sich um ein oberflächliches Syndrom handelt, werden die Punkte Di 11 (qū chí) oder LG 14 (dà zhuī) genadelt, um die oberflächlichen Pathogene zu zerstreuen.
Wenn auch die Ebene des qì schon von der Hitze angegriffen ist, muss man am Punkt Di 4 (hè gǔ) sedieren. Wenn das Blut durch die Einwirkung der Hitze angegriffen ist, muss man MP 6 (sān yīn jiāo) sedieren. Wenn unverdaute Nahrung stagniert, muss man Ma 36 (zú sān Iǐ) sedierend manipulieren.
Wenn die Hitze zu einem ernsteren Problem wird und der Stuhl blutiger und weniger eitrig wird, das Fieber steigt, der Patient Durst hat auf kalte Getränke, die Zunge rot ist mit gelbem Belag, und der Puls schlüpfrig und beschleunigt (huä shuo), muss man Ma 25 (tiān shū) und MP 6 (sān yīn jiāo) sedierend manipulieren.
2. Epidemisch toxische Dysenterie
Ma 25 (tiān shū) und MP 6 (sān yīn jiāo) werden sediert, um die Hitze zu klären und den Patienten zu entgiften (qīng rè jiě dú), um das Blut zu kühlen und die Dysenterie zu beenden (liáng xuè zhǐ lì). Wenn das Fieber sehr hoch und der Patient komatös wird, muss man am Punkt Pk 3 (qū zé) bluten lassen, um die Ebene des Nähr-qì zu klären und das Blut zu kühlen (qīng yíng liáng xuè).
Bei Krämpfen soll man am Punkt Le 3 (tài chōng) sedieren, um die Leber zu dämpfen und den Wind zu vertreiben (zhèn gān xí fěng). Wenn eine innere Blockade vorliegt bei gleichzeitigem äußerem Zusammenbruch, muss man an den Punkten Di 4 (hè gǔ) und KG 4 (guān yuán) notfallmäßig tonisierend manipulieren, um das yáng wiederzubeleben (huí yáng). Die anderen Störungen werden behandelt, sobald der Patient sich von seinem Kollaps erholt hat.
3. Dysenterie vom Typ Nässe-Kälte
Ma 36 (zú sān Iǐ), Gb 34 (yáng líng quán) und Ma 25 (tiān shū) werden sedierend genadelt und außerdem moxibustiert; KG 8 (shén què), KG 9 (shuǐ fěn) und Ma 25 (tiān shū) werden moxibustiert, um Nässe und Kälte zu vertreiben (wěn huà hán shī), den Darmtrakt zu reinigen und so die Dysenterie zu beenden (tōng cháng zhǐ lì).
4. Dysenterie vom Typ Mangel und Kälte
KG 8 (shén què) und KG 4 (guān yuán) werden moxibustiert. Ma 25 (tiān shū) wird moxibustiert und sedierend genadelt, um sowohl das Innere zu wärmen, als auch die Kälte zu zerstreuen (wěn zhōng sàn hán), und die Milz zu stärken, und so die Dysenterie zu beenden (jiàn pí zhǐ lì).
Wenn die Erkrankung schon lange dauert und der Patient ausgezehrt ist, der Puls schwach (ruò), wird Ma 25 (tiān shū) stärkend genadelt und moxibustiert, am Punkt KG 8 (shén què) moxibustiert und Ma 36 (zú sān Iǐ) tonisierend genadelt, um so eine Stärkung bei dem Mangelzustand zu erreichen, das Innere zu wärmen (bǔ xū wěn zhōng) und den Zusammenbruch aufzuhalten.
Beim Vorliegen eines Mangels an yáng von Nieren und Milz mit Zusammenbruch, langanhaltenden Durchfällen, Auszehrung, schwachem Puls nadelt man Bl 20 (pí shū) und Bl 23 (shèn shū) stärkend und moxibustiert dort auch. Auch Ma 25 (tiān shū) wird in dem Fall tonisiert. Beides ist geeignet zur Behandlung eines Zusammenbruchs, der sich aufgrund des Mangels in der Milzentwickelt hat, zusammen mit Analprolaps. Ma 36 (zú sān Iǐ), Di 4 (hè gǔ) und Bl 25 (dà cháng shū) werden tonisierend genadelt, um das qì zu stärken (yì qì), den Prolaps zu behandeln und den Zusammenbruch zu verhindern.
Fallbeispiel 1
Ein 19jähriger Junge klagte über Schmerzen im Unterbauch, Tenesmen und täglich 10 bis 20 Stuhlentleerungen seit drei Tagen. Er hatte blutige und schleimige Stühle am ersten Tag, während in den nächsten Tagen die Stühle ausschließlich aus Blut bestanden. Er musste häufig erbrechen und konnte nichts essen.
Bei der Untersuchung war der Patient teilnahmslos, das Gesicht war gerötet, die Zungenspitze rot und der Zungenbelag weiß und fettig, der Puls gespannt, schnell und etwas schlüpfrig (xián shuò lüè). Die Punkte Ma 25 (tiān shū), MP 6 (sān yīn jiāo) und Ma 36 (zú sān Iǐ) wurden sedierend genadelt, um so die Hitze zu klären (qīng rè), den Patienten zu entgiften (jiě dú) und die stagnierende unverdaute Nahrung auszutreiben. Ein Gefühl von Kälte verbreitete sich vom Punkt Ma 25 (tiān shū) ausgehend über den ganzen Bauch, während das Nadelgefühl am Punkt Ma 36 (zú sān Iǐ) sich an der Seite bis 3 cm über dem Knie ausbreitete. Das Nadelgefühl am Punkt Ma 36 (zú sān Iǐ) breitete sich in die Inguinalgegend hin aus. Nachdem die Nadeln 20 Minuten liegengelassen waren, waren die Bauchschmerzen und Tenesmen verschwunden. Nach weiteren 30 Minuten verschwand die trockene Hitze im Bauch. Er fühlte sich hungrig. Die Nadeln wurden insgesamt drei Stunden liegengelassen. In dieser Zeit gab es keine Durchfälle und keinen Schmerz. Als der Patient nach sechs Tagen noch einmal wegen einer anderen Erkrankung gesehen wurde, berichtete er, dass er nach dieser einen Behandlung geheilt war.
Fallbeispiel 2
Ein 70jähriger Mann kam mit weiß-schleimigen Durchfällen ins Krankenhaus, die er seit drei Tagen hatte. Drei Tage zuvor hatte er kalte Nahrung zu sich genommen. Dies hatte zu Bauchschmerzen und später zu Durchfällen geführt. Nach der Darmentleerung wurde der Schmerz jeweils geringer. Er hatte Tenesmen und wässrige Stühle fünf- bis sechsmal täglich, ein Kältegefühl und Schmerzen um den Nabel herum, Appetitverlust sowie einen versunkenen und gespannten Puls (chén xián).
Die Diagnose Dysenterie durch Mangel und Kälte mit zusätzlicher Stagnation von unverdauter Nahrung wurde gestellt.
Ma 25 (tiān shū) wurde genadelt und nach der shāo shān huǒ-Technik manipuliert. Dies ist eine Technik zur Behandlung von Kältesyndromen: Die Nadel wird schnell und oberflächlich eingestochen, während der Patient ausatmet. Die Haut um die Einstichstelle wird gedrückt und gleichzeitig wird die Nadel kräftig gedreht. Die Nadel wird während des Drehens tiefer eingestochen, bis der Patient ein Gefühl der Hitze empfindet. Dann wird die Nadel langsam herausgezogen.
Ma 36 (zú sān Iǐ) wurde ebenfalls genadelt. Der Patient spürte dabei einen dumpfen Schmerz und lokal ein warmes Gefühl, das sich als Hitzegefühl über den ganzen Bauch ausbreitete. Der Sinn war, das yáng zu wärmen (wěn yáng) die Kälte auszutreiben (sàn hán), den Darm zu reinigen (tōng cháng) und die unverdaute stagnierende Nahrung auszutreiben (dǎo zhì). Nach drei Tagen berichtete der Patient, dass seine Durchfälle mit dieser einen Behandlung verschwunden waren.























































































































































































































































































































































