Im Frühstadium ist die Dysenterie immer eine Überschusserkrankung und muss durch Klären der Hitze und Ausleiten der Nässe (qīng rè lì shī) sowie Förderung der Verdauung behandelt werden (xiāo shí dǎo zhì). Beim Mangel-Typ muss man qì stärken, die Nässe ausleiten (bǔ qì li shī) und die Verdauung fördern.
Zur Behandlung der Dysenterie werden meistens drei Punkte akupunktier:
- Ma 25 (tiān shū),
- KG 12 (zhōng wǎn) und
- Bl 25 (dà cháng shū).
Zusätzlich werden gestochen:
- Bei Fieber Di 11 (qū chí);
- bei Völlegefühl in der Brust KG 12 (zhōng wǎn);
- bei sehr langanhaltender Dysenterie Ma 36 (zú sān Iǐ) mit tonisierender Manipulation und Moxibustion am Punkt Bl 43 (gāo huāng shū).
Fallbeispiel 1
Ein 37jähriger Mann litt an Magenschmerzen und Blähungen im Magen nach übermäßigem Trinken von Alkohol. Er bekam Tabletten gegen Magenschmerzen, die aber nichts halfen. Am selben Nachmittag kamen die Magenschmerzen wieder, und der Patient bekam rote und weiße Durchfälle. Er hatte mehr als zehn Darmentleerungen täglich. Im weiteren Verlauf bekam er erhöhte Temperaturen (über 37,8° C) und Kopfschmerzen, einen bitteren Geschmack im Mund, der Zungenbelag war gelb, dick und fettig, der Puls schlüpfrig und beschleunigt (huá shuò).
Die Diagnose war: Dysenterie durch Nässe und Hitze; die Behandlung musste die Hitze klären, die Nässe ausleiten und die Verdauung fördern.
An den Punkten
Ma 25 (tiān shū),
Bl 25 (dà cháng shū),
KG 12 (zhōng wǎn),
KG 6 (qì hǎi) und
Di 11 (qū chí) wurde mit sedierender Manipulation genadelt. Nach dem Erreichen des Nadelgefühls wurden die Nadeln 30 Minuten liegengelassen und in dieser Zeit alle fünf Minuten manipuliert
Nach der ersten Sitzung waren bereits die meisten Symptome gelindert. Die Anzahl der Stühle war vermindert, Puls und Temperatur normal. Bei der zweiten Sitzung wurde
Di 11 (qū chí) weggelassen und anschließend waren die Beschwerden verschwunden.
Fallbeispiel 2
Eine 21jährige Frau klagte über Dysenterie seit zwei Monaten. Sie hatte schon verschiedene Behandlungen ohne Erfolg erhalten. Als sie sich vorstellte, hatte sie Tenesmen, blutige und eitrige Stühle, war allgemein abgeschlagen und ausgezehrt, appetitlos, der Zungenbelag war dünn und gelb, der Puls versunken (eben).
Die Diagnose war: Wandernde pathogene Faktoren verursachen einen Mangelzustand des Körpers. Alle oben angegebenen Punkte mit Ausnahme von
Di 11 (qū chí) wurden genadelt, außerdem
Ma 36 (zú sān Iǐ) zur Stärkung. Am Punkt
Bl 43 (gāo huāng shū) wurde auch moxibustiert. Hier wurden die Moxakegel (bei jeder Sitzung 3 bis 5 Kegel) auf den Nadelschaft gesteckt. Die Patientin war nach drei Sitzungen geheilt. Während der Therapie wurde ihr geraten, fettige und kalte Nahrungsmittel und adstringierende Substanzen zu vermeiden.