Zur Behandlung von Enuresis (Bettnässen) sind die Hauptpunkte am Ohr Blase, die Mitte des Ohres, die Mitte der Ohrrinne und die Urethra. Der Punkt Blase dient dazu, die Speicherfähigkeit der Blase zu verbessern. Das Zentrum der Ohrrinne kann dazu dienen, die Bildung von Urin in der Nacht zu vermindern. Das Zentrum des Ohres kann den Meridian bei der Übermittlung der Botschaft unterstützen. Der Punkt Urethra verbessert die Regulierung des reflektorischen Harndrangs.

Wenn es sehr schwer für den Patienten ist, nachts zum Wasserlassen aufzuwachen, werden auch die Punkte Erregung, Endokrinium und Stirn akupunktiert. Bei einer latenten Spina bifida, die zur Enuresis führt, werden auch Entsprechungspunkte für den lumbosakralen Bereich benutzt.

Vorgehen

Man desinfiziert die Haut und hält die Ohrmuschel mit dem linken Daumen und Zeigefinger. Die Punkte werden mit 30 G dünnen 0,5 cùn langen Nadeln akupunktiert. Beim Einstechen werden die Nadeln um 180° gedreht und in Richtung auf den Knorpel gestochen, ohne ihn zu perforieren. Die Nadeln werden eine bis zwei Stunden lang liegengelassen. Beide Ohren werden einmal täglich akupunktiert, dabei bilden sieben Behandlungen einen Behandlungszyklus. Nach einer Pause von drei Tagen kann man mit einer weiteren Serie von Behandlungen beginnen.

Es ist auch möglich, jeweils mit zwei Körnern von Semen vaccariae, die auf ein kleines Pflaster geklebt werden, die Punkte zu reizen. Es soll ein lokales Gefühl von Wundheit, Fülle, Hitze und Schmerzen entstehen. Die Samen werden gleichzeitig auf beide Ohrmuscheln geklebt. Der Patient wird angewiesen, die Pflaster dreimal bis fünfmal am Tag zu drücken, bis ein Gefühl von Hitze und Schmerz entsteht. Die Pflaster werden alle drei bis fünf Tage gewechselt, fünf Behandlungen bilden einen Behandlungszyklus.

Fallbeispiel

Der Patient war ein siebenjähriger Schüler, der seit mehr als fünf Jahren an Enuresis litt. Seine Eltern mussten ihn nachts zum Wasserlassen wecken. Die Röntgenaufnahme der lumbosakralen Wirbel zeigten keinen pathologischen Befund.

Die Diagnose lautete einfache Enuresis. Alle Behandlungen hatten bisher keinen Erfolg gebracht.

Mit dem Ohrdiagnostik-Gerät wurden positive Reaktionen gefunden an den Punkten Blase, Urethra, Endokrinium, Subkortex und Hinterhaupt. Folgende Punkte wurden stimuliert: Blase, Ohrzentrum, Zentrum der Ohrrinne, Urethra, Erregung und Stirn.

Nach der ersten Behandlung konnte der Junge nachts leicht zum Wasserlassen geweckt werden. Nach der zweiten Behandlung ließ er nachts nur noch ganz wenig Urin. Nach fünf Behandlungen war die Symptomatik verschwunden. Auch bei der Nachuntersuchung nach einem Jahr war er beschwerdefrei.

BUCHEMPFEHLUNGEN

Kirschbaum, Barbara

Handbuch Zungendiagnostik

Die Zungenzeichen in der Chinesischen Medizin

Die Zungendiagnostik ist wesentlicher Bestandteil einer vollständigen Chinesischen Diagnose. Sie ist wichtig für eine zielführende therapeutische Entscheidung und vor allem für die prognostische Beurteilung des Krankheitsverlaufs. Die Zungenzeichen geben außerdem Aufschluss über konstitutionelle und energetische Stärken und Schwächen des Patienten.