Enuresis (Bettnässen) tritt meistens bei Kindern auf, bei älteren Personen handelt es sich eher um Urininkontinenz. Diesen Beschwerden liegt in den meisten Fällen ein Muster von Kälte und Mangel (xū hán) zugrunde und nur in wenigen Fällen ein Überschuss und Hitze (shí rè).

Wir behandeln mit Akupunktur und Moxibustion an den Punkten KG 4 (guān yuán), Bl 23 (shèn shū), Bl 39 (wēi yáng) und MP 6 (sān yīn jiāo) und erziele damit gute Ergebnisse.

KG 4 (guān yuán) wird 0,8 bis 1 cùn tief akupunktiert. Das Nadelgefühl soll sich in Richtung Symphyse ausbreiten. Dann wird ein 1 cùn großes Stück der Moxarolle auf der Nadel befestigt und angezündet, um warm zu moxibustieren.

Bl 23 (shèn shū) wird 1-1,5 cùn tief akupunktiert, dabei soll das Nadelgefühl sich in die Lumbosakralregion ausbreiten.

Bl 39 (wēi yáng) wird 0,8-1 cùn tief akupunktiert, dabei soll sich das Nadelgefühl auf die laterale Seite der Tibia ausbreiten.

Die Nadeln werden 10 bis 15 Minuten lang liegengelassen.

MP 6 (sān yīn jiāo) wird direkt oder über einer Scheibe Ingwer mit 30 bis 50 Kegeln moxibustiert.

Im Allgemeinen ist eine Behandlung täglich ausreichend. Zehn Behandlungen bilden einen Therapiezyklus.

Fallbeispiel 1: Enuresis (Bettnässen)

Ein 15jähriges Mädchen nässte seit ihrer Babyzeit einmal oder sogar mehrmals in der Nacht das Bett ein. Dies war im Winter besonders schlimm.

Bei der Untersuchung erschien die Patientin äußerlich normal entwickelt. Sie hatte eine blasse Zunge mit dünnem weißem Belag, der Puls war schmal und schwach (xì ruó). Die Diagnose lautete: Enuresis aufgrund von Nierenmangel.

KG 4 (guān yuán) wurde akupunktiert und warm moxibustiert, MP 6 (sān yīn jiāo) über Ingwer moxibustiert. Die Patientin fühlte ein Gefühl der Wärme, das sich von den Unterschenkeln nach oben bis in den Unterbauch ausbreitete. Als 50 Moxakegel verbrannt waren, bekam sie heftiges Aufstoßen. In dieser Nacht nässte sie nicht ein. Weitere drei Behandlungen wurden durchgeführt. Die Patientin litt danach nicht mehr an Enuresis. Nach einem halben Jahr wurde sie nachuntersucht und war unauffällig.

Fallbeispiel 2 Enuresis (Bettnässen)

Eine alte Frau von 67 Jahren hatte vor über zehn Jahren eine Hirnembolie durchgemacht mit nachfolgender Hemiplegie links. Nun litt sie an einer Polyurie mit mehr als zehnmal Wasserlassen am Tag. Nachts musste sie fast stündlich zur Toilette und hatte heftigen Harndrang. Häufig ging der Urin spontan ab.

Die Patientin hatte eine purpurfarbene Zunge mit weißem fettigem Belag und einen gespannten Puls. Sie wurde so behandelt wie oben angegeben. Dann ließen die Beschwerden deutlich nach. Sie musste nur noch einmal in der Nacht Wasser lassen. Nach 15 Behandlungen waren ihre Beschwerden im Wesentlichen gelindert.