Bei akuten Anfällen von Epilepsie behandeln wir die Erscheinungsform der Erkrankung und bei chronischen Fällen (zwischen den Anfällen) die zugrundeliegende Wurzel. Dies ist das Behandlungsprinzip.

Bei akuten Anfällen (Behandlung des Zweiges, der Erscheinungsform) werden die 13 Geisterpunkte (shí sān guǐ xué) akupunktiert. Dies sind: LG 26 (rén zhōng), LG 23 (shàng xīng), KG 24 (chéng jiāng), Pk 7 (dà líng), Di 11 (qū chí), Bl 62 (shěn mài), MP 1 (yīn bái), LG 16 (fěng fǔ), Ma 6 (jiá chě), sublingual an der mittleren Raphe, Lu 11 (shào shāng), Pk 8 (láo gōng) und KG 1 (huì yīn).

Außerdem werden Pk 5 (jiān shǐ) und Dü 3 (hòu xī) ausgewählt.

Alle Punkte werden akupunktiert und mit drehenden Bewegungen sedierend manipuliert. Die Nadeln werden 30 Minuten liegengelassen und alle zehn Minuten manipuliert. Bei Grand Mal Anfällen wird zwei- bis dreimal täglich behandelt. Wenn die Symptome unter Kontrolle gebracht worden sind, genügt eine Sitzung täglich oder jeden zweiten Tag. Zehn Behandlungen bilden einen Behandlungszyklus. Mit zwei bis drei Behandlungszyklen wird man einen therapeutischen Erfolg erzielen.

Mit dieser Behandlungsvorschrift kann man das Bewusstsein wiedererwecken und den Geist klären (kāi qiào qīng shén), von Schleim befreien und Spasmen unterdrücken (huò tán zhèn jìng), das Herz beruhigen (níng xīn) und den Willen unterstützen (yì zhì).

Bei chronischen Erkrankungen (Behandlung der Wurzel, der Ursache) werden die oben genannten 13 Geisterpunkte in zwei Gruppen aufgeteilt:

  1. a) LG 26 (rén zhōng), LG 23 (shàng xīng), KG 24 (chéng jiāng), Pk 7 (dà líng), Di 11 (qū chí), Bl 62 (shěn mài) und MP 1 (yīn bái);
  2. b) LG 16 (fěng fǔ), Ma 6 (jiá chě), sublingual mittlere Raphe, Lu 11 (shào shāng), Pk 8 (láo gōng), KG 1 (huì yīn).

Diese Punkte werden jeden zweiten Tag alternierend akupunktiert. Außerdem werden die Punkte Ma 40 (fěng lóng) und yāo qí (zwei cùn oberhalb der Spitze des Os coccygeum, an der Fussur des Sakralkanals, mit Insertion der Nadel horizontal zwei bis drei cùn tief) akupunktiert und die Punkte KG 6 (qì hǎi), KG 4 (guān yuán) und Ma 36 (zú sān Iǐ) moxibustiert. Auch hier bilden zehn Sitzungen einen Therapiezyklus. Im Allgemeinen erzielt man mit zwei bis vier Behandlungszyklen eine deutliche Verbesserung der Erkrankung.

Man kann diese Methode anwenden bei Petit Mal Anfällen, bei chronischen Anfällen und bei schwachen Patienten. Man kann damit wiederbeleben (kāi qiào), den Wind eliminieren (xí fěng), die Milz stärken (jiàn pí), den Schleim umwandeln (huà tán), die aufrechten Einflüsse unterstützen (fú zhèng) und die Wurzel konsolidieren (gì běn).

Fallbeispiel 1

Ein 26jähriger Mann litt seit drei Jahren an Epilepsie. Die Krankheit begann, als er einmal einen Motor anschob. Er fiel plötzlich hin und begann zu krampfen. Dabei hatte er Schaum vor dem Mund und seine Augen blickten starr nach oben. Die Anfälle traten dann bis zu sechs und sieben Mal am Tag auf. Im letzten Jahr hatte er nur noch einen Anfall täglich oder alle zwei Tage. Die bisherige Behandlung hatte keinen Erfolg gezeigt. Bei der Untersuchung sahen wir einen ausgezehrten Mann mit verwittertem Ausdruck, der sehr depressiv wirkte. Der Puls war gespannt, schmal und schlüpfrig (xián xì huá), die Zunge blass mit weißem und fettigem Belag. Während der Untersuchung bekam der Patient einen Anfall mit Enuresis, der fünf Minuten dauerte und spontan sistierte.

In diesem Fall handelte es sich um einen Mangel an Widerstandskraft des Körpers mit ausgeprägtem Eindringen äußerer Pathogene. Wie oben beschrieben wurde akupunktiert und mit drehenden Bewegungen manipuliert. Nach zehn Behandlungen traten keine Anfälle mehr auf.

Die 13 Punkte wurden nun in zwei Gruppen aufgeteilt und akupunktiert, zusätzlich die Punkte yāo qí und Ma 40 (fěng lóng) akupunktiert, KG 6 (qì hǎi), KG 4 (guān yuán) und Ma 36 (zú sān Iǐ) moxibustiert. Auch hier wurden zehn Behandlungen gegeben, um so die Ursache zu behandeln. Weitere drei Behandlungszyklen wurden durchgeführt, ohne dass ein Rückfall sich gezeigt hätte. Der Patient hatte guten Appetit und nahm an Körpergewicht zu, auch sein geistiger Zustand verbesserte sich. Nach zwei Jahren hatte er einen einmaligen Anfall nach einer depressiven Verstimmung.

Fallbeispiel 2

Ein 56jähriger Mann hatte plötzlich auftretende Bewusstlosigkeit mit Krämpfen. Diese Anfälle traten zwei- bis dreimal täglich auf und dauerten von zehn Minuten bis zu zwei Stunden bei jedem Anfall. Nach Einnahme verschiedener Medikamente verlängerten sich die anfallsfreien Intervalle auf zehn Tage. Die Anfälle wurden nun meistens durch emotionale Störungen ausgelöst. Vor jedem Anfall bekam er ein explosives Temperament, er war nervös und schwindlig, bis der Anfall begann. Im anfallsfreien Intervall fühlte er sich wohl und war völlig unauffällig.

Bei der Untersuchung hate er einen gespannten und schlüpfrigen Puls (xián huá), die Zunge war mit einem weißen fettigen Belag bedeckt. Die Diagnose lautete: Epilepsie.

Die Therapie musste die aufbrausende Energie der Leber dämpfen, den Wind eliminieren (pìng gān xí fěng), den Schleim umwandeln (huà tán) und das Herz beruhigen (níng xīn). Es wurden die Punkte LG 20 (bǎi huì), Gbl 20 (fěng chí), LG 26 (rén zhōng), Pk 6 (dà líng), Ma 40 (fěng lóng), Le 3 (tài chōng) und yāo qí akupunktiert. Dabei wurde mit dünnen Nadeln akupunktiert und gleichmäßig tonisiert und sediert. Die Nadeln blieben 20 Minuten liegen. Behandelt wurde einmal täglich.

Nach zwölf Behandlungen blieb sein Geist klar, und er hatte guten Appetit. Weitere zwei Behandlungen wurden gegeben, um den Erfolg zu stabilisieren. Nach sechs Jahren wurde er nachuntersucht und hatte keinen Rückfall erlitten.

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