Das Gehirn ist ein besonderes inneres Organ und die materielle Grundlage für alle mentalen und psychischen Funktionen. Das Lenkergefäß verläuft nach oben zum Gehirn und nach unten zum Os Coccygeum, auf diesem Wege fließt auch die Essenz des Körpers. Bei der Epilepsie ist der Fluss des qì im Lenkergefäß gestört und so das Gehirn beteiligt. Die mentale Störung zeigt sich darin, dass der Patient plötzlich hinfällt, eine Kieferklemme bekommt, die Gliedmaßen krampfen, schaumiger Speichelfluss und abnorme Atemgeräusche entstehen.

Wenn man also die Ursachen, Entstehungsweisen und die Therapie der Epilepsie reflektiert, sollte man nicht nur auf Schleim, Feuer und Wind die Aufmerksamkeit richten. Wir versuchen, das Lenkergefäß zu regulieren, indem wir bei Mangel tonisieren, bei Überschuss sedieren, beim Zusammenbruch moxibustieren, um so als Ergebnis zu bewirken, dass der trübe Schleim nach unten sinkt, die klaren Substanzen aufsteigen (qīng shěng zhuó jiàng), der Fluss des qì reguliert und das Mark harmonisiert wird (qì tiáo suí hé).

Es werden vier Punktgruppen auf dem Lenkergefäß ausgewählt:

  1. LG 20 (bǎi huì), LG 16 (fěng fǔ), LG 14 (dà zhuī),
  2. LG 1 (cháng qiáng), LG 2 (yāo shū), LG 4 (mìng mén),
  3. LG 26 (rén zhōng), LG 28 (yín jiāo),
  4. LG 20 (bǎi huì), LG 1 (cháng qiáng).

Anwendungsformen

Man benutzt eine 28 G Nadel. Nach dem Erreichen des Nadelgefühls wird die Nadel durch Drehen manipuliert. Dies geschieht tonisierend bei den Punkten der ersten Gruppe, sedierend bei der zweiten Gruppe. Die Punkte der dritten Gruppe werden im Anfall mit der dreikantigen Nadel zum Bluten gebracht. Die Punkte der vierten Gruppe werden bei sehr schwachen und chronisch kranken Patienten mit langem Krankheitsverlauf benutzt. Es werden dabei zwei Moxarollen benötigt, um an beiden Punkten gleichzeitig zu moxibustieren, bis eine lokale Rötung und ein Schweißausbruch auftreten, und die Hitze sich tief in die Sehnen und den Knochen ausbreitet. Dies wird an sechs Tagen täglich durchgeführt, das ist ein Therapiezyklus.

Fallbeispiel

Ein zehnjähriger Junge hatte plötzlich einen Krampfanfall bekommen, als er vor einem halben Jahr Fieber hatte. Dabei hatte er eine Kieferklemme, schaumigen Speichelfluss, nach oben fixierte Augen und war bewusstlos. Nach drei bis vier Minuten wachte er wieder auf und fiel sofort in tiefen Schlaf, Am nächsten Tag fühlte er sich nur etwas schlapp. Seit diesem Ereignis hatte er ein bis zwei schwere Anfälle jeden Tag und nässte dabei ein. Nachdem die Diagnose Epilepsie gestellt worden war, war er mit Phenytoin, Luminal und traditionellen Medikamenten als Pflaster auf der Fußsohle behandelt worden. Dies hatte jedoch nichts geholfen.

Bei der Untersuchung sahen wir einen Jungen in mittelmäßigem Ernährungszustand, mit müdem Geist, aber normaler Beweglichkeit der Gliedmaßen. Der Puls war kurz, schnell und schwach (duǎn shuò wú lì), die Zunge rosa mit dünnem weißem Belag.

Die zweite Punktgruppe wurde zuerst behandelt. Nach dem Erreichen des Nadelgefühls wurden die Nadeln manipuliert. Dann wurde die erste Gruppe akupunktiert und tonisierend manipuliert. Alle Nadeln wurden 30 Minuten liegengelassen. Nach einer Behandlung hatte sich sein Zustand schon gebessert, weil die Anfälle viel kürzer wurden und die Speichelproduktion geringer. Diese zwei Punktegruppen wurden nun über drei Behandlungszyklen akupunktiert und die wesentlichen Symptome verschwanden. Weitere zwei Behandlungszyklen wurden gegeben, wobei täglich akupunktiert wurde. Nach zehn Jahren befand er sich noch immer wohl.

Endlich!

Akupunktur und Moxibustion bei Epilepsie an Punkten ausschließlich auf dem Lenkergefäß

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