Epilepsie entsteht dadurch, dass das klare qì nicht aufsteigen (qīng qì bù shěng) und das trübe qì nicht absteigen kann (zhuó qì bú jiàng). So werden die Öffnungen der Sinnesorgane verstopft. Die Behandlung muss den trüben Schleim absenken (jiàng tán zhuó), die blockierten Öffnungen wieder aufmachen (kāi qiào bì) und so die Krampftätigkeit vermindern. Dabei muss die Energie der Nieren unterstützt werden (zhù shèn qì) und das klare qì angehoben werden (shěng qīng qì), damit ein Rückfall vermieden werden kann.
Bei plötzlich auftretender Bewusstlosigkeit akupunktiert man LG 26 (rén zhōng), Pk 9 (zhōng chōng) und N 1 (yǒng quǎn), um die Öffnungen aufzumachen und den Geist zu beleben, damit er sich beruhigen kann.
Di 4 (hè gǔ), Pk 8 (láo gōng) und Dü 3 (hòu xī) werden akupunktiert, um die Krampftätigkeit zu unterdrücken.
KG 22 (tiān tú) und Ma 40 (fěng lóng) sollen den trüben Schleim nach unten leiten.
Nach der unmittelbaren Wiederbelebung behandelt man an den Punkten LG 14 (da zhui), si shen cöng, Bl 23 (shen shü), LG 1 (chäng qiäng) (hier mit Blutenlassen mit der dreikantigen Nadel), um das qi der Meridiane durchgängig zu machen und einen Rückfall zu verhindern.
Bei allgemeiner Schleimvermehrung akupunktiert man zusätzlich Ma 40 (fěng lóng), um den Magen zu harmonisieren.
Ma 36 (zú sān Iǐ) und MP 6 (sān yīn jiāo) wird behandelt, wenn man Milz und Nieren stärken will.
Bei überschießendem Temperament akupunktiert man Pk 6 (nèi guān).
Bl 18 (gān shū) wird akupunktiert, um die Stagnation in der Leber aufzulösen.
N 3 (tài xī) wird behandelt, um das Wasserelement aufzufüllen und so die Krämpfe zu erleichtern und die Leber zu beruhigen.
Treten die Anfälle tagsüber auf, kann man Bl 62 (shěn mài) zusätzlich akupunktieren, bei nächtlichen Anfällen N 6 (zhào hǎi).
Fallbeispiel
Ein 16jähriger Junge litt seit zwei Jahren an epileptischen Anfällen, die durch Furcht und Ärger getriggert wurden. Er wurde dabei bewusstlos, hatte Schaum vor dem Mund und gab fremdartige Laute von sich. Zwei bis drei Anfälle traten im Monat auf. Er hatte sich schon unterschiedlichen Therapien ohne Erfolg unterzogen.
Bei der Untersuchung hatte er einen trüben Gesichtsausdruck, die Zunge war blass mit dünnem weißem Belag, der Puls versunken und schmal (chén xì). Befragungen ergaben, dass zu Beginn jedes Anfalls seine Augenlider spastisch wurden und er bewusstlos hinstürzte. Am unteren Augenlid befinden sich die Punkte Ma 1 (chéng qì) und Ma 2 (sì bái), Punkte auf dem Magenmeridian. Die Magenenergie steigt umgekehrt zu ihrem normalen Verlauf nach oben und erzeugt eine Blockade aus trübem Schleim. So versagt das klare yáng und kann zu Beginn des Anfalls nicht das Gehirn erreichen.
Nach dem Anfall wurden die Punkte Ma 40 (fěng lóng) und Ma 36 (zú sān Iǐ) akupunktiert, um die Milz zu stärken und den Schleim zu eliminieren. Sì shén cōng wurde zusätzlich akupunktiert, um den Geist zu erwecken, und den Fluss des Meridian-qì zu erleichtern. Auch Pk 6 (nèi guān) wurde akupunktiert, um die Verbindung zur Herzenergie zu verbessern und Bl 18 (gān shū) zur Eliminierung der stagnierenden Leberenergie.
Während des Anfalls wurden LG 26 (rén zhōng), Di 4 (hè gǔ) und N 1 (yǒng quǎn) akupunktiert, um den Patienten zu sedieren und die Öffnungen aufzumachen. Nach 30 Behandlungen hatte der Patient nur noch einen Anfall im Monat. Weitere 30 Behandlungen unterbrachen die Anfälle für sechs Monate.























































































































































































































































































































































