Der Hauptpunkt zur Akupunktur von akuter und chronischer Epilepsie ist LG 14 (dà zhuī).

Vorgehen

Der Patient sitzt und beugt den Kopf nach vorne. Man akupunktiert den Punkt LG 14 (dà zhuī) mit einer 26 G dünnen und zwei cùn langen Nadel in einem aufwärts gerichteten Winkel von 30° etwa 1 bis 1,5 cùn tief. Wenn der Patient ein Elektrisieren verspürt, das bis zu den Gliedmaßen zieht, wird die Nadel sofort herausgezogen. Man sollte hier nicht wiederholt die Nadel heben und senken. Man behandelt einmal am Tag oder alle zwei Tage. Zehn Behandlungen sind ein Zyklus. Zwischen zwei Zyklen soll man sieben Tage lang pausieren. Im Allgemeinen benötigt man drei bis vier Behandlungszyklen.

Wir haben 95 Patienten behandelt, davon war die Behandlung bei 24 Patienten deutlich wirksam. Sie hatten keine Anfälle innerhalb von sechs Monaten nach der Akupunktur, oder die Anfälle waren sehr viel seltener geworden, und die Dauer jeweils kürzer. Bei 45 Patienten war eine Besserung eingetreten, die Anfälle traten weniger häufig und weniger lange auf. Nur bei 26 Patienten war die Behandlung erfolglos.

Erfahrungen

  1. Bei der Akupunktur am Punkt LG 14 (dà zhuī) muss ein Gefühl des Elektrisierens entstehen, das in Beine und Arme zieht, dann kann man ein gutes Ergebnis erreichen. Ein Nadelgefühl nur am Akupunkturpunkt bringt nur ein eingeschränktes Ergebnis. Wenn kein Nadelgefühl erreicht wird, darf man aber auf keinen Fall an dieser Stelle mit Heben und Senken der Nadel manipulieren, sondern man muss die Nadel sofort entfernen.
  2. Wenn die Anfälle nach der Akupunktur aufhören, sollte man ein bis zwei Behandlungszyklen durchführen, um das Ergebnis zu festigen. Unsere Patienten erhielten alle mindestens 20 Behandlungen und maximal 92 Behandlungen (im Mittel 39).
  3. Das Lenkergefäß ist der Zusammenfluss aller yáng-Meridiane. Die Akupunktur am Punkt LG 14 (dà zhuī) erregt die Meridianenergie des Lenkergefäßes, reguliert und stimuliert das yáng-qì des ganzen Körpers, macht alle Meridiane durchgängig und kann so ein gutes Behandlungsergebnis erreichen.

Fallbeispiel Epilepsie

Eine zwölfjährige Schülerin bekam vor drei Jahren plötzlich Krampfanfälle, die sich seitdem einmal im Monat wiederholten. Die Diagnose „primäre Epilepsie“ wurde gestellt, und das Mädchen mit Phenytoin und Luminal behandelt. Das Ergebnis war zunächst befriedigend, denn sie hatte innerhalb eines halben Jahres nur einen einzigen Anfall. Unglücklicherweise begannen zwei Jahre später nach großer Erschöpfung die Anfälle erneut. Sie hatte dann ein bis zwei Anfälle täglich, die drei bis vier Minuten dauerten. Die bisherige Medikation war wirkungslos.

Sie hatte keinen Nystagmus, die Augenbewegungen waren normal. Der Hals war frei beweglich, die Gliedmaßen ebenfalls. Oberflächliche und tiefe Reflexe waren normal auslösbar, sie hatte keine pathologischen Reflexe. Das Röntgenbild des Schädels war unauffällig. Im EEG fanden sich unregelmäßige Wellen mit deutlichen Spikes und langsamen Wellen und eingesprengten langsamen Rhythmen, ein Befund, der zur Diagnose einer primären Epilepsie passt.

Einmal täglich wurde nun LG 14 (dà zhuī) an sieben Tagen akupunktiert. Anschließend hatte sie nur noch einen Anfall in der Woche. Nach 25 Behandlungen verlängerte sich das anfallsfreie Intervall auf einen Monat. Unter Beobachtung wurden nun Phenytoin und Luminal abgesetzt und weitere 15 Behandlungen gegeben. Es traten keine weiteren Anfälle auf. Im EEG waren keine pathologischen Veränderungen mehr zu sehen. Nach fünf Jahren wurde sie nachuntersucht. Sie hatte in dieser Zeit keine Anfälle gehabt.

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