Während eines Anfalls von Epilepsie befindet sich der Patient in einem kritischen Zustand: Man muss daher den Geist klären (xǐng shén) und den Wind eliminieren (xí fěng), den Patienten wiederbeleben (kāi qiào) und die Spasmen beruhigen (dìng xián).
Im Intervall zwischen den Krämpfen muss man die Funktion der inneren Organe regulieren (tiáo lǐ zàng fǔ), den Schleim umwandeln (huà tán) und Stagnationen ausleiten (jiě yù).
Es werden zur Behandlung die gebogene, dreikantige Nadel sowie große und kleine Schröpfköpfe benötigt.
Punktauswahl im Anfall
Während des Anfalls werden die Punkte LG 20 (bǎi huì), LG 26 (rén zhōng), shí xuān und die zwölf Brunnenpunkte an den Zehen mit der dreikantigen Nadel akupunktiert und jeweils etwa 0,5 bis 1 ml Blut herausgequetscht. Im Status epilepticus kann diese Behandlung innerhalb einiger Minuten wiederholt werden, bis der Anfall unterbrochen ist.
Mögliche Punktauswahl im anfallsfreien Intervall
1. Am Punkt LG 28 (yín jiāo) werden mit der schmalen dreikantigen Nadel fünf bis zehn Tropfen Blut abgelassen, am Punkt LG 20 (bǎi huì) wird auf die gleiche Weise ein Tropfen Blut entfernt, am Punkt LG 1 (cháng qiáng) werden 0,5 bis 1 ml Blut abgelassen. Wenn dieses schwierig sein sollte, kann man mit den Schröpfgläsern 1 bis 3 ml Blut oberhalb der Spitze des Steißbeins und unterhalb von Punkt LG 2 (yāo shū) ablassen.
2. Die Punkte LG 20 (bǎi huì), LG 14 (dà zhuī) und Bl 18 (gān shū) werden dreimal mit der schmalen dreikantigen Nadel gestochen. Am Punkt LG 20 (bǎi huì) werden 0,5 bis 1 ml Blut abgelassen; an den Punkten LG 14 (dà zhuī) und Bl 18 (gān shū) wird mit Schröpfköpfen 3 bis 8 ml Blut abgelassen.
3. Am Punkt LG 20 (bǎi huì) werden 0,5 bis 1 ml Blut abgelassen, am Punkt Bl 40 (wěi zhōng) oder von einer varikös erweiterten Vene in der Kniekehle werden 10 bis 12 ml Blut abgelassen.
4. KG 24 (chéng jiāng) wird mit der schmalen dreikantigen Nadel akupunktiert und 0,5 bis 1 ml Blut abgelassen. An einer sublingualen Vene werden 2 bis 6 ml Blut entnommen. An den Punkten KG 12 (zhōng wǎn) und KG 4 (guān yuán) wird mit einer schmalen dreikantigen Nadel gestochen und mit Schröpfköpfen 3 bis 5 ml Blut abgelassen.
Im Intervall wird zwei- bis dreimal in der Woche behandelt, wobei zehn Behandlungen einen Therapiezyklus bilden. Man kann insgesamt fünf bis acht Therapiezyklen durchführen.
Fallbeispiel
Ein 22jähriger Angestellter litt seit 15 Jahren an generalisierten Krampfanfällen, ohne dass er bekannte Gründe dafür hatte. Er erlitt drei bis zehn Anfälle in der Woche, die jeweils zwei bis zehn Minuten lang dauerten. Dabei wurde er bewusstlos, hatte Schaum vor dem Mund, gelegentlich nässte er ein. War der Anfall vorüber, litt er an Kopfschmerzen und fiel in tiefen Schlaf. Nach dem EEG handelte es sich um eine Grand Mal-Epilepsie. Im CT zeigte sich kein pathologischer Befund.
Bei der Untersuchung war der Patient bei klarem Bewusstsein, sprach jedoch wenig. Herz, Lunge, Leber und Milz waren unauffällig. Der Puls war gespannt und schmal, die Zunge hatte einen weißen, dünnen Belag. Während der körperlichen Untersuchung bekam er einen sechs Minuten dauernden Anfall.
Die Behandlung bestand darin, das Verhältnis von yīn und yáng zu regulieren (tiáo lǐ yīn yáng) das aufbrausende yáng der Leber zu unterdrücken und den Wind zu beruhigen (ping gān xí fěng).
Die Behandlungsvorschrift zwei wurde jeweils dreimal pro Woche angewendet. Zwei Wochen später hatte er täglich zwei bis vier Anfälle von ein bis drei Minuten Dauer, Weitere acht Wochen lang wurde er behandelt und anschließend drei Monate lang beobachtet. Insgesamt hatte er in dieser Zeit nur fünf Anfälle von ein bis zwei Minuten Dauer. Er fühlte sich wohl.























































































































































































































































































































































