Bei der Epilepsie können durch Akupunktur das anfallsfreie Intervall verlängert und die Symptome gelindert werden. In günstig gelagerten Fällen und bei guter Pflege können die Anfälle völlig verschwinden.
Das Grundrezept besteht aus folgenden Akupunkturpunkten:
LG 20 (bǎi huì), sì shén cōng, LG 16 (fěng fǔ), Gbl 20 (fěng chí) und LG 2 (yāo shū).
Am Punkt LG 20 (bǎi huì) wird die Nadel horizontal nach dorsal eingestochen.
An den Punkten sì shén cōng werden die Nadeln nach seitlich und vorne sowie nach seitlich und hinten gerichtet. Dabei wird die Nadel etwa 0,5 bis 0,8 cùn in Richtung des Punkts Bl 8 (Iuò què) eingestochen.
An den Punkten LG 16 (fěng fǔ) und Gbl 20 (fěng chí) akupunktiert man senkrecht etwa 1 cùn tief.
Am Punkt LG 2 (yāo shū) akupunktiert man 2 bis 4 cùn tief nach oben gerichtet in die Fissur des Sakralkanals. Dabei führt man die Nadel zunächst senkrecht je nach der Figur des Patienten etwa 0,2 bis 0, 5 cùn tief ein und sticht dann die Nadel nach horizontal und oben. Das Nadelgefühl wird nach oben gerichtet.
Modifikationen
Bei Anfällen während des Tages akupunktiert man zusätzlich Bl 62 (shěn mài), bei nächtlichen Anfällen N 6 (zhào hǎi). Diese Punkte werden unterhalb des inneren und des äußeren Malleolus an der Grenze zwischen rosa und weißer Haut aufgesucht und liegen in einer kleinen Grube. Die Akupunkturnadeln werden senkrecht etwa 0,5 cùn tief eingeführt.
Bei Frauen, die ihre Periode haben, wird der Punkt KG 17 (dàn zhōng) nach unten und horizontal zur Haut akupunktiert sowie KG 15 (jiū wěi) senkrecht und etwas schräg, KG 6 (qì hǎi) und MP 6 (sān yīn jiāo) senkrecht zur Haut. Alle diese Punkte werden 1 cùn tief eingestochen.
Bei profusem Speichelfluss akupunktiert man am Punkt Ma 40 (fěng lóng) senkrecht 1 bis 1,5 cùn tief.
Bei stagnierender Leberenergie akupunktiert man zusätzlich Le 3 (tài chōng).
Bei nervöser Unruhe, Herzklopfen und Schlaflosigkeit wird der Punkt H 7 (shén mén) akupunktiert; bei Völlegefühl in der Brust und Kurzatmigkeit Pk 6 (nèi guān); bei Kopfschmerzen im parietalen Bereich des Schädels Bl 63 (jīn mén) und Bl 64 (jīng gǔ). Alle diese Punkte werden senkrecht etwa 0,5 cùn tief eingestochen.
Bei Magenschmerzen und schlechtem Appetit akupunktiert man zusätzlich an den Punkten KG 13 (shàng wǎn) und Ma 36 (zú sān Iǐ) dabei werden die Nadeln senkrecht 1,5-2 cùn tief eingestochen.
Wenn Blähungen nach oben drücken, akupunktiert man KG 6 (qì hǎi) senkrecht 1,5 bis 2 cùn tief, außerdem kann man auch N 6 (zhào hǎi) und N 3 (tài xī) behandeln. Sofern die Zustimmungspunkte des Konzeptionsgefäßes behandelt werden, soll man LG 2 (yāo shū) auslassen.
Alle Punkte werden gleichmäßig sediert und tonisiert, und die Nadeln 30 Minuten liegengelassen, während der Zeit werden sie drei- bis viermal manipuliert. Es wird dreimal in der Woche behandelt.
Fallbeispiel
Ein zehnjähriges Mädchen hatte epileptische Anfälle, seit sie im Alter von anderthalb Jahren hohes Fieber und Krampfanfälle bekam. Ein halbes Jahr lang kamen ihre Anfälle regelmäßig morgens zwischen fünf und sieben Uhr. Innerhalb der letzten sechs Monate traten sie immer zwischen elf und zwölf Uhr auf. Während des Anfalles klagte sie über aufsteigende Blähungen, Magenschmerzen und Kopfschmerzen. Kurz vor Aufnahme ins Krankenhaus hatte sie einen Grand-Mal-Anfall mit weiteren Krämpfen im Abstand von wenigen Minuten bis zum nächsten Tag.
Die Patientin wurde entsprechend den oben angegebenen Richtlinien akupunktiert. Nach einer halben Stunde später wurde die Nadel an LG 2 (yāo shū) entfernt. In Rückenlage wurden dann die Punkte KG 6 (qì hǎi), Bl 62 (shěn mài) und N 6 (zhào hǎi) akupunktiert. Die Nadeln wurden eine Stunde liegengelassen. Im Anschluss an diese Behandlung sistierten die Krämpfe.
Weitere sechs Tage lang wurde sie täglich abwechselnd an Punkten auf dem Rücken und auf dem Bauch akupunktiert. Im Anschluss bekam sie jeden Monat vier bis fünf Behandlungen entsprechend der Periodik der Anfälle. Nach einem halben Jahr war die Anfallsfrequenz deutlich vermindert. Nach einem Jahr bekam sie nur ein bis zwei Behandlungen im Monat und zur Festigung wurde dies zwei Jahre beibehalten. Nach vier Jahren wurde sie nachuntersucht, und es zeigte sich, dass sich ihre Erkrankung nicht wieder verschlimmert hatte.























































































































































































































































































































































