Auf der Grundlage der Differenzierung der Krankheitssyndrome behandelt man die gewöhnliche Erkältung an den Hauptpunkten LG 14 (dà zhuī), Di 11 (qū chí) und Ma 36 (zú sān Iǐ) und sticht als Hilfspunkte Di 4 (hé gǔ), yìn táng, Lu 11 (shào shāng).Außerdem wendet man die Methode des Blutenlassens am Punkt Di 1 (shāng yáng) bei Wind-Hitze, 3E 5 (wài guān) und Gbl 20 (fěng chí) bei Wind-Kälte an. Die Punkte werden jeweils einmal am Tag und nicht mehr als 2 bis 4 Punkte bei einer Behandlung genadelt.

Manipulation

Zuerst nadelt man LG 14 (dà zhuī) mit der Nadelspitze senkrecht zur Haut. Die Nadel wird nach und nach bis in eine Tiefe von 0,5 bis 1 cùn eingeführt und mit wenig Heben und Senken, dafür umso mehr Drehen und Rotieren manipuliert, so dass das Nadelgefühl in Richtung auf den Nacken, das Genick, die Schulter, den Arm, den Rücken und Oberkörper zieht. Die Nadel wird 1 bis 3 Minuten liegengelassen. Dann wird sie zügig mit der Zittermethode herausgezogen. Nun wird an diesem Punkt mit der pickenden Methode moxibustiert, und zwar 50mal bei einer Erkrankung vom Wind-Hitze-Typ und 100mal bei Wind-Kälte-Typ.Am Punkt Di 11 (qū chí) führt man die Nadel senkrecht zur Haut 0,5 bis 1 cùn tief ein und lässt das Nadelgefühl nach oben und unten ausbreiten in Richtung auf Schulter, Unterarm, Handgelenk und Fingerspitzen.Am Punkt Ma 36 (zú sān Iǐ) wird die Nadel 0,5 bis 1,5 cùn tief eingeführt. Das Nadelgefühl soll sich zum Kniegelenk, zum Oberschenkel, zum Fußrücken und zu den Zehen hin ausbreiten.Am Punkt Gbl 20 (fěng chí) soll die Nadel in Richtung auf das gegenüberliegende Auge 0,3 cùn tief eingestochen und dann langsam bis 0,5 bis 1 cùn tief vorgeschoben werden, bis sich das Nadelgefühl auf beide Seiten des Kopfes, den Oberkopf und in die Stirn hin ausbreitet.Am Punkt yìn táng wird die Nadel in das Subkutangewebe eingeführt. Dabei soll die Nadelspitze zur Nasenspitze gerichtet sein, und etwa 0,1 bis 0,3 cùn tief vorgeführt, bis das sich Nadelgefühl in die Nasenhöhle ausbreitet. Wenn eine verstopfte Nase mit Ausfluss vorliegt; man kann auch 0,2 bis 0,5 cùn tief in Richtung auf die Stirn stechen, wenn der Patient Schwindel und Kopfschmerzen hat. Dann soll das Nadelgefühl in die Stirn ziehen.Am Punkt 3E 5 (wài guān) steche man senkrecht etwa 0,3 bis 0,7 cùn tief ein, so dass sich das Nadelgefühl entweder in Richtung auf den Oberarm oder zum Handgelenk und zu den Fingern hin ausbreitet.An den Punkten Lu 11 (shào shāng) oder Di 1 (shāng yáng) kann man oberflächlich stechen und Bluten lassen. Man massiert den Punkt leicht, bis er sich rötet. Dann sticht man die Nadel schnell ein und drückt 1 bis 2 Tropfen Blut heraus.Die Art der Manipulation ist für die zwei verschiedenen Typen der gewöhnlichen Erkältung unterschiedlich. Beim Wind-Kälte-Typ muss man weniger nadeln und mehr moxibustieren, und die Nadeln werden nur kurz, etwa 5 bis 15 Minuten liegengelassen. Beim Wind-Hitze-Typ wird weniger moxibustiert, die Nadeln jedoch 20 bis 30 Minuten lang liegengelassen. Beim Wind-Hitze-Typ wird stärker manipuliert, beim Wind-Kälte-Typ nur wenig oder mäßig.

Fallbeispiel 1: Erkältung

Ein dreieinhalbjähriges Mädchen kam im Dezember in unsere Klinik. Ihre Mutter berichtete, dass sie sich drei Tage zuvor erkältet hatte und nun Husten mit Auswurf hatte mit Fieber, Schweißausbrüchen und einem schlechten Appetit. Die Körpertemperatur sei auf 38° bis 39,5° C angestiegen und durch Medikamente nicht gesunken. Bei der Aufnahmeuntersuchung hatte sie eine Körpertemperatur von 39,5° C, einen dünnen gelben Zungenbelag und einen schwebenden beschleunigten Puls (fú shuò). Die Diagnose war: Erkältung durch Wind-Hitze, wobei Pathogene die Lunge befallen haben und das qì der Lungen zum Stagnieren gebracht haben.Die Behandlung musste im Verteilen der Wind-Hitze (sàn fěng rè) über das Lenkergefäß und die Magen- und Dickdarmmeridiane (yáng míng-Meridiane von Hand und Fuß) bestehen. LG 14 (dà zhuī), Di 11 (qū chí) und Ma 36 (zú sān Iǐ) wurden zügig punktiert, wobei die Nadeln nach dem Erreichen des qì-Gefühls zitternd herausgezogen wurden. LG 14 (dà zhuī) wurde 50mal mit der pickenden Methode moxibustiert. An den Punkten Lu 11 (shào shāng) und Di 1 (shāng yáng) wurde Blut abgelassen. Alle Symptome waren nach der Behandlung wesentlich gelindert.

Fallbeispiel 2: Erkältung

Ein 25jähriger Mann hatte sich vier Tage zuvor erkältet. Er hatte einen Schnupfen, hustete mit dünnflüssigem gelbem Auswurf, fühlte sich unbehaglich in den Schultern und im Rücken. Sein Urin war klar, sein Appetit schlecht. Der Zungenbelag war dünn und weiß, der Puls eng und schwebend (fú jǐn). Als Diagnose wurde gestellt: Erkältung vom Wind-Kälte-Typ.Die Behandlung bestand in der Ausleitung der oberflächlichen Pathogene und der Verteilung der Lungenenergie (jiě biǎo xuān fèi), Verteilung des Windes und der Kälte (qū fěng sàn hán). LG 14 (dà zhuī), Ma 36 (zú sān Iǐ) und 3E 5 (wài guān) links wurden genadelt, wobei die Nadeln schrittweise eingeführt und schnell mit der zitternden Methode herausgezogen wurden. Anschließend wurde 80mal pickend moxibustiert. An den Punkten Ma 36 (zú sān Iǐ) und 3E 5 (wài guān) wurden die Nadeln 20 Minuten liegen gelassen. Am nächsten Tag fühlte er sich erleichtert, hatte aber leichtes Kopfweh. Dieselbe Behandlung wurde angewendet und zusätzlich wurde am Punkt Gbl 20 (fěng chí) genadelt. Am Punkt LG 14 (dà zhuī) wurde auch für zehn Minuten moxibustiert. Anschließend war er beschwerdefrei.