Man erzielt zufriedenstellende Ergebnisse bei der Behandlung der Fazialisparese (Gesichtslähmung) mit der Methode, die Verbindungsgefäße zum Blutenlassen zu punktieren. Das dabei verwendete Behandlungsprinzip ist die Verteilung des Windes, die Reinigung der Verbindungsgefäße (shū fěng tōng luò) und die Harmonisierung von Blut und qì (tiáo hé qì xuè).

Vorgehen

Es werden kleine Schröpfköpfe und die dreikantige Nadel verwendet. Man akupunktiere alternierend die betroffene und die gesunde Seite und kann eines der folgenden Rezepte verwenden.
  • Man steche mit der schmalen dreikantigen Nadel dreimal am Punkt Ma 6 (jiá chě) ein, drücke dann Blut heraus oder setze einen Schröpfkopf darauf, um 1 bis 2 ml Blutabfluss auszulösen.
  • Man steche an der Ohrspitze oder am Ohrläppchen mit einer schmalen dreikantigen Nadel und quetsche 15 bis 20 Blutstropfen heraus.
  • Man massiere die kleinen Venen in der Temporalregion und steche dann dort ein, um 3 bis 5 ml Blut zu entlassen.
  • Man steche mit einer groben dreiseitigen Nadel ein- bis zweimal in die Wange und lasse 2 bis 5 ml Blut heraus.
  • Man steche am Punkt Di 1 (shāng yáng) mit einer schmalen dreikantigen Nadel, um 10 bis 20 Tropfen Blut herauszulassen, anschließend steche man die Temporalvenen an wie oben beschrieben.
Bei Patienten mit einem Krankheitsverlauf von weniger als einer Woche führe man das Blutenlassen ein- bis zweimal täglich durch, wobei sieben Sitzungen einen Therapiezyklus bilden. Zwischen zwei Zyklen sollen 3 bis 5 Tage Pause liegen. Normalerweise ist eine Therapie von einem Monat Dauer ausreichend.

Fallbeispiel: Fazialisparese

Eine 74jährige Bäuerin klagte über eine Gesichtslähmung auf der linken Seite, die seit sieben Tagen bestand, mit Speichelfluss aus dem Mund und fehlendem Lidschluss. Bei der Aufnahmeuntersuchung zeigte sich eine komplette Lähmung der linken Gesichtsseite mit 3 mm breitem Spalt zwischen den Augenlidern, wenn sie das linke Auge schließen wollte, Unfähigkeit zu pfeifen, ungleichmäßiger Puls (sè), ein weißer Zungenbelag, eine Druckempfindlichkeit über dem Processus mastoideus. Die Diagnose war: Eindringen von Wind und Kälte in die Verbindungsgefäße im Gesicht, was Stagnation von qì und Blut verursacht hat, mit nachfolgender Mangelernährung. Ihre Temporalgefäße waren deutlich herborgetreten. Dort wurden nach Massage 5 ml Blut herausgelassen. Die Symptome waren bereits nach einer Behandlung gemildert. Die weitere Behandlung über vier aufeinanderfolgende Tage erreichte, dass die Patientin beschwerdefrei war.