Kinder mit Fehlernährung (Dyspepsie) haben eine fahle Gesichtsfarbe, schütteres Haar, manchmal sind sie stark ausgezehrt. Der Bauch ist gebläht, der Stuhlgang weich mit Beimengung von unverdauten Nahrungsanteilen. Sie sind sehr schlapp und manchmal sogar im Größenwachstum zurückgeblieben. Es werden die Punkte sì fèng, KG 12 (zhōng wǎn), KG 6 (qì hǎi) und Ma 36 (zú sān Iǐ) ausgewählt. Sì fèng wird mit der dicken Nadel akupunktiert und einige Tropfen Flüssigkeit herausgequetscht. Dann werden die Punkte KG 12 (zhōng wǎn) und KG 6 (qì hǎi) oberflächlich bis in das Subkutangewebe akupunktiert und neutral manipuliert. Nach dem Erreichen des qì-Gefühls werden die Nadeln gezogen. Ma 36 (zú sān Iǐ) wird jeden zweiten Tag tonisierend manipuliert. Drei Behandlungen bilden einen Therapiezyklus. Dann wird eine Pause von drei Tagen eingelegt, um den Verlauf zu beobachten. In den meisten Fällen benötigt man keine weitere Behandlung. Nur in schweren Fällen führt man einen weiteren Behandlungszyklus durch. Diese Behandlung kann bei der kindlichen Fehlernährung schnell zur Besserung führen. Die Flüssigkeit, die sich am Punkt sì fèng entleert, ist ein Indikator für den Zustand des Patienten. Ist sie eher wie Milch, geht es dem Patienten sehr schlecht, je klarer sie wird, oder wenn sich frisches Blut entleert, tritt langsam Heilung ein. Weil die Abwehrkraft des Patienten bei dieser Erkrankung vermindert sind, muss man eine Infektion am Punkt sì fèng durch gründliche Hautdesinfektion verhindern.

Fallbeispiel

Ein dreijähriges Mädchen war durch falsche Ernährung erkrankt. Es wurde eine chronische Dyspepsie mit zweit-gradiger Fehlernährung diagnostiziert. Sie hatte schon Bluttransfusionen und verschiedene Arten der Behandlung bekommen, aber ohne merkbaren Erfolg. Bei der Untersuchung hatte sie eingefallene Augen, war sehr schwach, die Augen waren bläulich-weiß, der Gesichtsausdruck fahl. Ihre Haare waren schütter, der Bauch gefüllt, die Venen erweitert. Sie hatte weiche Stühle mit Beimengung von unverdauter Nahrung, blasse Lippen und eine blasse Zunge. Der Puls war kraftlos und schmal. Sì fèng wurde punktiert und weißliche klebrige Flüssigkeit herausgequetscht. KG 12 (zhōng wǎn) und KG 6 (qì hǎi) wurden oberflächlich akupunktiert. Am Punkt Ma 36 (zú sān Iǐ) wurde akupunktiert und tonisierend manipuliert, ohne dass die Nadel liegen gelassen wurde. Es wurde dem Mädchen halbflüssige fettarme Diät verordnet. Am dritten Tag waren die Stuhlentleerungen weniger häufig, der Stuhl war weich und der Bauch nicht mehr ganz so voll. Sie wurde in derselben Weise weiter behandelt. Die Flüssigkeit, die sich bei sì fèng entleerte, wurde nach und nach weniger konzentriert und hellgelb. Der Appetit besserte sich, ebenso ihr geistiger Zustand. Sie hatte nur noch zwei oder drei Stuhlentleerungen täglich. Der Bauch wurde weicher. Bei weiterer Behandlung entleerte sich am Punkt sì fèng nur noch klare Flüssigkeit und etwas Blut. Nach insgesamt sechs Behandlungen ging es ihr gut.
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