Bei der Indikation Fieber bei Kindern arbeiten wir mit folgenden Behandlungsprinzipien: Den Wind zerstreuen und die oberflächlichen Pathogene ausleiten (shū fěng jiě biǎo) sowie die Hitze und den pathogenen Wind beseitigen (xiè rè xī fěng).

Folgende Hauptpunkte werden bei Fieber bei Kindern ausgewählt:

  • Gbl 20 (fěng chí),
  • LG 14 (dà zhuī),
  • Di 11 (qū chí) und
  • Di 4 (hè gǔ).

Als ergänzende Punkte werden ausgewählt:

  • Bei sehr hohem Fieber kann man zusätzlich shí xuān (Daumenspitze und Fingerspitzen), die Ohrspitze und LG 16 (fěng fǔ) akupunktieren.
  • Bei Fieberkrämpfen behandelt man auch LG 20 (bǎi huì) und yìn táng.
  • Bei Erbrechen und Durchfall akupunktiert man zusätzlich KG 12 (zhōng wǎn), Ma 25 (tiān shū), KG 6 (qì hǎi) und Ma 37 (shàng jù xū).
  • Bei Halsentzündung werden die Punkte Lu 11 (shào shāng) und LG 15 (yā mén) zugefügt.
  • Bei Atemnot und Husten mit viel schleimigem Auswurf akupunktiert man zusätzlich Bl 13 (fèi shū), KG 22 (tiān tú), KG 17 (dàn zhōng) und Ma 40 (fěng lóng).
  • Bei Keuchhusten kann man auch Bl 13 (fèi shū), sì fèng und Lu 9 (tài yuān) wählen.
  • Bei Mumps akupunktiert man zusätzlich 3E 20 (jiǎo sūn) und die geschwollenen Areale.
  • Bei starker Ermüdung und Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes kann man zusätzlich KG 4 (guān yuán) und Ma 36 (zú sān Iǐ) stechen.

Vorgehensweise bei Fieber bei Kindern

Man benutzt Stahlnadeln von der Größe 22 G. Die Punkte Gbl 20 (fěng chí) und LG 14 (dà zhuī) werden zuerst, dann Di 11 (qū chí) und Di 4 (hè gǔ) akupunktiert. Im Anschluss sticht man eventuelle Zusatzpunkte mit tiefer Akupunktur. Wenn man das qì-Gefühl erreicht hat, soll man die Nadel schwenken, so dass das Einstichloch vergrößert wird, und dann herausziehen. Blutstropfen soll man einfach herausfließen lassen oder sogar einige herausquetschen. An den Punkten shí xuān (Daumenspitze und Fingerspitzen) und Ohrspitze verwendet man dreikantige Nadeln, um vier bis fünf Blutstropfen herauszulassen. Es wird täglich zweimal behandelt, wobei die Hauptpunkte und jeweils zwei bis drei Zusatzpunkte gestochen werden. Im Mittel muss man zwei- bis dreimal akupunktieren, um das Fieber zu senken.

Fallbeispiel: Kindliches Fieber

Ein sieben Monate alter Junge litt an hohem Fieber, als er bei uns vorgestellt wurde. Er schwitzte nicht und atmete unrhythmisch, wobei die Atmung durch starke Schleimbildung behindert war. Er war dyspnoisch und nasenflügelte. In der Nacht schlief er schlecht und wachte häufig auf. Sein Urin war spärlich und dunkelfarbig, der Stuhl trocken. Er war mit Penicillin, Streptomycin, Prednison und einem anderen Medikament seit zwei Tagen erfolglos behandelt worden. Bei der Untersuchung hatte er eine Körpertemperatur von 39,7° C, die Wangen waren gerötet, und man auskultierte trockene und feuchte Rasselgeräusche über beiden Lungen. Im Blutbild waren 15.600 Leukozyten, davon 81% Neutrophile und 19% Lymphozyten. Die Zunge war mit dünnem weißem Belag bedeckt, die Blutgefäße der Finger waren bläulich-rot. Der Puls war schwebend und beschleunigt (fú shuò). Die Diagnose lautete: Beeinträchtigung der Oberfläche durch Wind-Kälte (fěng hán shù biǎo) und Blockierung der Lunge durch innere Hitze (Iǐ rè bì fèi) oder kindliche Pneumonie. Die Behandlung bestand darin, das Innere zu klären, die oberflächlichen Pathogene zu eliminieren (jiě biǎo qīng Iǐ), den Schleim zu zerschlagen und das Asthma zu besänftigen (huà tán dìng chuǎn). Die Hauptpunkte waren Bl 13 (fèi shū), KG 17 (dàn zhōng) und Lu 11 (shào shāng). Am selben Nachmittag war die Körpertemperatur auf 39,3° C gefallen. Es wurden shí xuān (Daumenspitze und Fingerspitzen), die Ohrspitze, yìn táng, Ma 40 (fěng lóng), KG 22 (tiān tú) akupunktiert. In der Nacht wurden die Atemnot und der Husten etwas geringer. Er atmete ruhiger und schlief besser. Am nächsten Morgen hatte er 37,5°C Körpertemperatur, und es wurden Gbl 20 (fěng chí), LG 14 (dà zhuī), Bl 13 (fèi shū), KG 17 (dàn zhōng) und Lu 9 (tài yuān) akupunktiert. Am Nachmittag hatte er 37,2° C Körpertemperatur und hustete nur noch wenig. Bl 13 (fèi shū), Di 4 (hè gǔ) und Ma 40 (fěng lóng) wurden nun akupunktiert. Vier Behandlungen insgesamt besserten die Symptome des Kindes. Nach zehn Tagen hatte er nur noch 3.400 Leukozyten im Blutbild, davon 69% Neutrophile, 29% Lymphozyten und 2% Monozyten.
Buchempfehlung

Nielsen, Arya

Gua Sha

Eine traditionelle Technik für die heutige Praxis

Es ist verblüffend: Gua Sha ist ebenso praktikabel wie wirksam. Diese einfache Technik sollte zum Standardrepertoire jeder medizinischen und physiotherapeutischen Praxis gehören. In diesem Buch wird das Verfahren umfassend vorgestellt und wissenschaftlich begründet.