Bei der Akupunktur und Moxibustion der funktionellen uterinen Blutung werden vier Syndrome unterschieden.

Überschüssige Hitze (shí rè)

Hier findet man heftige Blutungen von dunkelrotem Blut mit Klumpen und starkem Geruch. Die Patientinnen haben Bauchschmerzen, die auf Druck nicht besser werden, der Puls ist gespannt, beschleunigt und kraftvoll (xián shuò yǒu lì), die Zunge rot mit gelbem Belag.

Die Behandlung muss darin bestehen, die Hitze zu klären, die Blutstase auszuleiten (qīng rè huà yū) und die Blutung zu stillen (zhǐ Iòu).

Dazu akupunktiert man an den Punkten KG 3 (zhōng jí), MP 10 (xuè hǎi), MP 6 (sān yīn jiāo), MP 1 (yīn bái) und N 5 (shuǐ quán). Wenn viele Blutklumpen ausgeschieden werden, akupunktiert man auch Ma 28 (shuǐ dào). Bei Verstopfung akupunktiert man zusätzlich Ma 25 (tiān shū).

Mangel an yīn (yīn xū)

Hier findet man rotes Menstruationsblut. Die Patientinnen klagen über Schwindel, Ohrgeräusche, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, rezidivierendes Fieber und haben einen schmalen, beschleunigten und schwachen Puls (xì shuò wú lì) sowie eine rote Zunge ohne Belag.

Die Behandlung muss darin bestehen, das yīn zu nähren, das Feuer zu unterdrücken (zī yīn jiàng huǒ) und die Blutung zu stillen.

Dazu werden die Punkte KG 7 (yīn jiāo), MP 6 (sān yīn jiāo), MP 1 (yīn bái), Pk 6 (nèi guān) und N 3 (tài xī) akupunktiert. Wenn das Feuer aufgrund des Mangels an yīn aufflammt (yīn xū huǒ wàng), akupunktiert man zusätzlich N 8 (jiāo xìn) und Bl 55 (hé yáng). Treten Herzklopfen und Schlaflosigkeit auf, sticht man zusätzlich H 7 (shén mén) und Bl 15 (xīn shū).

Mangel an qì (qì xū)

Hier ist der Verlauf wechselnd über längere Zeit. Das Blut ist blass und dunkel, die Unterbauchschmerzen von Kältecharakter. Die Patientinnen lieben heiße Getränke, sie sind meistens blass, haben Herzklopfen, frieren leicht, fühlen sich schlapp und appetitlos, der Puls ist versunken, schmal, verzögert und schwach (chén xì chí ruò), die Zunge hat einen weißen schlüpfrigen Belag.

Die Behandlung muss darin bestehen, das qì zu stärken, damit es das Blut aufnehmen kann (bǔ qì shè xuè) und die Blutung zu stillen.

Dazu werden die Punkte KG 4 (guān yuán), MP 6 (sān yīn jiāo), Bl 20 (pí shū), Ma 36 (zú sān Iǐ) und MP 1 (yīn bái) akupunktiert. Wenn Schmerzen von Kältecharakter im Unterbauch auftreten, wird zusätzlich KG 6 (qì hǎi) akupunktiert, wenn der Appetit schlecht ist, kann man KG 12 (zhōng wǎn) dazu akupunktieren.

Typ des Zusammenbruchs (xū tuō)

Hier zieht sich die Blutung über längere Zeit hin, die Patientinnen kollabieren leicht. Das Gesicht ist blass, mit öligem Schweißausbruch, sie haben Dyspnoe, kalte Gliedmaßen und einen kleinen Puls (wéi).

Die Behandlung muss darin bestehen, die Patientin wiederzubeleben (huí yáng gù tuō) und die Blutung zu stillen.

Dazu werden die Punkte KG 4 (guān yuán), KG 6 (qì hǎi), MP 6 (sān yīn jiāo), MP 1 (yīn bái) und LG 20 (bäi hui) akupunktiert. Wenn der Puls sehr schwach ist, kann man zusätzlich Pk 6 (nèi guān) akupunktieren, wenn die Patientin profuse Schweißausbrüche hat, auch H 6 (yīn xī).

Behandlungsprinzipien bei unteriner Blutung

Die angegebenen Methoden basieren auf der überlieferten Methode, dass man bei Überschuss sedierend, bei Mangel tonisierend behandeln muss, dass man bei Hitze schnell akupunktiert und bei Kälte langsam mit Nadelretention.

Bei übermäßiger Hitze sediert man durch Rotieren der dünnen Nadeln und lässt sie 20 Minuten lang liegen. Dabei kann man alle fünf Minuten manipulieren. Man gibt nur eine oder zwei Behandlungen.

Bei Mangel an yīn akupunktiert man mit neutraler Manipulation und lässt die Nadel 30 Minuten lang liegen.

Bei Mangel an qì manipuliert man tonisierend, lässt die Nadel 30 Minuten lang liegen und moxibustiert.

Beim Zusammenbruch nimmt man wieder dünne Nadeln und akupunktiert mit tonisierender Manipulation, lässt die Nadeln 30 Minuten lang liegen und moxibustiert dann mit großen Moxakegeln an den Punkten KG 8 (shén què), KG 6 (qì hǎi) und KG 4 (guān yuán), bis die Gliedmaßen warm werden. Auch der Punkt MP 1 (yīn bái) wird bilateral mit fünf bis zehn mittelgroßen Moxakegeln moxibustiert.

Fallbeispiel

Eine 38jährige Frau hatte seit zwei Wochen heftige funktionelle uterine Blutungen. Aufgrund des großen Blutverlustes war sie kollabiert. Neben einigen Medikamenten hatte sie auch Bluttransfusionen bekommen. Aber die Blutung bestand weiter.

Bei der Untersuchung hatte sie kalte Gliedmaßen und kollabierte, ihr Gesicht war sehr blass, der Puls klein und schwach (wéi ruò). Sie befand sich an der Grenze zum Schock und ihr ursprüngliches yáng war zusammengebrochen.

Zur Behandlung wurde das qì tonisiert, das Blut gestillt (bǔ qì zhǐ xuè) und die Patientin wiederbelebt (huí yáng gù tuō). Der Punkt MP 1 (yīn bái) wurde heftig akupunktiert, etwa drei fěn tief mit der warmen Nadel und Moxibustion, dazu MP 6 (sān yīn jiāo), Ma 36 (zú sān Iǐ), große Moxakegel wurden auf KG 4 (guān yuán) und KG 6 (qì hǎi) abgebrannt und LG 20 (bǎi huì) wurde mit der Moxarolle moxibustiert. Nach zehn Minuten war die Blutung gestillt. Nach 20 Minuten wurden die Gliedmaßen warm und der Puls ließ sich wieder tasten. Die Patientin erlangte das Bewusstsein wieder. Sie bekam dann ein Dekokt aus Radix Codonopsis Pilosulae (dǎng shěn) 60 g, Radix Aconiti praeparata (fù zǐ) 12 g, und 15 g shí huī-Pulver (Ten Ashes). Sie sollte dieses zweimal täglich einnehmen. Nach fünf Einnahmen war die Patientin symptomfrei.

Akupunktur und Moxibustion bei funktioneller uteriner Blutung

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