Das Behandeln von Gesichtskrämpfen (Gesichtsspastik) mit Akupunktur ist effizient, um qì in den Meridianen durchgängig zu machen und zu regulieren, wobei wir die Manipulation der Nadeln für besonders wichtig erachten.

Punktauswahl und Wirkungen

Am Punkt 3E 23 (sī zhú kōng) wird in Richtung tài yáng genadelt, zusammen mit 3E 17 (yì fěng); diese Kombination reguliert das qì des Meridians am Ort der Schädigung.

Di 4 (hè gǔ) reinigt das qì im yáng míng-Meridian und vertreibt den Wind.

Le 3 (tài chōng) ist der Quellpunkt des Lebermeridians und wird benutzt, um aufsteigenden Wind und yáng zu unterdrücken.

Der Quellpunkt des Nierenmeridians, N 3 (tài xī), wird angewendet, um die Nieren und das yīn zu nähren.

Die kombinierte Anwendung dieser Punkte kann das yīn anreichern und das yáng senken (zī yīn qián yáng), das Blut stärken, den Wind vertreiben (yǎng xuè qū fěng) und das qì der Meridiane am Ort der Schädigung stärken (shū tiáo já bù jīng qì). Die Krampfaktivität wird nachlassen, wenn das Blut harmonisiert und der Wind vertrieben wird.

Vorgehen

Es ist sehr wichtig, mit der Situation des Patienten, mit dem Einstichwinkel und mit der Richtung der Akupunkturnadel und der Manipulation so umzugehen, dass der therapeutische Effekt optimiert wird.

Am Punkt 3E 23 (sī zhú kōng) wird empfohlen, mit einer 1,5 cùn langen dünnen Nadel in einem Winkel von 30 Grad einzustechen und dann die Nadel in Richtung tài yáng vorzuschieben.

Am Punkt 3E 17 (yì fěng) neige man die Nadel nach der Insertion und führe sie in Richtung Gbl 12 (wán gǔ) vor, an welchen Gesichtsnerven durch den Schädelknochen treten.

Am Punkt Di 4 (hè gǔ) führe man die Nadel senkrecht ein.

An allen Punkten sollen die Nadeln mit gleichmäßig sedierender und gleichmäßig tonisierender Technik manipuliert werden.

Am Punkt Le 3 (tài chōng) soll man sedieren, am Punkt N 3 (tài xī) tonisieren.

Alle Punkte sollen auf der betroffenen Seite genadelt werden, nur Di 4 (hè gǔ) soll auf der entgegengesetzten Seite genadelt werden und N 3 (tài xī) auf beiden Seiten.

Alle Nadeln werden 30 Minuten liegengelassen.

Fallbeispiel

Eine 40jährige Arbeiterin klagte über ein Zittern in der linken Augenbraue, das aus unbekannten Gründen vor einem Jahr aufgetreten war. Die Erkrankung verschlimmerte sich allmählich, bis vor einem Monat, als das linke Auge, die Wange, die Lippen zitterten, eine allgemeine Nervosität und ein überschießendes Temperament auftraten. Sie erhielt eine Behandlung mit Vitaminen und Oryzanol ohne Ergebnis.

Bei der Aufnahmeuntersuchung zeigten sich unwillkürliche Muskelkontraktionen des linken Auges und des Gesichts, die sich anfallsweise verstärkten. Bei der neurologischen Untersuchung fanden sich keinerlei Besonderheiten. Sie hatte einen weißen dünnen Zungenbelag und einen gespannten, schmalen Puls (xián xì). Die Diagnose war: Gesichtskrämpfe.

Es wurden folgende Punkte genadelt: 3E 23 (sī zhú kōng) in Richtung tài yáng links, 3E 17 (yì fěng) links, Di 4 (hè gǔ) rechts, Le 3 (tài chōng) und N 3 (tài xī) beidseits.

Die Behandlungen wurden täglich durchgeführt, die Nadeln jeweils 30 Minuten liegengelassen. Nach zehn Behandlungssitzungen waren die Kontraktionen deutlich weniger geworden. Ihr wurde nun geraten, die Punkte 2-3mal täglich selber zu massieren. Nach weiteren zehn Sitzungen war sie im Wesentlichen beschwerdefrei und hatte keine Kontraktionen mehr. Nach einer Unterbrechung von drei Tagen wurde sie weitere zehn Sitzungen lang behandelt, um das Behandlungsergebnis zu stabilisieren.

Behandlung von Gesichtskrämpfen mit Akupunktur