Professor Xiong Yuanqing Bei Harnverhalt ist das betroffene Organ die Blase-Pangguang. Hier bestehen Verbindungen zur Lunge, zur Milz, zu den Nieren und zum Dreifachen Erwärmer. Nach dem klinischen Erscheinungsbild sollten die wesentlichen Manifestationen und Ursachen geklärt und nach Überschuss und Mangel differenziert werden.

Behandlung

  1. In Fällen mit ausgeprägtem Mangel wendet man Akupressur an. Hierzu benutzt man den Punkt lì niào (auch zhǐ xie genannt), der sich 2,5 cùn unterhalb des Nabels in der Mittellinie befindet. Der Punkt wird mit dem rechten Daumen senkrecht nach unten gedrückt, so dass eine Vertiefung von 1 bis 2 cm entsteht und ein Gefühl von Wundsein und Schwellung aufkommt. Dieser Druck wird zwei bis fünf Minuten lang gehalten. Im Allgemeinen kann der Harnverhalt damit beendet werden. Wenn aber ein schwerer Harnverhalt vorliegt, sollte man das untere Abdomen mit beiden Handflächen von einem Assistenten drücken und damit die Blase schützen lassen.
  2. „Entfernen des Deckels auf dem Kessel“: Diese Methode verwendet man beim Fülle-Typ. Man drückt mit einem Spatel auf die Zunge, bis Übelkeit aufkommt, und das „Wasser wird fließen“. Nach der Theorie der TCM ist die Lunge der obere Ursprung des Wassers. Der Druck auf die Wurzel der Zunge öffnet die Lunge und klärt die Wasserpassage. So kann die Diurese in Gang gesetzt werden.
  3. Akupunktur und Moxibustion: MP 9 (yīn Iíng quán) und MP 6 (sān yīn jiāo) werden beim Fülle-Typ angewendet, um das Blut-qi der drei yīn-Meridiane des Fußes zu klären und die Ausscheidung der Nässe und Hitze zu erleichtern (qīng lì shī rè). Die Akupunktur von Bl 28 (páng guāng shū) und gleichzeitig KG 3 (zhōng jí), also die Kombination des shū- und mù-Punktes, stellt die Kraft der Blase zur Ausscheidung wieder her. Beim Mangel-Typ werden die Punkte Bl 23 (shèn shū) und Bl 20 (pí shū) akupunktiert, um die Energie von Milz und Nieren zu stärken, während Bl 22 (sān jiāo shū) die Passage des Wassers im Dreifachen Erwärmer erleichtern soll. KG 4 (guān yuán) wird akupunktiert und moxibustiert, um mit warmen Methoden das Ursprungs-qì des Unteren Erwärmers zu tonisieren (wěn bǔ xià jiāo yuán qì).

Fallbeispiel

Ein 60jähriger Funktionär war wegen eines Hirntumors operiert worden und anschließend mit einer nasalen Ernährungssonde und einem Blasenkatheter in ein anderes Krankenhaus verlegt worden. Nach zwei Wochen wurden die Katheter entfernt, und der Patient konnte flüssige Nahrung zu sich nehmen. Er konnte jedoch nicht Wasser lassen und musste jedes Mal katheterisiert werden. Bei der Untersuchung sahen wir einen Mann mit fahler Gesichtsfarbe, allgemeiner Schwäche und Unlust zu sprechen sowie geschwollenem Unterbauch. Die Zunge war blass mit fettigem Belag, der Puls war schmal und kraftlos (xì wú lì). Dies war zurückzuführen auf eine Schwäche der Nierenenergie und des Ursprungs-qì im Unteren Erwärmer (shèn qì bù zú, xià yuán kuī xū). Der Punkt lì niào wurde akupressiert, und das untere Abdomen dabei von einem Assistenten mit beiden Handflächen massiert, um die Blase zu schützen. Nachdem mit dem Finger ein Gefühl des Wundseins und der Schwellung, das sich bis ins Perineum ausbreitete, erzeugt werden konnte, war es dem Patienten möglich, selbständig Wasser zu lassen und der geblähte Unterbauch erleichterte sich. Es wurde angeordnet, dass der Patient heiße Umschläge auf den Unterbauch bekommen sollte. Die Punkte Bl 20 (pí shū), Bl 23 (shèn shū), Bl 22 (sān jiāo shū) und KG 4 (guān yuán) wurden akupunktiert und tonisierend manipuliert. Die Nadeln wurden 15 Minuten liegengelassen. Dann wurde an den Punkten Bl 23 (shèn shū) und Bl 20 (pí shū) mit der Moxarolle im Uhrzeigersinn 20 Minuten lang moxibustiert. Am nächsten Tag hatte der Patient Harndrang und ließ zögerlich 500 ml Urin. Weitere fünf Tage lang wurde er in derselben Weise behandelt und sein Zustand besserte sich. Nach weiteren drei Tagen war seine Blasenfunktion normalisiert.
ICM-Herbst-Symposium

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