Zur Akupunktur von Patienten mit Harnverhalt werden folgende Punkte ausgewählt.
MP 6 (sān yīn jiāo) wird senkrecht etwa 1 bis 3 cùn tief akupunktiert, dabei soll sich das Nadelgefühl in Richtung auf die Fußsohle und in die Inguinalregion ausbreiten.
MP 9 (yīn Iíng quán) wird senkrecht 1 bis 4 cùn tief akupunktiert, gelegentlich auch in Richtung und bis zum Erreichen von Gbl 34 (yáng líng quán).
KG 4 (guān yuán) wird als nächstes genadelt, dabei wird nach oben und nach unten die Nadel möglichst weit bis zum jeweils nächsten Punkt vorgeschoben. Das Nadelgefühl soll sich ins Perineum ausbreiten. Meistens beginnt die Harnausscheidung eine halbe Stunde nach der Akupunktur und nimmt allmählich an Kraft zu.
Dann soll man an der Symphyse mit dem Finger drücken, um die Harnausscheidung zu beschleunigen. Wird nicht ausreichend ausgeschieden, akupunktiert man zusätzlich KG 6 (qì hǎi) wobei bis zu dem nächsthöheren und nächsttieferen Punkt gestochen wird, außerdem KG 2 (qū gǔ). Diese Nadeln werden nicht liegengelassen.
Ist die Blase gefüllt, muss man die Einstichtiefe vorsichtig kontrollieren, um nicht in die Blase zu stechen. Das Nadelgefühl soll sich aber nach unten ausbreiten, um gute Ergebnisse zu erzielen. Das kann manchmal durch Heben der Nadel erreicht werden. Allerdings muss die Einstichtiefe auch ausreichend sein. Denn nur tiefes Akupunktieren führt zur Kontraktion der Blase und zur Harnausscheidung, während flaches Einstechen wirkungslos ist.
Fallbeispiel
Die Eltern eines Jungen von zweieinhalb Jahren berichteten, dass er an seit zehn Tagen an Durchfällen litt und acht- bis neunmal täglich wässrige Stühle entleerte. Er musste täglich mehrmals erbrechen.
Bei der Untersuchung hatte er Fieber von 39° C, er war unterernährt und dehydriert. Die Diagnose lautete: kindliche Diarrhö mit Dehydratation und Acidose. Er wurde mit Chloramphenicol und parenteraler Flüssigkeitszufuhr behandelt, und schon am nächsten Tag ging es ihm besser.
Aber durch den Kaliummangel entstand eine Blasenlähmung. Die Blase war gefüllt, und das Abdomen aufgetrieben. Der Junge war unruhig und weinte. Er wurde an den Punkten MP 6 (sān yīn jiāo) und MP 9 (yīn Iíng quán) für 25 Minuten akupunktiert. Anschließend konnte er sehr viel Wasser lassen. Er bekam Kaliumchlorid substituiert und wurde nach Beendigung der Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen.























































































































































































































































































































































