Das Behandlungsprinzip bei Behandlung von Harnwegssteinen besteht darin, das Ausscheiden der Nässe-Hitze zu erleichtern (qīng lì shī rè) und das Wasserlassen zu regulieren (tōng lín).

Der Hauptpunkt ist Ma 28 (shuǐ dào), als zusätzliche Punkte kann man MP 10 (xuè hǎi) bei Hämaturie anwenden.

Der Punkt Bl 23 (shèn shū) auf der betroffenen Seite wird zuerst akupunktiert. Wenn beide Seiten des Harnsystems betroffen sind, akupunktiert man ihn beidseitig. Die Nadel wird senkrecht 1,2 bis 1,5 cùn tief eingestochen und drehend sowie entlang und entgegen der Meridianrichtung manipuliert. Die Manipulation der Nadel soll ein bis zwei Minuten lang durchgeführt werden.

Sobald sich die Schmerzen bessern, wird Bl 52 (zhì shì) drehend akupunktiert, und die Nadel mit Heben und Senken manipuliert, bis die Schmerzen weiter nachlassen.

Am Punkt MP 6 (sān yīn jiāo) wird die Nadel entlang dem hinteren Rand der Tibia eingeführt, wobei die Nadelspitze leicht nach oben zeigen soll. Die Einstichtiefe ist 1 bis 2 cùn. Es wird entlang und entgegen des Meridianverlaufs manipuliert.

Bl 23 (shèn shū) und Bl 52 (zhì shì) werden zusätzlich mit Elektrostimulationsakupunktur behandelt. Die Nadeln werden 30 bis 40 Minuten liegengelassen.

Behandelt wird einmal oder zweimal täglich. Auf diese Weise wurden von uns 70 Patienten behandelt, von denen 83% die Steine ausschieden. Die Ergebnisse waren besser, wenn die Steine in den mittleren oder unteren Abschnitten des Ureters steckten.

Fallbeispiel

Eine 52jährige Frau kam mit einem ihrer häufigen Schmerzanfälle im linken Unterbauch zur Behandlung. Dabei hatte sie ein nach unten ziehendes Völlegefühl, musste häufig und dringend Wasser lassen und klagte über ein Brennen in der Harnröhre. Leichte Schmerzmittel brachten ihr keine Erleichterung. Dolantin linderte die Schmerzen nur für kurze Zeit. Sie konnte zwei Tage lang nicht essen.

Bei der Untersuchung hatte sie eine fahle Gesichtsfarbe, sie war sehr müde und schlapp. Sie hatte unerträgliche kolikartige Schmerzen. Ihr war übel, sie erbrach. Ihre Zunge hatte einen weißen fettigen Belag. Der Puls war gespannt (xián). Im Urin fanden sich Leukozyten und Spuren von Blut. Die Körpertemperatur betrug 38° C. Im Röntgenbild des Abdomens fand sich ein sojabohnengroßer Schatten in der linken Beckenschaufel. Es wurde der Verdacht auf einen Ureterstein links geäußert.

Die TCM-Diagnose lautete: Ansammlung von Nässe-Hitze im Unteren Erwärmer (shī rè yùn jié xià jiāo), die den Urin im längeren Verlauf erhitzt, außerdem Ansammlung von steinbildenden Substanzen.

Die Behandlung musste darin bestehen, die Nässe-Hitze zu klären und auszuleiten (qīng lì shī rè), außerdem die Strangurie zu beseitigen (tōng lín). Die Patientin wurde akupunktiert und elektrostimuliert. Nach 20 Minuten war der Schmerz gelindert. Sie wurde täglich behandelt. Am fünften Tag wurde ein sojabohnengroßer Stein ausgeschieden. Die Röntgenkontrolle zeigte keinen Steinschatten mehr. Die Urinuntersuchung war ohne pathologischen Befund.

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