Wir unterscheiden den exogenen Husten (wài gǎn) und den endogenen Husten (néi shāng). Exogener Husten entsteht durch Einwirkung von Kälte, wodurch die Verteilung der Lungenenergie behindert wird und schließlich versagt (fèi qì shī xuān). Endogener Husten entsteht dadurch, dass andauernder Husten einen Mangel an qì in Lunge und Milz (fèi pí qì xū) verursacht sowie die Ansammlung von Nässe, was zur Bildung von Schleim führt (jù shī shěng tán).

Behandlung von exogenem Husten

Bei exogenem Husten richtet sich die Behandlung im Wesentlichen auf die Behandlung der Symptome, d.h. des Zweiges. Man muss die oberflächlichen Pathogene beseitigen, die Lungenenergie zerstreuen und den Husten stillen (jiě biǎo xuān fèi zhǐ ké). Dazu werden folgende Punkte ausgesucht:
  • Lu 7 (liè quě),
  • LG 14 (dà zhuī) und
  • die huá tuó jiā jǐ Punkte an den Brustwirbeln 1 oder 3.
Hierzu wird eine 1,5 cùn lange dünne Nadel eingestochen und sedierend manipuliert. Das Nadelgefühl soll mäßig bis stark sein. Die Nadel an den Rückenpunkten wird eine Minute so manipuliert, dass sich das Nadelgefühl auf dem Rücken ausbreitet. Das Nadelgefühl am Punkt Lu 7 (liè quě) wird nach proximal geleitet. Nachdem die Nadeln an den Punkten LG 14 (dà zhuī) und huá tuó jiā jǐ entfernt worden sind, bringt man am Punkt LG 14 (dà zhuī) Schröpfköpfe für zehn Minuten an. Am Punkt Lu 7 (liè quě) wird die Nadel intermittierend manipuliert und 20 Minuten liegengelassen. Diese Behandlung wird einmal täglich gegeben bis der Husten geheilt ist.

Behandlung von endogenem Husten

Bei endogenem Husten soll die Behandlung auf die Erscheinungsform (den Zweig) und die Ursache (die Wurzel) in gleicher Weise gerichtet werden, indem die Milz gestärkt und die Lunge tonisiert wird, der Auswurf verteilt und der Husten beseitigt wird. Folgende Punktkombinationen werden ausgewählt:
  1. Bl 20 (pí shū), huá tuó jiā jǐ an Th 3, Lu 9 (tài yuān)
  2. Bl 43 (gāo huāng), huá tuó jiā jǐ an Th 1, Ma 36 (zú sān Iǐ).
Beide Gruppen werden alternierend angewendet. Dabei wird tonisierend manipuliert bei mäßiger bis schwacher Stimulationsstärke und einer Dauer von jeweils 15 Sekunden abwechselnd. Die Nadeln werden für 20 Minuten belassen. An den Punkten Bl 20 (pí shū) und Bl 43 (gāo huāng) wird nicht genadelt, sondern bloß für 30 Minuten pickend moxibustiert mit einer Frequenz von einmal pro Sekunde. Dies wird jeden zweiten Tag durchgeführt. Fünf bis acht Behandlungen bilden einen Therapiezyklus. Diese Behandlung erzielt die besten Ergebnisse im Hochsommer.

Fallbeispiel: Exogener Husten

Eine 42jährige Frau klagte über Husten, der noch zwei Monate nach dem Abklingen einer Erkältung bestand. Sie hatte einen juckenden Rachen und Husten ohne Auswurf oder mit spärlichem Auswurf, besonders am Morgen. Medikamente erzielten keinen Behandlungserfolg. Bei der Untersuchung hatte sie eine etwas rote Zunge mit dünnem Belag und einen schwebenden, gespannten Puls (fú xián). Das Behandlungsprinzip war: Die Lungenenergie zerstreuen, die Ausscheidung von Flüssigkeiten erleichtern, und den Husten stillen (xuān fèi lǐ shuǐ zhǐ ké). Folgende Punkte wurden angewendet: Lu 7 (liè quě), LG 14 (dà zhuī), huá tuó jiā jǐ an Th 1. Die letzten beiden Punkte wurden zunächst sedierend genadelt, bis sich ein mäßiges bis starkes Nadelgefühl über Rücken und Nacken ausbreitete. Die Nadel wurde eine Minute lang manipuliert und dann gezogen. Am Punkt LG 14 (dà zhuī) wurde mit einem großen Schröpfkopf für zehn Minuten geschröpft. Anschließend wurde der Punkt Lu 7 (liè quě) schräg mit sedierender Manipulation genadelt, bis sich ein mäßiges bis starkes Nadelgefühl nach proximal ausbreitete. Die Nadel wurde intermittierend manipuliert und 20 Minuten liegengelassen. Am nächsten Tag war das Jucken im Hals gemildert, der Husten am Morgen gelindert. Dieselbe Behandlung wurde wiederholt. Nach acht Behandlungen war der Husten im Wesentlichen geheilt. Noch weitere vier Sitzungen wurden zur Konsolidierung des Ergebnisses gegeben. Sie hatte keinen Rückfall bis zu der Nachuntersuchung nach drei Monaten.