Die wesentlichsten Behandlungsprinzipien bei Schmerzen im Hypochondrium sind, stagnierendes qì verteilen und abzustimmen (shū tiáo qì yù) sowie die Meridiane zu öffnen und zu beleben (tōng jīng huó Iuò), um den Schmerz zu stillen.

Die wichtigsten Punkte sind Ma 18 (rǔ gěn), Pk 1 (tiān chí), 3E 6 (zhī gōu) und Gbl 34 (yáng líng quán). Diese Punkte werden alle auf der betroffenen Seite gestochen und geschröpft, und man kombiniert hiermit lokale mit Fernpunkten.

Ma 18 (rǔ gěn) und Pk 1 (tiān chí) werden geschröpft. Die Schröpfköpfe werden 15 Minuten belassen, bis die Haut purpurfarben verfärbt ist. 3E 6 (zhī gōu) wird in Richtung Pk 5 (jiān shǐ) und Gbl 34 (yáng líng quán) in Richtung MP 9 (yīn Iíng quán) gestochen.

Die Punkte werden mit einer 28 G dünnen und 2 cùn langen Nadel gestochen und stark sedierend manipuliert. Die Manipulation wird alle drei Minuten ausgeführt, damit sich das qì-Gefühl weiter ausbreitet. Die Nadeln werden 30 Minuten belassen. Eine Behandlung ist in der Regel ausreichend bei Interkostalneuralgien oder bei akuter Cholezystitis.

Fallbeispiel Schmerzen im Hypochondrium

Eine 63jährige Rentnerin hatte seit 20 Tagen ständig Schmerzen im rechten Hypochondrium. Diese hatten plötzlich um Mitternacht begonnen. Die Schmerzen waren unerträglich und verschlimmerten sich beim Atmen, wenn sie ihre Lage änderte oder hustete. Die Schmerzen zogen in den Rücken und in die Lenden. In der Notaufnahme des lokalen Krankenhauses fand sich fluoroskopisch kein pathologischer Befund im Thorax. Sie bekam Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, Gentamycin und gleichzeitig etwa 20 Dosen traditioneller Medikamente. Aber dies alles half ihr nicht. Deshalb kam sie  zur Akupunkturbehandlung und Moxibustion.

Bei der Untersuchung war die Patientin kräftig und gut ernährt, hatte ein gerötetes Gesicht, einen gequälten Gesichtsausdruck, sie war sehr nervös und unruhig, und auf der rechten Seite waren druckempfindliche Stellen im Bereich der 3. bis 7. Rippe zu finden. Sie klagte über Ohrgeräusche, trockenen Mund und Taubheitsgefühl der Zunge. Früher hatte sie an hohem Blutdruck gelitten.

Die Patientin wurde akupunktiert und geschröpft, um die Meridiane zu öffnen, die Verbindungsgefäße zu beleben, den Fluss des qì abzustimmen und die Schmerzen zu stillen. Es wurde die Methode angewendet, gleichnamige Meridiane an Hand und Fuß zu behandeln. Der Punkt 3E 6 (zhī gōu) liegt auf dem Dreifachen Erwärmer (Hand shào yáng) und gehört zum Element Feuer. Wenn man ihn akupunktiert, reguliert man die Energie im shào yang und reduziert sein Feuer. Gbl 34 (yáng líng quán), der hé-Punkt auf dem Meridian, kann das viszerale qì öffnen, die Verbindungsgefäße beleben und die Schmerzen stillen. Die zusätzlichen Punkte Ma 18 (rǔ gěn) und Pk 1 (tiān chí) wurden geschröpft, um das stagnierende qì am Ort der Schmerzen zu beleben. Wenn man diese Stagnation beleben kann, wird der Schmerz augenblicklich gelindert. Zwanzig Minuten nach der Akupunktur waren die Schmerzen verschwunden. Die Nadeln wurden dann für 30 Minuten liegengelassen. Die Patientin fühlte sich besser.