Es gibt zwei Formen der Hypogalaktie (mangelnde Milchproduktion): Überschuss- (Fülle-) und Mangelzustände.
Mangelzustände
Bei Mangelzuständen liegt die Ursache meistens in massiven Blutungen und ausgedehntem Verlust von Schweiß während der Geburt (chǎn qī chū xuè, chū hàn guò duō), so dass die Quelle für die Bildung von Milch erschöpft ist (shī qù qì xuè huà shěng rǔ zhī zhi yuán). Es kann sich aber auch bei einer asthenischen körperlichen Konstitution um eine Unterfunktion von Milz und Magen handeln, die besonders bei unzureichender Nahrungsaufnahme zu mangelnder Milchproduktion führt.
Man findet eine fahle Gesichtsfarbe, trockene Lippen und Nägel, eine blasse Zunge und schwachen Puls (ruò).
Füllezustände
Überschusszustände werden meistens durch Stagnation in der Leberfunktion verursacht (gān qì yù jié). Die Leber kann dann nicht mehr zerstreuend wirken, so dass die Milch gerinnt und nicht mehr fließen kann. Hier sieht man volle Brüste mit harten Knoten, explosive Stimmungslagen, ein gerötetes Gesicht, rote Lippen, die Zunge ist trocken, der Puls gespannt und beschleunigt (xián shuò).
Beim Fülle-Typ muss man sedierend behandeln, um die Leber zu beruhigen, das qì zu regulieren und den Milchfluss zu fördern (píng gān lǐ qì, jiě yù tōng rǔ). Beim Mangel-Typ muss man akupunktieren und moxibustieren oder sogar nur moxibustieren, um das yáng, der Milz mit warmen Methoden anzuregen (wěn bǔ pí wèi zhi yáng) und so die Bildung von qì und Blut in Milz und Magen zu fördern (shěng qì xuè). Dadurch wird die Milchbildung angeregt.
Man wählt folgende Punkte aus:
KG 17 (dàn zhōng), Ma 18 (rǔ gěn) und Dü 1 (shào zé) sind die Hauptpunkte.
Beim Mangel-Typ akupunktiert man außerdem Bl 20 (pí shū) und Ma 36 (zú sān Iǐ), um Milz und Magen zu stärken (jiàn pí hé wèi) und das qì der Mitte zu regulieren (tiáo bǔ zhōng qì), damit die Milchbildung gefördert werden kann.
Beim Fülle-Typ werden die Punkte Bl 18 (gān shū) und Gbl 21 (jiān jǐng) zusätzlich akupunktiert, um die Leber zu beruhigen, den qì-Fluss zu regulieren (píng gān lǐ qì) und zu erleichtern, die Stagnation in der Leber zu zerstreuen (shū sàn gān yù zhi níng jié) und den Milchfluss zu fördern.
KG 17 (dàn zhōng) ist ein Punkt auf dem Konzeptionsgefäß. Er kann das qì regulieren, das auf- steigende qì nach unten führen (tiáo qì jiàng nì), die Brust beruhigen, das Mediastinum erleichtern (kuān xiōng lì gě), Blutstase eliminieren, die Zirkulation aktivieren (huà yū xíng xuè) und die Milchkanäle klären (xuān tōng rǔ luò).
Ma 18 (rǔ gěn) liegt auf dem Fuß yáng míng-Magenmeridian, der reich an Blut und qì ist, und befindet sich an der Wurzel der Brust. Er kann die Milchkanäle klären (xuān tōng rǔ luò), das Blut aktivieren und die Blutstase beseitigen (huó xuè huà yū) und wirkt außerdem schmerzlindernd und abschwellend, damit fördert er die Milchbildung.
Dü 1 (shào zé) ist der Brunnenpunkt des Hand tài yáng-Dünndarmmeridians und kann Feuer im Herzen klären (qīng xīn huǒ), stagnierende Hitze zerstreuen (sàn yù rè), Meridiane und Verbindungsgefäße reinigen (tōng jīng huó luò) und die Laktation verbessern. Bei vorherrschender Hitze lässt man an diesem Punkt bluten und mindert so die Hitze sofort. Die kombinierte Anwendung dieser drei Punkte ist die übliche Behandlung bei mangelnder Milchproduktion. Bei Fülle-Typen erzielt man bessere, bei Mangel-Typen weniger gute Ergebnisse. Bei anderen Ursachen für die mangelnde Milchproduktion sollte man diese zuerst mit zusätzlichen Maßnahmen behandeln.
Manipulation
An den Punkten KG 17 (dàn zhōng) und Ma 18 (rǔ gěn) benutzt man eine 1,5 cùn lange dünne Nadel.
KG 12 (zhōng wǎn) akupunktiert man entlang der Haut 1 bis 1,3 cùn tief. Nach dem Erreichen des qì-Gefühls zieht man die Nadel in das Subkutangewebe zurück und sticht sie abwechselnd in Richtung beide Brüste.
Am Punkt Ma 18 (rǔ gěn) führt man die Nadel nach lateral und oben entlang dem Interkostalraum 1,3 cùn tief ein. Das Nadelgefühl soll sich als ein heißes Völlegefühl über beide Brüste ausbreiten. In manchen Fällen beginnt der Milchfluss noch während die Nadeln liegen. Im Allgemeinen reichen zwei bis drei Akupunkturen aus, um den Bedürfnissen des Kindes gerecht zu werden. Bei Mangel-Typen benötigt man länger. Hier kann es erforderlich sein, mehrere siebentägige Behandlungszyklen durchzuführen.
Fallbeispiel Hypogalaktie
Eine 36jährige Arbeiterin hatte seit einem halben Jahr zu wenig Milch für ihr Kind. Sie war nicht krank, aber ihre Brüste gaben nach der Entbindung zu wenig Milch. Medikamente hatten ihr nicht geholfen. Sie war eine kräftige Frau mit gutem Appetit. Ihr Milchfluss war unzureichend, obwohl ihre Brüste voll waren. Die Ursache hierfür war stagnierendes qì, dass die Milchgänge obstruiert hatte (qì zhì rǔ luò yōng sè).
Die Behandlung musste qì regulieren und die Gefäße klären (lǐ qì tōng luò). KG 17 (dàn zhōng), Ma 18 (rǔ gěn) und Dü 1 (shào zé) wurden akupunktiert. Am Punkt KG 17 (dàn zhōng) wurde die Nadel entlang der Haut 1,3 cùn vorgeschoben. Nach dem Erreichen des qì-Gefühls wurde die Nadel in das Subkutangewebe zurückgezogen und dann in Richtung beider Brüste abwechselnd vorgeschoben. Die Patientin empfand ein Hitzegefühl, das sich in die Brüste ausbreitete. Noch während die Nadeln lagen, begann die Milch zu fließen. Nach nur einer Behandlung konnte sie wieder genug Milch produzieren. Sie bekam noch eine Akupunktur am dritten Tag und war danach beschwerdefrei.























































































































































































































































































































































