Die Ursachen für Hypogalaktie liegen in Unterernährung, depressiven Verstimmungen, hohem Fieber oder Unterbrechung der Laktation durch angeborenen Mangel an qì und Blut (xiān tiān qì xuè bù zú). Die Behandlung muss das qì regulieren, das Blut nähren (tiáo yǎng qì xuè) und die Meridiane und Verbindungsgefäße klären (shū tōng jīng luò). KG 17 (dàn zhōng) und Bl 15 (xīn shū) sind die Hauptpunkte. Bei angeborenen Defiziten akupunktiert man zusätzlich Bl 23 (shèn shū) und die außerordentlichen Meridiane am Punkt Bl 40 (wěi zhōng) in der Kniekehle. Bei Fieber wird zusätzlich LG 14 (dà zhuī) akupunktiert, bei Leberstagnation Le 3 (tài chōng), bei Unterernährung Bl 21 (wèi shū) und MP 6 (sān yīn jiāo), bei allgemeinem Mangelzustand Ma 39 (xià jù xū).

Vorgehen

Man benutzt die schmale dreikantige Nadel, eine Gummibinde und Schröpfgläser. Vor der Behandlung massiert man die Brüste leicht etwa fünf bis zehn Minuten lang, bis die Haut sich rötet, dadurch wird qì und Blut harmonisiert (qì xuè hé tiáo). Dann legt sich die Patientin auf den Rücken, der Punkt KG 17 (dàn zhōng) wird akupunktiert und geschröpft, bis er blutet. Zur Akupunktur von LG 14 (dà zhuī), Bl 15 (xīn shū), Bl 21 (wèi shū) und Bl 23 (shèn shū) legt sich die Patientin auf den Bauch. Auch hier wird bis zum Bluten geschröpft. Die außerordentlichen Gefäße (qí luò) in der Umgebung von Bl 40 (wěi zhōng) werden zum Bluten gebracht. Bevor man die Punkte Ma 39 (xià jù xū), MP  6 (sān yīn jiāo) und Le 3 (tài chōng) akupunktiert, bindet man das Bein oberhalb der Punkte mit einem Gummi ab und punktiert dann bis zum Bluten. Wenn keine varikösen Venen zu sehen sind, punktiert man die Haut. Man lässt am Punkt KG 17 (dàn zhōng) 1 bis 2 ml, an den anderen Punkten 1 bis 5 ml Blut ab. Es wird einmal täglich behandelt.

Fallbeispiel

Eine 23jährige Frau hatte nach der Geburt ihres ersten Kindes nach zwei Wochen zu wenig Milch. Sie hatte drei Tage lang Fieber und konnte nur 2 bis 3 ml Milch innerhalb von vier Stunden sezernieren. In ihrer Familie war etwas Ähnliches noch nicht vorgekommen. Bei der Untersuchung stellten wir fest, dass sie Brüste von normaler Größe hatte, aber sie war unterernährt, ihre Pulse waren leer (xū) und die Zunge hatte einen weißen Belag. Die Behandlung musste qì und Blut regulieren und nähren (tiáo yǎng qì xuè) sowie die Meridiane und Verbindungsgefäße klären (shū tōng jīng mài). Zuerst wurden die Brüste zehn Minuten lang massiert. Dann wurde am Punkt KG 17 (dàn zhōng) und Bl 15 (xīn shū) 1 ml Blut akupunktiert und geschröpft. Am zweiten Tag wurde sie ebenso behandelt. Danach begann der Milchfluss besser zu werden. Nach drei weiteren Behandlungen konnte sie genug Milch produzieren, um ihr Baby zu ernähren. Nach einem Monat ließ die Milchproduktion nach emotionalen Störungen erneut nach. Dann wurde wie bisher behandelt und zusätzlich Ma 37 (shàng jù xū) und Le 3 (tài chōng) akupunktiert, hier wurden 2 ml Blut abgelassen. Es wurde einmal täglich behandelt, und nach vier Behandlungen war die Milchproduktion wieder normalisiert.

BUCHEMPFEHLUNGEN

Deadman, Peter; Al-Khafaji, Mazin; Baker, Kevin

Handbuch Akupunktur

Das System der Leitbahnen und Akupunkturpunkten

Dieser moderne Klassiker der Akupunkturliteratur ist unübertroffen in der Genauigkeit der Punktbeschreibung und in der Qualität der Illustrationen. Es bietet umfassende Informationen zur Leitbahntheorie und zur Akupunkturtherapie.