Bei Hypogalaktie (mangelnde Milchproduktion) akupunktieren wir als Hauptpunkte KG 17 (dàn zhōng), rǔ quán und Dü 1 (shào zé). Zusätzliche Punkte sind Ma 36 (zú sān Iǐ) bei Mangel an qì und Blut (qì xuè bù zú) und Gbl 34 (yáng líng quán) bei qì-Stagnation in der Leber (gān yù qì zhì). Die Patientin sitzt. Nach Hautdesinfektion akupunktiert man mit einer 4 cùn langen dünnen Nadel KG 17 (dàn zhōng) horizontal 3 bis 4 cm nach oben. Dann werden rǔ quán, der an der oberen Kante des Musculus pectoralis major in Höhe der vorderen Axillarlinie liegt, und Dü 1 (shào zé) akupunktiert. Dann zieht man die Nadel am Punkt KG 17 (dàn zhōng) ins Subkutangewebe zurück und inseriert sie erneut horizontal in Richtung auf die rechte Brust, wobei sich das Nadelgefühl in Richtung auf die Brustwarze ausbreiten soll. Ebenso verfährt man an der anderen Brust, nach 15 bis 20 Minuten Manipulation wird dasselbe Vorgehen wiederholt und dann die Nadel entfernt. Man behandelt einmal täglich, bis genügend Milch gebildet wird. Wenn ein Völlegefühl in der Brust angegeben wird, sollte man auch Pk 6 (nèi guān) akupunktieren, um die Milchproduktion weiter zu gewährleisten. An den Punkten rǔ quán und KG 17 (dàn zhōng) darf man auf keinen Fall senkrecht akupunktieren. Man darf normalerweise damit rechnen, dass die Milchproduktion bereits nach der ersten Behandlung einsetzt. Im Allgemeinen sind drei bis fünf Behandlungen ausreichend, um genügend Milch zu bilden. Maximal kann man zehnmal behandeln. Nur in sehr wenigen Fällen kann man keine guten Ergebnisse erreichen. Je kürzer die Störung besteht, desto besser und schneller tritt der Erfolg nach Behandlung am Punkt KG 17 (dàn zhōng) ein. Je schneller und größer das Nadelgefühl an den Brustwarzen ist, desto besser und schneller sind die Ergebnisse.

Fallbeispiel 1

Eine 34jährige Frau klagte über mangelnde Milchproduktion seit einem Monat nach der Geburt eines Jungen. Sie hatte nur eine kleine Menge klarer Milch und bekam bisher traditionelle Medikamente ohne Erfolg. Bei der Untersuchung war sie blass, der Puls schmal (xì), die Lippen und die Zungen waren blass, die Atmung war schwach. Die Diagnose lautete: Mangel an qì und Blut nach Entbindung (chǎn hòu qì xuè bù zú). Die Behandlung wurde wie oben beschrieben durchgeführt, zusätzlich wurde Ma 36 (zú sān Iǐ) akupunktiert. Nach der ersten Behandlung besserte sich ihr Appetit und die Brüste füllten sich. Nach drei Behandlungen, also am dritten Tag, hatte das Kind genug Milch. Die Behandlung wurde nach weiteren zwei Behandlungen abgebrochen.

Fallbeispiel 2

Eine 28jährige Frau hatte ein Mädchen geboren. Sie hatte nach der Entbindung zunächst ausreichend Milch. Aber durch eine Depression wurde die Milchproduktion plötzlich unterbrochen. Bei der Untersuchung hatte sie druckempfindliche Brüste, die Zunge war rosafarben mit normalem Belag. Der Puls war gespannt (xián). Die Diagnose lautete: Mangelnde Milchproduktion durch qì-Stagnation als ein Ergebnis der Stagnation von qì in der Leber (gān yù qì zhì). Die Behandlung war wie beschrieben, zusätzlich wurde Gbl 34 (yáng líng quán) akupunktiert. Fünf Minuten nach der Akupunktur begann die Milchsekretion erneut. Auch die Stimmung der Patientin besserte sich.

BUCHEMPFEHLUNGEN

Yamamoto, Toshikatsu

Yamamoto Neue Schädelakupunktur

Unter Mitarbeit von Helene und Michiko Margaret Yamamoto

Das einzigartige und praxisnahe Therapiekonzept der YNSA wurde vom Autor wieder auf den neuesten Stand gebracht.