Bei Akupunktur und Moxibustion von Hypogalaktie durch Tonisieren von Blut und qì werden zwei Syndrome unterschieden

Stagnation der Energie in der Leber (gān qì yù jié)

Die Symptome sind Völlegefühle in den Brüsten und im Thorax, spärliche Milchsekretion, eine rote Zunge und gespannter Puls (xián). Die Behandlung muss das stagnierende qì der Leber beruhigen und regulieren (shū gān lǐ qì jiě yù) durch gleichmäßig tonisierende und sedierende Manipulation. Es werden die Punkte Pk 3 (qū zé), KG 17 (dàn zhōng) und Gbl 38 (yáng fǔ) ausgewählt. Pk 3 (qū zé) ist der Sammelpunkt des Perikardmeridians, KG 17 (dàn zhōng) ist der Kreuzungspunkt des Konzeptionsgefäßes. Beide Punkte regulieren das qì (tiáo qì). Gbl 38 (yáng fǔ) kann in Kombination mit diesen Punkten reguliert das qì, beruhigt die Leber und löst ihre Stagnation auf (lǐ qì shū gān), klärt die Meridiane und fördert so die Milchausschüttung (tōng luò xià rǔ). Am Punkt Pk 3 (qū zé) wird das Nadelgefühl nach oben oder nach unten geleitet und die Nadel 15 Minuten liegengelassen. Am Punkt KG 17 (dàn zhōng) wird die Nadel erst nach unten akupunktiert. Wenn das Nadelgefühl erreicht ist, zieht man sie in das Subkutangewebe zurück, sticht sie erneut schräg in Richtung auf die rechte Brust ein und manipuliert sie fünfmal. Die gleiche Prozedur wird nochmals mit Stichrichtung auf die linke Brust durchgeführt. Dann wird die Nadel entfernt. Am Punkt Gbl 38 (yáng fǔ) wird die Nadel etwas schräg nach oben eingestochen. Nach Erreichen des qì-Gefühls dreht und rotiert man die Nadel zwanzig Sekunden lang und entfernt sie dann.

Mangel an Blut-qì (qì xuè xū)

Die Symptome sind blasses Hautkolorit, kalte Gliedmaßen, blasse Zunge, die Brüste sind nicht gefüllt, der Puls ist schwach und schmal (xì ruò). Die Behandlung muss Blut und qì regulieren und nähren (bǔ yì qì xuè).  Dazu wird akupunktiert und moxibustiert mit tonisierender Manipulation. Es werden die Punkte Di 10 (shǒu sān lǐ), Ma 36 (zú sān Iǐ), H 1 (jí quán), Bl 20 (pí shū) und KG 17 (dàn zhōng) ausgewählt. Die beiden Punkte Di 10 (shǒu sān lǐ) und Ma 36 (zú sān Iǐ) gehören zu den yáng míng-Meridianen von Hand und Fuß. Kombiniert man diese Punkte mit Bl 20 (pí shū), können sie die Milz kräftigen und den Magen harmonisieren (jiàn pí hé wèi) und so Blut und qì bilden (shǐ qì xuè shěng huà yǒu yuán). Die weitere Kombination mit Punkten in der Nähe der Brüste wie H 1 (jí quán) und KG 17 (dàn zhōng) kann qi und Blut regulieren (tiáo qì xuè), das Meridiansystem klären (tōng jīng luò) und so die Milchbildung fördern (xià rǔ). Man sticht die Nadeln an den Punkten Di 10 (shǒu sān lǐ), Ma 36 (zú sān Iǐ), H 1 (jí quán) und Bl 20 (pí shū) schnell ein und dreht sie dann tonisierend. Die Nadeln werden nach dem Erreichen des qì-Gefühls zehn Minuten liegengelassen. Am Punkt KG 17 (dàn zhōng) wird die Nadel nicht liegengelassen. Hier moxibustiert man mit der Moxarolle und kann so mit warmen Methoden die Meridiane klären (wěn tōng jīng luò) sowie qì und Blut regulieren (tiáo hé qì xuè).

Fallbeispiel

Eine 26jährige Frau hatte seit mehreren Monaten zu wenig Milch für ihr Baby. Sie hatte auch wenig Appetit. Bei der Untersuchung war sie blass, die Stimme leise, die Zunge war ebenfalls blass mit dünnem weißem Belag, der Puls schmal und schwach (xì ruò). Die Diagnose lautete: Mangelnde Milchproduktion durch Mangel an qì und Blut (qì xuè liǎng xū rǔ shǎo). Die Behandlung musste qì und Blut tonisieren (bǔ qì xuè) und die Meridiane und Verbindungsgefäße klären (tōng jīng luò). Es wurde mit Drehen der Nadeln tonisierend manipuliert und moxibustiert. An den Punkten Ma 36 (zú sān Iǐ), Di 10 (shǒu sān lǐ), Bl 20 (pí shū) und H 1 (jí quán) wurde schnell akupunktiert, und die Nadeln wurden tonisierend manipuliert und zehn Minuten liegengelassen. In dieser Zeit wurden die Punkte KG 17 (dàn zhōng) und KG 8 (shén què) mit der Moxarolle moxibustiert. Zwei Stunden später begann die Milch besser zu fließen. Die Patientin moxibustierte die Punkte KG 17 (dàn zhōng) und KG 8 (shén què) im weiteren Verlauf selbst. Das Behandlungsergebnis war gut.
Akupunktur und Moxibustion von Hypogalaktie durch Tonisieren von Blut und qì