Bei Hypogalaktie werden folgende Ohrpunkte ausgewählt: Nǎo diǎn, Endokrinium, Brustkorb, Brüste, Magen, Leber, shén mén und Subkortex.

Methodik der Ohrakupunktur

Man akupunktiert vier bis fünf Punkte während einer Behandlungssitzung. Zuerst drückt man auf die Ohrmuschel mit dem Nadelschaft, um herauszufinden, welcher Punkt druckempfindlich ist. Dann drückt man mit dem Fingernagel kraftvoll darauf, um eine Markierung für die Akupunktur zu hinterlassen. Man fixiert die Ohrmuschel mit der linken Hand und hält die Nadel mit der rechten, sticht sie dann schnell durch das Subkutangewebe, wobei der Daumen sie nach vorne und der Zeigefinger nach hinten dreht. Mit Drehen wird sie erst in eine, dann in die andere Richtung manipuliert. Man muss vorsichtig sein, nicht die Ohrmuschel zu durchstechen. Nach dem Erreichen des qì-Gefühls wird zuerst sedierend, dann tonisierend manipuliert. Wenn der Daumen nach vorne und der Zeigefinger nach hinten gedrückt werden, dann stellt das sedierende Manipulation dar, umgekehrt tonisierende. Es wird beidhändig gearbeitet, mit der rechten Hand am linken Ohr der Patientin und mit der linken Hand am rechten Ohr der Patientin. Einmal alle zehn Minuten wird manipuliert und die Nadeln werden 20-30 Minuten liegengelassen. Es wird einmal täglich behandelt und sieben Behandlungen bilden einen Therapiezyklus, Man zieht die Nadeln senkrecht nach oben unter Drehen heraus. Man muss Vorsichtsmaßnahmen zur Verhütung lokaler Infektionen anwenden. Es werden 26 G oder 28 G und 0,5 bis 1 cùn lange Nadeln benutzt.

Bemerkungen

Empfindliche und schwache Patientinnen sollte man hinlegen, um einen Kollaps zu vermeiden. Während der Periodenblutung darf man nur mild stimulieren, um eine Verstärkung der Blutung zu verhindern. Lokale Verletzungen, Entzündungen, Wunden, Ekzeme des Ohres stellen Kontraindikationen für diese Art der Behandlung dar.

Fallbeispiel Hypogalaktie

Eine 26jährige Krankenschwester hatte seit ihrer Entbindung vor 40 Tagen nur spärlichen Milchfluss. Bei der Untersuchung fand sich bei normal entwickelten Brüsten kein lokaler pathologischer Befund. Die Zunge war blass mit dünnem weißem Belag, der Puls versunken, schmal und kraftlos (chén xì wú lì). Auch mit Massage kam nur wenig klare und dünne Milch aus den Brüsten. Medikamente hatten ihr bisher nicht geholfen. Es wurden die Punkte shén mén,        Endokrinium, Brustkorb bis Brüste, Magen und Leber ausgewählt. Alle Punkte wurden beiderseits akupunktiert. Die Nadeln 30 Minuten lang liegengelassen und in dieser Zeit zehn Minuten lang tonisierend manipuliert. Es wurde an vier Tagen einmal täglich behandelt. Seither hatte sie normalen Milchfluss.

BUCHEMPFEHLUNGEN

Scott, Julian; Barlow, Teresa

Akupunktur in der Kinder- und Jugendmedizin

Die sanfte Nadel

Kinderheilkunde mit Akupunktur hat in China eine jahrhundertelange Tradition. Die Autoren haben mit diesem Buch Pionierarbeit geleistet, um diese sanfte und sichere Methode bei der Behandlung von Kindern auch im Westen zu etablieren.
Eine erstaunliche Vielfalt von Kinderkrankheiten lässt sich effektiv mit Akupunktur behandeln. Dazu gehören Masern, Mumps und Mittelohrentzündung ebenso wie Asthma, Impfnebenwirkungen, Augenkrankheiten, Erkrankungen des Verdauungstrakts oder entwicklungsbezogene Störungen.