Zur Behandlung von Hysterie, die sich in plötzlicher Stummheit und Lähmung äußert, werden folgende Hauptpunkte ausgewählt:
  • KG 17 (dàn zhōng): Dieser Punkt kann den Fluss des qì regulieren (tiáo qi), leitet das umgekehrt aufbrausende qì wieder nach unten (jiàng nì), klärt die Lunge und eliminiert Schleim (qīng fèi huà tán), erleichtert die Brust und das Zwerchfell und wirkt antitussiv und antiasthmatisch.
  • Pk 6 (nèi guān): Dieser Punkt kann das Perikard klären und sedierend wirken (qīng xiè bāo luò), erleichtert den Fluss im Dreifachen Erwärmer (shū lì sān jiāo), macht den Thorax frei, reguliert das qì (Iǐ qì), harmonisiert den Magen und leitet umgekehrt aufsteigendes qì abwärts (hé wèi jiàng nì) und wirkt dabei sedierend und schmerzlindernd.
Wenn man beide Punkte gleichzeitig akupunktiert, wird die Brust erleichtert (kāi xiōng), werden Knoten gelöst (sàn jié), das qì wird wieder nach unten geführt (jiàng qì), Schleim wird umgewandelt (huà tán), die Körperöffnungen durchlässig gemacht (tōng qiào) und der Geist belebt (xǐng shén). Zusätzliche Punkte werden entsprechend der Begleitsymptome behandelt:
  • Bei Schmerzen auf dem Kopf akupunktiert man zusätzlich sì shén cōng, Le 2 (xíng jiān) oder N 1 (yǒng quǎn).
  • Bei Migräne kann man 3E 5 (wài guān), Gbl 41 (zú Iín qì) oder Gbl 20 (fěng chí) und Ma 8 (tóu wéi) zusätzlich stechen.
  • Bei sehr starkem Speichelfluss wählt man auch die Punkte Lu 7 (liè quě) und Ma 40 (fěng lóng).
  • Bei Aphasie akupunktiert man H 5 (tōng lǐ) und LG 15 (yǎ mén).
  • Bei schlechtem Appetit sticht man KG 22 (tiān tú) und Ma 36 (zú sān Iǐ).
  • Bei unkontrollierten Lachanfällen kann man Bl 15 (xīn shū) und Bl 18 (gān shū) zufügen.
  • Bei zeitweiligem Sehverlust akupunktiert man Di 4 (hè gǔ) und Gbl 37 (guāng míng).
  • Bei Lähmungen der unteren Gliedmaßen akupunktiert man zusätzlich Ma 36 (zú sān Iǐ) und Gbl 34 (yáng líng quán).

Manipulationen

Am Punkt KG 17 (dàn zhōng) akupunktiert man in alle Richtungen, um so das qì zu zerstreuen und die Stagnation zu bewegen (sàn qì xíng zhì). Punkt Pk 6 (nèi guān) akupunktiert man gleichzeitig an beiden Armen und dreht mit beiden Händen gleichzeitig die Nadeln, wobei die Nadeln nicht weiter als um 90° gedreht werden sollen, mit einer Frequenz von 200/Minute. Man manipuliert hier drei bis fünf Minuten lang und wiederholt dies alle fünf bis zehn Minuten. Es werden zwei oder drei Behandlungen gegeben.

Fallbeispiel 1

Ein 35jähriger Funktionär hatte eine plötzliche Aphasie. Er wurde mit Akupunktur an den Punkten LG 15 (yǎ mén), KG 23 (lián quán), KG 13 (shàng wǎn), KG 6 (qì hǎi), Ma 36 (zú sān Iǐ) und Gbl 34 (yáng líng quán) insgesamt vier Stunden lang behandelt, ohne dass eine Besserung eintrat. Bei der Untersuchung hatte der Patient einen dumpfen Gesichtsausdruck. Er war zwar bei Bewusstsein, konnte aber nicht sprechen. Seine Zunge war blass mit einem weißen Zungenbelag, der Puls gespannt (xián). Nun wurden KG 17 (dàn zhōng) und Pk 6 (nèi guān) akupunktiert und die Nadeln 45 Minuten liegengelassen. Alle zehn Minuten wurden die Nadeln fünf Minuten lang drehend manipuliert. Nach dreißig Minuten begann der Patient plötzlich wieder zu sprechen. Er wurde mit derselben Methode bei zwei weiteren Anfällen ebenfalls von seinen Symptomen befreit.

Fallbeispiel 2

Eine 30jährige Arbeiterin hatte seit zehn Tagen eine plötzlich aufgetretene schlaffe Lähmung der unteren Extremitäten. Sie konnte nicht stehen und nicht gehen. Begleitend hatte sie ein Völlegefühl in der Brust und im Epigastrium und ein Kloßgefühl im Hals. Sie seufzte häufig. Die Zunge war blass, mit dünnem weißem Belag, der Puls schmal und gespannt (xián xì). KG 17 (dàn zhōng) und Pk 6 (nèi guān) wurden nun akupunktiert und die Nadeln 30 Minuten liegengelassen. Nach drei Behandlungen war sie beschwerdefrei.

BUCHEMPFEHLUNGEN

Kirschbaum, Barbara

Handbuch Zungendiagnostik

Die Zungenzeichen in der Chinesischen Medizin

Die Zungendiagnostik ist wesentlicher Bestandteil einer vollständigen Chinesischen Diagnose. Sie ist wichtig für eine zielführende therapeutische Entscheidung und vor allem für die prognostische Beurteilung des Krankheitsverlaufs. Die Zungenzeichen geben außerdem Aufschluss über konstitutionelle und energetische Stärken und Schwächen des Patienten.