Es gibt in der Akupunktur drei übliche Behandlungsweisen bei kindlicher Fehlernährung:
a) spitzes Stechen an den Ohrpunkten Magen, Dünndarm, Milz, Niere, Subkortex, Sympathikus, Leber und sān jiāo (Dreifacher Erwärmer);
b) Ma 36 (zú sān Iǐ) und bluten lassen an dem Punkt Lu 11 (shào shāng);
c) Akupunktur an Ma 36 (zú sān Iǐ) und bluten lassen am Punkt sì fèng.
Nach Hautdesinfektion sticht man die Ohrpunkte mit einer 28 G dünnen 0,5 cùn langen Nadel, bis sie bluten.
Am Punkt Ma 36 (zú sān Iǐ) wird die Nadel drei bis fünf Minuten nach dem Erreichen des qì-Gefühls liegengelassen.
Am Punkt Lu 11 (shào shāng) werden nach spitz stechender Akupunktur einige Blutstropfen herausgequetscht.
Man kann auch erst Ma 36 (zú sān Iǐ) akupunktieren und die Nadel dann einige Minuten liegenlassen und in dieser Zeit sì fèng punktieren. Hier quetscht man etwas gelbe Flüssigkeit heraus.
Man kann jede der angeführten Behandlungsmethoden wählen, dabei behandelt man die Jungen auf der linken und die Mädchen auf der rechten Seite. Im Allgemeinen reichen eine bis drei Behandlungen aus.
Fallbeispiel
Ein Junge im Alter von neun Monaten hatte seit fünf Monaten immer wieder Durchfall und Erbrechen. Er war zwar schon im Krankenhaus behandelt worden, aber die Beschwerden kamen anfallsweise immer wieder. Zehn Tagen zuvor waren sie zuletzt aufgetreten. Es ging ihm zwar zwischenzeitlich besser, aber in der vergangenen Nacht waren wieder Erbrechen und Durchfall aufgetreten. Er musste in dieser Nacht neunmal wässrige Stühle mit unverdauten Nahrungs-Bestandteilen entleeren und zweimal erbrechen.
Bei der Untersuchung erschien er dehydriert. Seine Haut war nicht elastisch. Seine Körpertemperatur betrug 38° C, und er musste ständig aufstoßen. Sein Puls war schmal und schwach (xì ruò). Die Zunge hatte eine rote Spitze und einen dünnen weißen Belag.
Es wurde an beiden Ohrspitzen Blut abgelassen, ebenso an den Punkten Magen, Dünndarm, Dickdarm, Niere, Milz, Subkortex, Sympathikus, Endokrinium und Herz am linken Ohr. Am zweiten Tag fühlte sich der Patient sich besser, seine Haut wurde elastischer, die Temperatur sank ab, und er hatte nur eine Stuhlentleerung. Er wurde ein weiteres Mal an den Ohrpunkten Magen, Milz, Niere, Dünndarm und Subkortex behandelt. Anschließend ging es ihm gut. Nach einem halben Jahr wurde er nachuntersucht und hatte keinen Rückfall gehabt.
Englert, Stefan; Becker, Simon; Wiebrecht, Axel;
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