Bei Kopfschmerzen werden folgende Punkte ausgeählt:
  • N 16 (huāng shū) wirkt nährend auf die Nieren (zī shèn jiàng nì).
  • Di 4 (hè gǔ) klärt die Ebene des qi (qīng qì fèn) und beseitigt Hitze in Kopf und Gesicht.
  • Gbl 20 (fěng chí) kann Wind und Hitze ausleiten (qū fěng jiě rè), den Geist klären und den Patienten wiederbeleben (qīng nǎo kāi qiào). Diese Wirkung erfolgt ganz unabhängig von den Ursachen der Erkrankung bei äußerer Kälte, Hitze, Wind, bei allen Arten von Kopfschmerzen, bei innerem Feuer und bei allen Erkrankungen der Sinnesorgane.
Es ist wichtig, die Punkte in der folgenden Reihenfolge zu behandeln:
  • N 16 (huāng shū) wird zuerst akupunktiert mit einer dünnen 1,5 cun langen Nadel unter Drehen und Rotieren und Heben und Stoßen, bis das Nadelgefühl in den Bauch hineinzieht.
  • Dann sticht man Di 4 (hè gǔ) mit einer 1,5 cün langen Nadel mit derselben Manipulation, bis das Nadelgefühl in die Hand und den Ellenbogen hineinzieht.
  • An beiden Punkten bleiben die Nadeln 20 und 30 Minuten lang liegen.
  • Anschließend nadelt man Gbl 20 (fěng chí) mit einer 1 cun langen dünnen Nadel. Sie wird mit drehender und rotierender sowie hebender und stoßender Manipulation eingeführt, bis sich das Nadelgefühl in die Stirn hinein ausbreitet. Diese Nadel zieht man sofort wieder heraus.
Sechs Sitzungen bilden einen Therapiezyklus. Bei leichten Fällen akupunktiert man jeden zweiten Tag, bei schweren Fällen täglich.

Fallbeispiel: Kopfschmerzen

Ein 42jähriger Mann kam zur Behandlung seiner Kopfschmerzen ins Krankenhaus. Ein Röntgenbild ergab eine Verschattung in der Zirbeldrüse. Im EEG zeigte sich kein pathologischer Befund. Das Flussenzephalogramm ergab Zeichen für eine zerebrale Angiitis. Er bekam zwei Monate lang Medikamente, aber sein Zustand verschlechterte sich weiter. Es wurde dem Patienten geraten, eine Gehirnoperation durchführen zu lassen, aber er wollte dies nicht. Als er in unsere Behandlung kam, musste er von zwei Personen gestützt werden. Er hielt seinen Kopf mit beiden Händen und klagte über schreckliche Kopfschmerzen. Wenn seine Haare von anderen Personen berührt wurden, empfand er stechende Schmerzen. Er hatte wenig Appetit und war sehr müde. Bei der Untersuchung hatte er eine fahle Gesichtsfarbe, er war geistig klar, der Puls war versunken und gespannt (chén xián), die Zunge leicht gerötet mit spärlichem Belag. Stuhlgang und Wasserlassen waren ohne pathologischen Befund. Der Patient wurde im Liegen, wie oben angegeben, akupunktiert. Zuerst wurde N 16 (huāng shū) gestochen, so dass das Nadelgefühl sich in das obere und untere Abdomen ausbreiten. Er klagte dabei über ein Gefühl, als ob qi vom Kopf nach unten fließen würde. Beim Akupunktieren von Di 4 (hè gǔ) breitete sich das Nadelgefühl bis in die Ellenbogen aus. An beiden Punkten wurden die Nadeln 20 bis 30 Minuten belassen und dann herausgezogen. Anschließend wurde Gbl 20 (fěng chí) genadelt, so dass das Nadelgefühl sich in die Stirn ausbreitete. Diese Nadeln wurden nicht liegengelassen. Die Kopfschmerzen waren danach merklich gelindert. Am nächsten Tag erzählte er lachend, er sei wieder unabhängig von fremder Hilfe. Nach zwei Behandlungen wurde er nur noch alle drei Tage behandelt. Nach drei Sitzungen war sein Zustand merklich gebessert. Insgesamt acht Behandlungen heilten ihn vollständig. Nach fünf Jahren wurde er nachuntersucht und hatte in dieser Zeit keinen Rückfall gehabt.