Das Punktieren von Verbindungsgefäßen und gleichzeitiges Ablassen einiger Tropfen Blut bei Kopfschmerzen ist eine Methode, die Akupunktur und Blutenlassen kombiniert.

Punktauswahl

Die Verbindungsgefäße in der Region von tài yáng, LG 20 (bǎi huì), Bl 2 (zǎn zhú) werden als Hauptpunkte ausgewählt.
  • Bei Einwirkung von Wind-Kälte zusätzlich Bl 12 (fěng mén) und Gbl 20 (fěng chí);
  • bei Aufbrausen von yáng der Leber zusätzlich Bl 40 (wěi zhōng) oder die umgebenden außerordentlichen Verbindungsgefäße sowie Le 3 (tài chōng);
  • bei Mangel an qi und Blut werden zusätzlich MP 4 (gōng sūn) und Bl 20 (pí shū).

Vorgehen

Man benutzt eine dreikantige Nadel. Wenn die Venen in der Gegend von tài yáng varikös sind, kann man sie direkt anstechen; wenn nicht, beklopft man das Gebiet und sticht dann ein.Die Punkte LG 20 (bǎi huì), Bl 2 (zǎn zhú) und Gbl 20 (fěng chí) werden punktiert und einige Tropfen Blut herausgedrückt.Bl 12 (fěng mén) und Bl 20 (pí shū) werden angestochen und dann geschröpft, um so Blut herauszuziehen.In der Gegend des Punktes Bl 40 (wěi zhōng) wird in erweiterte Venen gestochen. Bei MP 4 (gōng sūn) und Le 2 (xíng jiān) wird ebenso verfahren. Wenn das Herausdrücken von Blut schwierig ist, bindet man das Bein unterhalb des Knies mit einem Gummi ab und akupunktiert dann.In der Gegend von tài yáng, in der Kniebeuge, an Punkten auf dem Fußrücken oder bei erweiterten Venen kann man 3 bis 5 bzw. 10 bis 20 ml Blut ablassen; an den Punkten Bl 2 (zǎn zhú), LG 20 (bǎi huì) und Gbl 20 (fěng chí) jeweils 0,5 bis 1 ml; an den Punkten Bl 12 (fěng mén) und Bl 20 (pí shū) soll man Schröpfköpfe aufsetzen, nachdem 2 bis 4 ml Blut abgelassen worden sind.Bei Kopfschmerzen aufgrund von Mangel an qi und Blut wie bei aplastischer Anämie oder bei vaskulären oder nervös bedingten Kopfschmerzen kann Blutenlassen ebenfalls gute Ergebnisse erzielen.

Behandlungsverlauf

Bei akuten und kritischen Fällen wird ein- bis zweimal täglich, bei chronischen Fällen einmal alle 1 bis 3 Tage behandelt. Sieben Behandlungen bilden jeweils einen therapeutischen Zyklus. Es sollten nicht mehr als drei Behandlungszyklen gegeben werden.

Fallbeispiel: Kopfschmerzen

Ein 58jähriger Mann hatte aufbrausendes yáng der Leber mit wechselnden Blutdruckwerten zwischen 150 bis 200/90 bis100 mmHg seit sieben Jahren. Er hatte schwere Kopfschmerzen, die sich nur durch hohe Dosen von Analgetika und Sedativa lindern ließen. Drei Tage vor Aufnahme hatte er sich erkältet. Er fröstelte, die Nase war verstopft, er hatte Husten ohne Auswurf, die Gliedmaßen waren kalt. Sein Puls war eng und gespannt (jǐn xián), der Zungenbelag weiß. Diese Kopfschmerzen waren verursacht durch äußere Kälte, die zuerst behandelt werden musste.Eine schräge dreikantige Nadel wurde benutzt, um die Verbindungsgefäße in der Temporalregion in der Nähe des Punktes tài yáng zu punktieren und 3 ml Blut abzulassen. Am Punkt Gbl 20 (fěng chí) wurden 0,5 ml Blut abgelassen. Am Punkt Bl 12 (fěng mén) wurden mit Schröpfen nach dem Nadeln 3 ml Blut abgelassen. Dann waren die Kopfschmerzen gelindert. In derselben Weise wurde am zweiten und dritten Tag behandelt.Eine Woche später stieg nach Absetzen der Medikation mit Antihypertensiva der Blutdruck an auf 190/110 mmHg. Die Kopfschmerzen kehrten wieder, der Puls war gespannt (xián), der Zungenbelag auf der Zungenwurzel gelb.Am Punkt Bl 2 (zǎn zhú) wurde nun 1 ml Blut abgelassen, an den Verbindungsgefäßen der rechten Kniebeuge wurden 20 ml Blut abgelassen und am Punkt Le 3 tài chōng) wurden 2 ml abgelassen. In der folgenden Nacht ließen die Kopfschmerzen nach. Der Blutdruck war am nächsten Tag 170/100 mmHg. Die Behandlung wurde weitergeführt und nach vier Tagen waren die Kopfschmerzen völlig verschwunden. Der Blutdruck war abgefallen auf 170/95 mmHg. Innerhalb der nächsten drei Monate hatte er keine Kopfschmerzen mehr.