Bei akuten Krampfanfällen bei Kindern soll man das Gehirn erfrischen und den Patienten wiederbeleben (xǐng nǎo kāi qiào), in chronischen Fällen Milz und Magen regulieren (tiáo lǐ pí wèi). In beiden Fällen muss man sich jedoch mit dem Einwirken von pathogenem Wind auseinandersetzen (jīng fěng). Daher muss man in akuten Fällen auch die aufsteigende Energie der Leber unterdrücken, um den Wind zu beruhigen (píng gān xī fěng), und bei chronischen Fällen die Leber nähren, um den Wind beruhigen (yǎng gān xī fěng).

Behandlung von Krampfanfällen bei Kindern im akuten Stadium

Aufbrausendes Feuer und Wind bei Überwiegen des yáng mit Koma des Patienten (fěng huǒ fán chì) Hier hat der Patient hohes Fieber, Dyspnoe, er krampft, ist bewusstlos, die Augen sind nach oben gerichtet und der Blick fixiert, der Nacken ist steif, und es wird schaumiger Speichel entleert. Diese Symptome sind Anzeichen des aufsteigenden Feuers und Windes (huǒ shěng fěng dòng) aufgrund Überwiegen des yáng bei übermäßiger Hitze (yáng shèng rè shí). Man kann die Spitze des Mittelfingers und der mittleren Zehe mit der dreikantigen Nadel punktieren oder man akupunktiert spitz die Punkte Lu 11 (shào shāng) und Dü 1 (shào zé), um eine leichte Blutung zu erzeugen und so den Patienten wiederzubeleben. Auch die anderen Brunnenpunkte oder LG 26 (rén zhōng) kann man akupunktieren. Die Punkte LG 14 (dà zhuī) und LG 12 (shěn zhù) werden mit der heißen Nadel behandelt. Damit kann man eine schnelle sedierende und antipyretische Wirkung erzielen. An den Brunnenpunkten und am Punkt LG 26 (rén zhōng) darf man mit der heißen Nadel nicht behandeln. Hohes Fieber mit Verletzung des yīn und Unfähigkeit der Niere, die Leber zu nähren (gāo rè shāng yīn, shuǐ bù hán mù) Hier geht das Fieber weiter, auch wenn die Krampftätigkeit nachlässt. Der Patient hat ein gerötetes Gesicht, Durst, Atemnot, einen spärlichen, dunkelfarbigen Urin. Dies deutet darauf hin, dass die yīn-Flüssigkeiten erschöpft sind (yīn yè yǐ jīng dà shāng) und die Leber nicht mehr nähren können (shuǐ yǐ bú néng hán mù). Durch diese Konstellation kann es jederzeit zu Krampfanfällen kommen. Man muss daher yīn auffüllen und den Wind beruhigen (yǎng yīn xī fěng), um den Geist zur Ruhe kommen zu lassen (shén zhì děi níng). Hier wird mit der heißen Nadel behandelt. Gbl 20 (fěng chí), LG 12 (shěn zhù), LG 8 (jīn suō), Bl 18 (gān shū), Bl 23 (shèn shū), Pk 6 (nèi guān), 3E 5 (wài guān), Gbl 34 (yáng líng quán) und Gbl 39 (jué gǔ) können abwechselnd angewendet werden. LG 14 (dà zhuī), LG 9 (zhì yáng) und LG 4 (mìng mén) werden stark moxibustiert, wobei man in einer Behandlung immer nur einen Punkt davon behandelt. Wenn das Fieber absinkt, ohne dass ein weiterer Krampfanfall auftritt, ist es möglich, dass auch die zugrundeliegende Erkrankung gelindert oder sogar geheilt ist.

Behandlung von chronischen Krampfanfällen bei Kindern

Versagen der Transportfunktion der Milz (pí tǔ shī yùn) und Unterernährung des Holzelementes (der Leber) (mù shī suǒ yǎng) Die Niere ist hier noch nicht betroffen, aber die Funktion des Erdelementes (der Milz) ist beim Auftreten von Durchfällen bereits angegriffen (tǔ zàng zhi pí zǎo yǐ shòu sǔn). Dies stellt die Hauptursache bei der Entstehung von Krämpfen aufgrund von innerlichem Mangel dar (xū fěng nèi dòng). Daher muss man die Erde unterstützen (péi tǔ), um die Krampftätigkeit zu beruhigen, indem man die Leber nährt (yǎng mù). Hier ist die Moxibustion indiziert. KG 10 (xià wǎn), KG 9 (shuǐ fěn), KG 7 (yīn jiāo), Bl 20 (pí shū), Bl 21 (wèi shū) und LG 4 (mìng mén) werden hier ausgewählt. Besonders wirkungsvoll sind die Punkte KG 7 (yīn jiāo) und LG 4 (mìng mén). Jeder dieser Punkte kann einzeln verwendet werden. Verletzung des ursprünglichen qì bei Überschuss von yīn und Mangel an yáng (yuán qì shòu sǔn, yáng shuāi yīn shèng) Das ursprüngliche qì ist schwer geschädigt, auch wenn die Krampftätigkeit zum Stillstand gekommen ist. Die Symptome sind fahle Gesichtsfarbe, Ödeme der Gliedmaßen, weiche Stühle, gespanntes Abdomen, allgemeine Schwäche, kalter Körper mit kaltem Schweiß und alternierenden Episoden von Kälte und Hitze, zunehmende Erschöpfung. LG 20 (bǎi huì) ist hier die erste Wahl, und KG 6 (qì hǎi) und LG 4 (mìng mén) sollen mehrfach mit Moxibustion behandelt werden, um das Ursprungs-qì zu unterstützen.

Fallbeispiel 1: Krampfanfälle bei Kindern

Ein fünfjähriges Mädchen litt an plötzlich auftretenden Krampfanfällen. Sie hatte dabei die Hände zur Faust geballt und schüttelte ihre Glieder eine Stunde lang. Zuvor hatte sie zwei Tage lang Fieber, Durst und ein gerötetes Gesicht gehabt. Bei der Untersuchung hatte sie eine Körpertemperatur von 41,8° C, und die Herztöne waren sehr laut. Am Punkt LG 14 (dà zhuī) wurde sie mit der heißen Nadel behandelt. Nach der zweiten Behandlung hatte sich ihr Zustand gebessert. Nach der dritten Behandlung ließ die Krampftätigkeit nach, und das Fieber sank auf 40° C. Weitere zwei Tage wurde sie auf diese Weise behandelt und war anschließend beschwerdefrei.

Fallbeispiel 2: Krampfanfälle bei Kindern

Ein vierjähriges Mädchen litt seit zwei Monaten an chronischem Durchfall. Die weichen Stühle traten dreimal oder viermal täglich auf und enthielten unverdaute Nahrungsanteile. Sie hatte keinen Appetit. Wenn sie schlief, sah man das Weiße in ihren Augen. Ihre Finger zitterten, sie hatte häufige Kloni der Glieder, die Extremitäten waren kalt mit heißen Handflächen und Fußsohlen. Die Blutuntersuchung ergab keinen pathologischen Befund. KG 9 (shuǐ fěn) wurde zweimal täglich jeweils eine Stunde lang mit Moxibustion behandelt. Die Situation besserte sich schnell. Nach der zweiten Behandlung ließen die Krämpfe und Kloni nach. Nach sieben Sitzungen kehrte ihr Appetit zurück, der Stuhlgang normalisierte sich, und sie war wieder vergnügt. Nachdem sie weitere drei Tage lang moxibustiert worden war, ging es ihr gut.